Barfußgehen für Anfänger

Vielleicht bist du es leid, dass deine Füße immer schwitzen oder sich ständig anfühlen, als wären sie müde oder eingeschlafen. Vielleicht hast du es satt, ständig Schuhe kaufen zu müssen, die nicht richtig passen. Oder vielleicht sehnst du dich nach mehr Freiheit und möchtest einfach mal etwas Neues ausprobieren. Was auch immer der Grund sein mag: Barfußgehen ist eine großartige Erfahrung, die jeder machen sollte.
Wenn du noch nie barfuß gegangen bist, kann das Ganze zunächst ein bisschen einschüchternd sein. Aber keine Sorge! Wir helfen dir!

Tipps für den Übergang zum Barfußgehen

In unserem Blog findest du zahlreiche motivierende und inspirierende Beiträge für den Start ins Barfußgehen, zum Beispiel den Barfuß Leitfaden für Einsteiger. Schöpfe außerdem aus den vielen Erfahrungsberichten anderer Barfüßer/innen und lass dich für dieses tolle Lebensgefühl begeistern. Falls du noch ganz neu in diesem Thema bist, geben wir dir nun einige Tipps, wie du den Übergang zum Barfußgehen schaffen kannst.

Was ist das Besondere am Barfußgehen?

Viele Menschen fragen mich, warum ich barfuß gehe. Die einfache Antwort ist, dass es sich für mich richtig anfühlt und mir unglaublichen Spaß bereitet. Die Freude am Barfußgehen ist eine ganz persönliche Erfahrung, die ich bereits mit vielen anderen Menschen teile. Dies ist ein kostenloses Hobby, das du überall und jederzeit genießen kannst und das sich vielleicht sogar – wie bei mir – zu einer gewissen Lebensphilosophie entwickeln kann. Zu einem festen Bestandteil des Lebens, so wie das tägliche Zähneputzen ;-).

Barfußgehen ist eine großartige Möglichkeit, dich selbst und die Welt um dich herum besser kennenzulernen. Es ermöglicht dir, mit allen fünf Sinnen zu laufen. Jeder Schritt ist anders und fühlt sich anders an. Du spürst die Wärme der Sonne auf deiner Haut, den kalten Wind, den weichen Sand und die harten Steine.
Wenn du barfuß gehst, bekommst du ein viel besseres Gefühl für die Oberfläche, auf der du läufst. Du entdeckst die verschiedenen Untergründe neu und lernst, dich an die unterschiedlichen Bedingungen anzupassen.

Eine begeisterte Barfußgeherin sagte einmal zu mir: “Wenn ich barfuß gehe, öffnet sich mein Herz“.

Welche positiven Auswirkungen hat das Barfußgehen auf deinen Körper?

Einige positive Auswirkungen sind z.B., dass das Barfußgehen die Muskeln und Gelenke in den Füßen stärkt, die Durchblutung und die Balance verbessert. Es kann auch helfen, Rückenschmerzen zu lindern und den Körper in einem gesunden Gleichgewicht zu halten. Barfußgehen hilft dir also dabei, deinen Körper zu stärken und deine Gesundheit zu verbessern.

Wenn du gestresst bist, müde und abgeschlagen, empfehle ich dir, es mit dem Barfußgehen zu versuchen.
Ich weiß, es klingt vielleicht ein bisschen verrückt, aber das Barfußgehen kann deine Stimmung verbessern und dabei helfen, aktiv Stress abbauen. Also, gönne dir eine Auszeit und gehe barfuß. Du wirst staunen, wie gut du dich danach fühlst. Am besten suchst du dir dafür einen angenehmen Untergrund aus, wie eine Wiese oder einen erdigen Waldpfad.

Erste Gehversuche barfuß

Wenn du das erste Mal barfuß gehst, ist es wichtig, langsam und vorsichtig zu beginnen und den Fuß gleichmäßig aufzusetzen. Nicht mit der Ferse zuerst, wie du es mit Schuhen machst und auch nicht auf Zehenspitzen. Mache kleine Schritte und setze den Fuß achtsam mit der ganzen Fläche auf. Gehe zuerst nur auf weichen, flachen Oberflächen wie Rasen oder Erde, um deine Füße an das Gefühl des Barfußgehens zu gewöhnen. Beginne mit einer viertel bis halben Stunde pro Tag. Die Dauer ist abhängig vom jeweiligen Untergrund und deinem persönlichen Empfinden.

Du kannst das Barfußgehen leicht in deinen Alltag einbauen, in dem du Zuhause in der Wohnung barfuß gehst, zum Briefkasten, in die Garage oder zur Mülltonne. Steigere dich langsam von Woche zu Woche und lerne auch, achtsam bergauf und bergab zu gehen (Treppensteigen ist dafür eine gute Möglichkeit). Du kannst auch mal ein paar Schritte auf Asphalt oder Beton gehen. Aber überfordere deine Fußsohlen nicht, sie müssen sich erst ganz langsam daran gewöhnen. Auch Muskelkater kann durch die neue Gehweise auftreten, besonders im Knöchel-Waden-Bereich. Mit der Zeit wirst du automatisch mutiger. Die Haut deiner Fußsohlen muss sich ebenfalls erst an die neue Belastung gewöhnen, damit sie keine Blasen bildet. Sie wird nach und nach robuster. Dann kannst du auch mal ein Stück auf steinigen Wegen barfuß gehen.

Wie oft kannst oder solltest du barfuß gehen?

Es ist wichtig zu verstehen, dass Barfußgehen eine Aktivität ist, die deinen Körper stärkt und anpasst. Wenn du zu Beginn zu viel barfuß gehst, kann es sein, dass dein Körper nicht genug Zeit hat, sich anzupassen und zu wachsen. Deshalb fange langsam an. Zu wenig Barfußgehen hingegen kann dazu führen, dass dein Körper nicht die Stimulation bekommt, die er braucht, um stärker zu werden. Haben sich deine Füße erst an das neue Gefühl und die damit verbundene Situation gewöhnt, kannst du so oft barfuß gehen, wie es dir Spaß macht. Passe die Häufigkeit und Intensität der Befindlichkeit deiner Fußsohlen und der Fußhaut an. Bedenke auch, dass sich die Robustheit deiner Füße zurückbildet, wenn du wieder vermehrt Schuhe trägst. Regelmäßiges Barfußgehen ist also auf jeden Fall von Vorteil.

Benötigen deine Füße besondere Pflege?

Die Füße sind das Fundament deines Körpers und sollten daher mit der gleichen Sorgfalt behandelt werden, die du auch deinen Händen oder deinem Gesicht schenkst. Wie einfach oder intensiv die Pflege für deine Füße aussieht, hängt zum größten Teil von der Beschaffenheit ihrer Haut und der täglichen Beanspruchung ab. Generell ist es gut, wenn du deinen Füßen am Abend ein wohltuendes Fußbad gönnst. Sind sie erschöpft oder stark beansprucht, hilft ein einfaches Natronbad. Das ist basisch, entspannt die Haut und pflegt sie.

Wenn du das Gefühl hast, dass die Haut sehr trocken ist, kannst du sie eincremen. Bewährt hat sich hier ein besonderer Pflegeschaum, der, anders als andere Pflegecremes, sofort in die Haut einzieht und keine (Fett-)Spuren hinterlässt. Außerdem hilft der Anteil an Urea in diesem Schaum deiner Haut bei der Reparatur von feinen Rissen. Mehr zur Pflege und den speziellen Pflegemitteln erfährst du in unserem Pflegebeitrag und den angehängten Kommentaren anderer Barfüßer.

Was kannst du machen, wenn barfuß nichts mehr geht?

Wir empfehlen dir auf alle Fälle, immer Notschuhe dabei zu haben. Sie helfen dir, unterwegs die Füße zu schonen und unvorhersehbare Untergründe geschützt zu begehen. Scheue dich nicht davor, denn deine Füße nehmen es dir übel, wenn du sie länger als nötig “ärgerst”. Sie antworten dir unter Umständen mit Blasen, Überreiztheit oder Brennen. Es ist wirklich wichtig, dass sich deine Fußsohlen immer wieder richtig erholen können. Als Notschuhe eignen sich am besten einfache und preiswerte Surfschuhe oder Barfußschuhe. Drei Dinge sind dabei wichtig: die große Zehenbox, eine dünne Sohle und der Null-Absatz. Über die Vor- und Nachteile dieser Schuhalternativen und die verschiedenen Modelle findest Du zahlreiche Beiträge unter dem Menüpunkt Barfußschuhe.

Barfuß-Tipps für alle vier Jahreszeiten

Die ersten warmen Sonnenstrahlen, die nach dem langen Winter auf die Haut treffen, fühlen sich unglaublich gut an. Endlich kann man wieder barfuß laufen! Doch wie macht man das am besten?

Der Frühling ist die beste Zeit, um mit dem Barfußgehen zu beginnen. Die Temperaturen sind noch nicht zu hoch und die Nächte oft noch kühl. Wenn du dich an das Barfußgehen gewöhnt hast, kannst du in den Sommermonaten auch meist ohne Schuhe laufen.
Doch Achtung: Während es im Frühjahr und Herbst noch optimale Barfußbedingungen gibt, können dir der Sommer mit seinen hohen Temperaturen und der Winter mit seiner Eiskälte ganz schön zusetzen. Damit du unbeschwert durch die vier Jahreszeiten kommst, haben wir für dich alle wichtigen Informationen in Tipps zusammengefasst. Schaue dort auch in die wertvollen Kommentare anderer Barfuß-Einsteiger und -Profis.

Wenn du noch nie barfuß gegangen bist…

Dann solltest du es auf jeden Fall einmal ausprobieren!

Wir empfehlen dir, mit dem Barfußgehen zu starten, wenn du eine ruhige Zeit in deinem Alltag hast. Geh einfach langsam und vorsichtig dabei vor und finde heraus, wie es dir gefällt. Und wenn es dir nach ein paar Tagen nicht mehr gefällt, kannst du immer noch aufhören. Aber wir sind sicher, dass du nach einiger Zeit begeistert sein wirst und nicht mehr auf das Barfußgehen verzichten möchtest.

Also, worauf wartest du noch? Starte jetzt mit dem Barfußgehen!

Schau Dir dazu auch unseren Blog-Wegweiser an.

Wenn du Fragen hast, dann lass es uns in den Kommentaren wissen. Unsere stetig wachsende Community wird dir gerne mit ihren Erfahrungen zur Seite stehen.

22 Gedanken zu „Barfußgehen für Anfänger“

  1. Danke Eva für den Artikel.

    Ich lese hier schon länger mit und hab auch das Buch von Wolfgang mit grossem Interesse gelesen. Mich begeistertert das Barfusslaufen sehr, stehe aber noch am Anfang. Traditionelle Schuhe, also eher eng und mit Absatz, trage ich schon seit Jahren nicht mehr. Nur noch Barfussschuhe. Im Sommer auch schon mal mehrtägig Barfuss, bei Spaziergängen und kleineren Wanderungen. Ich steigere mich von Jahr zu Jahr.

    Zum Bäcker oder zur Post gehe ich mittlerweile im Sommer auch Barfuß. Meine persönliche Grenze sind Supermärkte, Restaurants bzw. generell Orte mit vielen Leuten. Vielleicht ändert sich das mit den Jahren. Das Ding ist, ich ziehe einfach ungern Aufmerksamkeit auf mich! Meiner Familie ist es stellenweise unangenehm; dann lasse ich es natürlich.

    Im Büro wäre es grundsätzlich auch okay, ist ganz locker bei uns. Das hab ich mich bisher noch nicht getraut (Kopfkino: Ich hab eine Führungsrolle, wie soll das denn auf meine Mitarbeiter wirken, usw…). Vielleicht stehe ich mir da aber auch selbst im Weg. Neulich in einem Workshop, war ein Kollege wie selbstverständlich in T-Shirt, kurzer Hose und barfuß. Ich stand vor ihm und dachte mir nur: “Schau mal, wie einfach das Leben es sein kann. Mach dir doch nicht so einen Kopf!” 🙂

    Das mit dem nicht auffallen wollen ist schon sehr ausgeprägt bei mir und macht z.B. auch den Kauf von Schuhen nicht leicht. Gerade Sandalen finde ich schwierig. Mit Birkenstocks fällt man heute weniger auf als z.B. mit den Shamma Sandalen (welche ich habe). Birkenstock sind halt u.a. wegen des Fussbettes nicht so toll, so wie ich das richtig verstehe.

    Zum Schluss noch eine ganz praktische Frage: Wie macht ihr das mit dem Pflegeschaum? Wenn ich den nutze, ihn im Bad einmassiere, kann ich nicht direkt danach in der Wohnung rumlaufen ohne Spuren auf dem Parkett zu hinterlassen. Manchmal massiere ich ihn erst auf dem Sofa ein, damit er Zeit hat einzuziehen aber dann würde ich eigentlich die Hände waschen wollen. Wie macht ihr das?

    Liebe Grusse

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    • Hallo Chris,
      herzlichen Dank für Deine Erfahrungen.
      Bzgl. des Pflegeschaums hatte ich anfangs genau die gleiche Handhabungsfrage 😉
      Ich mache es so: will ich gleich los, stelle ich mich zum Eincremen auf das “Fusshandtuch”. Ich nehme nur soviel Schaum, daß die Füße gerade versorgt sind und massiere ihn gut ein. Den übrigen feuchten Film nimmt das Handtuch auf.
      Creme ich mir die Füße abends vor dem Fernseher ein, nutze ich dafür einen Einmalhandschuh. So bleibt die Hand sauber. Der Handschuh ist ein paar Nummern zu groß, damit ich ihn immer wieder an- und ausziehen kann und nicht jedesmal einen neuen brauche 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

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    • Schaum habe ich noch nicht probiert (gibt es den in der apotheke?), ich verwende verschiedene cremes aus der tube. Dabei habe ich gemerkt, dass der fettgehalt sehr unterschiedlich ist (emulsion wasser in öl oder öl in wasser). Ich creme die füße als letzte handlung des tages vor dem schlafengehen ein, so dass höchstens das bettlaken etwas abkriegt. Dabei werden die hände ebenso eingecremt, was ihnen sicher auch gut tut.

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      • Das ist der Pflegeschaum Nr. 3 von Allpresan.
        Wir bestellen immer bei der jeweils günstigsten Internet-Apotheke. Meist 6 Flaschen auf einmal, ist am günstigsten, zumal wir den Schaum zu zweit und zweimal täglich nutzen 🙂

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  2. Moin Eva,
    ich habe bei einem 10km-Wettkampf letzte Woche endlich mal nicht allein barfuß an der Startlinie gestanden.
    Allerdings war der andere Läufer komplett zugetaped.
    Ich bin auch von der Heilwirkung von Tapes absolut überzeugt, aber als Barfußläufer sollte man “eigentlich” doch gar keine Schmerzen in Knien, Sprunggelenken, Hüfte usw. haben.
    Als wir dann losliefen sah ich, wo der liebe Mensch sein Problem hat:
    Er lief genau so, als hätte er noch immer die supergepolsterten Schuhe an, und als er ins Ziel kam war ihm anzusehen, daß er nicht schmerzfrei war.
    Also auf der einen Seite einen Riesenrespekt, daß er das 10km lang durchgehalten hat. Aber als Erkenntnis ist festzustellen: Barfuß ist nicht einfach ohne Schuhe !
    Mein Tipp für EinsteigerInnen, sowohl fürs Barfußgehen und fürs Barfußlaufen ist: Nehmt die Chance des Barfusgehens wahr udn fühlt in euren Körper hinein, wie sich das Gehen anfühlt. Das klingt jetzt sehr esoterisch, aber wer hat denn schon einmal wirklich darüber nachgedacht, wie sie/er geht? Wie der Fuß aufsetzt, wo zuerst, was machen die Knie, bewegen die sich nur vor und zurück oder auch nach außen und innen, wie halte ich meinen Kopf, hab ich beim Gehen ein Hohlkreutz usw.

    Also beim Barfußgehen und – Laufen: mal leicht nach vorn beugen, mal nach hinten, mal lange Schritte machen und mal kurze, mal den Nacken lang machen und den Körper strecken und mal ganz klein machen , den Schultergürtel mitbewegen und die Beine aus der Hüfte bewegen und immer fühlen/drauf achten: wie geht es am leichtesten? Wann tut nichts weh?
    Dann kann in kurzer Zeit die ganze Körperhaltung besser werden, wir bekommen wortwörtlich ein ganz anderes Auftreten, sind scheinbar ein paar Zentimeter gewachsen, und das gibt Selbstvertrauen – und wie!
    Und dann wird es uns immer wurschter, was andere denken, oder wir bekommen sogar Komplimente

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  3. Hallo Eva!

    Zunächst muss ich schreiben, dass ich schon barfuß ging, bevor ich es im kompletten Alltag intensiv tat, ich ging dann eben bloß auf asphaltierten Feld-Wirtschaftswegen und um die Unsicherheit zu unterdrücken, hielt ich meistens noch meine Birkenstock-Latschen in der Hand, damit Leute, die mir begegneten denken konnten, ich habe halt mal meine Schuhe ausgezogen und ginge barfuß, die Latschen gaben mir also eine gewisse Sicherheit
    2002 entdeckte ich beim googeln das “Hobby-Barfuss-Forum”, in dem sich Gleichgesinnte austauschen können, ich lernte einige nette Leute kennen und traf mich auch mit zwei Teilnehmern sowie mit weiteren bei einigen Treffen, die in dem besagten Forum immer organisiert wurden. Sie alle machten mir Mut und Martin aus Homburg, den ich ebenfalls im Forum kennen lernte und schon kurz danach durch Zufall auf dem Flohmarkt in Homburg traf, gab er mir den letzten “Feinschliff” und den Mut, auch bei schlechtem Wetter barfuß zu gehen. Wir unternahmen sehr viel und ich begann sogar damit, immer längere Abschnitte im Schnee zu gehen.
    Im Übrigen lernte ich auch Ulrich aus Berlin, der ja ebenfalls hier anwesend ist, bei den Treffen kennen, den ich davor nur aus dem Forum und vom Emailkontakt kannte.

    Liebe Barfußgrüße,
    Andi

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  4. Im rundbrief wurde ich gebeten, meine ersten schritte und schwierigkeiten zu schildern.

    Ich kann mich erinnern, dass ich mich als kind verletzlich fühlte und die welt draußen, die straße, aber auch das, was so unübersichtlich in der wiese wächst, als unheimlich, dreckig und gefährlich zu empfinden. Mich dem schutzlos auszuliefern, gab mir kein gutes gefühl. Außerdem hatte ich als introvertierte person angst davor, mich zu exponieren und etwas zu tun, was die anderen (alle oder die meisten) nicht tun.
    Es gab allerdings einige situationen, in denen ich ganz selbstverständlich barfuß lief. Morgens zwischen bett, badezimmer und anziehen; im hochsommer im garten oder im freibad in der badehose; am spielplatz im sandkasten (wo bald auch die eltern drauf kamen, dass nackte füße schnell und leicht von sand zu befreien sind, was auf socken und schuhe nicht zutrifft).
    Manchmal bin ich auf der wilden wiese nahe dem elternhaus mit freunden auf bäume geklettert und irgendwann kam jemand darauf, dass das barfuß besser geht, seitdem blieben die sandalen, schuhe und socken unten und wir nutzten unsere nackten zehen zum klettern, zumindest oben auf dem baum.
    Aus neugier bin ich in einem unbeobachteten moment auch mal barfuß im wald gegangen, ganz vorsichtig; ich kann mich erinnern, dass die tannennadeln am boden pieksten und es viele wurzeln und zweige am boden gab. Was ich mich eher nicht traute, war als einziger in einer gesellschaft von schuhträgern barfuß zu gehen.

    Die eltern erzählten einerseits, wie sie als kind in der “notzeit” im sommer barfuß liefen, oder auch im schulsport. Andererseits gab es ermahnungen der art “Zieh dir was an die Füße, du tust dir sonst weh”. Von irgendwoher gab es auch die mär, wer barfuß geht egal in welcher jahreszeit, erkältet sich sofort oder es erfrieren sogar die zehen und fallen dann ab.

    Erst als ich zum studieren in einer anderen stadt allein wohnte, traute ich mich auch etwas weiter barfuß heraus, zunächst mit sandalen in der tasche, wer weiß was da lauert …. Da habe ich dann erst erfahren, wie gut sich moos anfühlt oder viele sorten rasen/wiese (es gibt auch sehr stachelige wiesen, nur barfußwanderer können den unterschied spüren). Der hauptgrund, warum ich weitergemacht habe und später auch im frühling oder herbst meine kältegrenzen auszuloten begann, war das gute bodengefühl (und dann merkte ich auch, wie mich die engen, heißen schuhe störten).

    Heute denke ich: Es ist nie falsch, barfuß zu gehen, so lange es sich gut anfühlt. Wenn es weh tut oder bei kälte das gefühl ganz verschwindet, sind die grenzen erreicht. Füße gehören wie hände zu jenen körperteilen, die am besten funktionieren, wenn sie nicht eingepackt werden, deshalb ist auch nichts “falsches” dabei, im frühling oder herbst in jacke, pulli und langer hose mit nackten händen und füßen raus zu gehen. So kann ich auch kühle tage genießen! Und der dreck? Unbedeutender nebeneffekt, lässt sich leicht waschen. Warum auch immer (glatt polierte sohlenballen?), ich kriege keine tiefschwarzen fußsohlen und nutze auch jede gelegenheit, sie in einem bach oder brunnen abzuspülen.

    Ich habe selbst keine kinder, aber vielleicht können auch junge eltern daraus lernen: Wenn kinder gern barfuß gehen, sollten sie daran nicht gehindert werden und ihnen auch kein vages schlechtes gefühl darüber gegeben werden. Ein paar aufmunternde hinweise wären sogar hilfreich, um bei irgendwelchen zweifeln das selbstvertrauen zu stärken: “Deine nackten Füße sehen gut aus, sind stark und können viele schöne Dinge tun und Abenteuer erleben, so lange du aufpasst, wo du hintrittst und dich gut dabei fühlst.” Die ganze eingewöhnung geht in jüngeren jahren viel einfacher und findet am allerbesten in den ersten lebensjahren beim laufenlernen bzw. schon davor statt.

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    • Als Kind durfte ich nicht ohne Schuhe laufen, weder im Haus noch draußen. Meine Mutter fand es zu gefährlich.
      Um so mehr hat es mich als Jugendlicher gereizt. Ich habe dann absichtlich beim Sportunterricht die Schuhe vergessen und musste dann sozusagen als Strafe barfuß teilnehmen. Je nach Sportart konnte das auch recht weh tun, zum Beispiel beim Fußball auf dem Aschenplatz, wenn fast alle Schuhe trugen.
      Später habe ich dann das Barfußwandern für mich entdeckt, was mir bis heute riesig Spaß macht.

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    • … was ich noch hinzufügen möchte: Eine große hilfe gegen das beschriebene gefühl der verletzlichkeit, sei es eine vage angst vor gefahren und schmutz oder vor den kommentaren der umgebung, ist die erfahrung, dass es nicht so schlimm ist, sondern auf den meisten böden sogar genussvoll (und fragen “warum läufst du barfuß?” am besten mit “weil es Spaß macht und sich gut anfühlt” beantwortet werden).
      Und dieses hochgefühl wird immer besser, wenn es beim nächsten, übernächsten mal immer leichter wird und sogar schotterstraßen einen teil ihres schreckens verlieren.
      Am einfachsten ist es wohl, wenn du nicht der einzige bist, sondern gleichgesinnte dir die scheu nehmen.

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    • Herzlichen Dank, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst 🙂
      Ich finde es prima, dass Du durch achtsames und behutsames Vorgehen Dir selbst gegenüber, ein für Dich stimmiges Körpergefühl entwickelt hast!
      Dein Satz “Es ist nie falsch, barfuß zu gehen, so lange es sich gut anfühlt” spiegelt auch meine Einstellung zum Barfußgehen wider.
      Liebe Grüße
      Eva

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  5. Wieder mal ein ganz hervorragender und wichtiger Artikel. Er hilft die beschriebenen Fehler zu vermeiden, die auch mir passiert sind.
    Angefangen habe ich mit dem Barfußlaufen als Jugendlicher. Damals fand ich es total cool, dass ein Mädchen in unserer Nachbarschaft fast immer barfuß lief und auch so zur Schule ging. Ich wollte das natürlich auch machen, das Ergebnis waren Blasen vom heißen Asphalt und überanstrengte Füße.
    Mit der Zeit wurden meine Füße dann immer unempfindlicher und es ergab sich die Herausforderung, wo man überall barfuß hingehen wollte und konnte.
    Geholfen hat mir dann ein Urlaub im Ausland, wo ich es dann auch endlich wagte, barfuß in einen Supermarkt und in ein Restaurant zu gehen,
    Letzlich funktionierte alles viel unproblematischer als ich befürchtet hatte

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  6. Hallo Eva,
    Du hast Dir viel Mühe für den Bericht gegeben.

    Und an alle, denen noch ein wenig Mut fehlt:
    Traut Euch!
    Und seid gespannt was passiert!
    Ihr seid nicht allein!

    Grüße
    Detlef

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  7. Hallo Eva, ich kann Forbi nur zustimmen. Einfach machen und deinem Gefühl nachgeben. Es ist ein tolles Gefühl den Boden zu spüren und frei von Schuhen zu laufen. Lasst euch von keinen Argumenten abschrecken, es ist gut wenn es dir gut tut. Ich praktiziere das Laufen ohne Schuhe schon seit mehreren Jahren, bis zu einer Temperatur von ungefähr 5 Grad, es soll mir ja gut dabei gehen.. Ich kann nur sagen traut euch und lauft ohne Schuhe los- es ist sehr befreiend.

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  8. Hallo Eva, super gemacht.
    Barfußgehen für Anfänger. Hmmm….. was soll ich sagen? Bin ja selbst noch nicht so lange dabei.
    Angefangen hat alles mit einem Gespräch nach einer MRT Untersuchung. Der Orthopäde wollte mir wie immer Krankengymnastik und Schmerztabletten verschreiben. Nach meinem Einwand das KG eigentlich gar nichts bringt und wenn überhaupt dann nur kurzfristig, kam der Arzt dann auf das Thema Barfuß. Anfangs habe ich noch gedacht der hat sie nicht alle. Was haben die Füße mit meinem Rücken zu tun? Allerdings hat mich das Thema nicht losgelassen und ich habe angefangen zu Googeln.(Das war jetzt die Kurzversion) Ich war erstaunt was dort für Ergebnisse kamen. Also habe ich angefangen die Schuhe wegzulassen. Erst in der Wohnung , nach einiger Zeit habe ich das dann auf Hof und Garten ausgeweitet. Dann kam der Winter, Hof und Garten wurden jetzt zur Herausforderung. Aber auch das hat geklappt, war ja immer nur für kurze Zeit draußen. Übrigens werden die Füße danach richtig warm. Seit August 2021 gehe ich sehr gerne in der Natur barfuß spazieren. War am Anfang echt eine große Überwindung, man denkt ja man ist nackt beim ersten mal, aber merkwürdigerweise habe ich nie eine negative Reaktion von anderen bekommen. Eigentlich gab es gar keine Reaktionen. Seit diesem Frühjahr bin ich in meiner Freizeit fast nur noch barfuß unterwegs. Wenn ich mal Schuhe trage dann nur noch Minimalschuhe oder, wie jetzt im Sommer, Huarache Sandalen. Und im Auto liegen für alle Fälle noch ein Paar alte Flip Flops. Bei Restaurants habe ich noch meine persönliche Hemmschwelle. Da fühle ich mich barfuß nicht wohl und ziehe dort meine Minimalschuhe an. Aber so eng sehe ich das nicht. Ich mache so weit wie es mir Spaß macht. Wenn es mir unangenehm wird Ziehe ich mir halt was an die Füße. Reaktionen anderer gibt es kaum. In meinem Freundes und Bekanntenkreis ist es inzwischen völlig normal das ich Barfuß bin. Einzig im Fußballverein gab es Klärungsbedarf, aber nach dem ich die aufkommenden Fragen beantwortet habe ist es auch dort kein Thema mehr. Ist halt ne Super Truppe. Ich habe festgestellt, es gibt drei Arten von Leuten. 1. die Kopfschüttler, die sagen nichts und denken sich ihren Teil. 2. die Interessierten / Besorgten, die sprechen einen an ob das gut ist oder nicht doch zu kalt usw. Und 3. das ist unangefochten die Mehrheit, die Interessiert das gar nicht.
    Ich kann nur jedem raten, packt die Füße aus, es lohnt sich für die Gesundheit und auch das allgemeine Wohlbefinden. Nützliche Tipps dazu findet Ihr ja hier im Blog.
    Kommende Woche kommt mein erstes Heavy Metall Festival als Barfüßer. Mal sehen wie das wird. Eventuell berichte ich hier mal davon.
    Viele Grüße aus dem Harz, Rolf

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    • Hallo Rolf,
      ganz lieben Dank, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst. In Deinem Bericht stecken ganz viele positive Informationen drin!
      Interessant, dass gerade ein Arzt Dir den Schubs in die richtige Richtung gegeben hat. Das ist wirklich selten.
      Noch besser ist jedoch, dass Du diesen Wink aufgegriffen hast und einfach angefangen hast, barfuß zu gehen.
      Und jetzt so begeistert bist. Mach weiter so!
      Viel Spaß beim Festival, ich bin schon gespannt, wie Du das erlebst
      Liebe Grüße
      Eva

      Antworten
      • Hallo Eva,
        danke für den Zuspruch. Ich habe mir meinen Beitrag nochmal durchgelesen und festgestellt, dass ich völlig vergessen habe zu erwähnen, dass meine Beschwerden durch einen Kreuzbandriss und des Lendenwirbelsyndroms durch das barfuß gehen fast völlig verschwunden sind. Krankengymnastik und täglich Schmerztabletten waren gestern. Ich wollte das noch erwähnt haben.
        Liebe Grüße, Rolf

        Antworten
  9. Hallo Eva, schön zusammengefasst, aber ich find’s fast schon wieder zu viel. Ich glaube, viele trauen sich nicht, weil die Fülle an Informationen sie verunsichert. Wie mache ich es richtig? Was muss ich alles beachten? Die einfache Antwort lautet: gar nichts!
    Vergesst den Quatsch mit Coaching und Vorfuß-, Mittelfuß- oder Ballengang. Gar nicht drüber nachdenken! Einfach die Latschen aus und die Welt spüren. Aber langsam und bewusst! Jeden Tag eine Viertelstunde um den Block und nach ein, zwei Wochen mal schauen, wie es einem damit geht. Mit dem ganzen Rest (Technik, Notschuhe, Pflege etc…) kann man sich später immer noch beschäftigen. Anna McNuff hat den schönen Satz gesagt: “the only way to learn to run barefoot is to run barefoot”. Besser kann man es nicht ausdrücken.

    Und was die Öffentlichkeit angeht: ich kann mich noch erinnern, wie ich zum ersten Mal barfuß beim Bäcker war und mir wer weiß was ausgemalt hatte, was die Leute sagen könnten. Keiner hat was gesagt – und damit war das Thema für mich erledigt 😉
    Also traut Euch! LG Forbi

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