So wird Barfuß Radfahren zum Vergnügen

image_pdfimage_print

Barfuß Radfahren – ein Stück Freiheit

Wer hat nicht schon darüber nachgedacht, dass es doch – gerade im Sommer – phantastisch sein müsste, barfuß mit dem Rad zu fahren. Wären da nur nicht diese unbequemen Pedale oder das Vorurteil, mit nackten Füßen wäre das Fahrradfahren gefährlich.

Wir sind viel und gerne mit unseren Rädern unterwegs und so stellte sich auch für uns die Frage, welche Pedale wohl ideal wären. Und was ist wirklich dran an der Befürchtung, barfuß Radfahren sei gefährlich?

Aufräumen mit dem Vorurteil

Als erstes sei einmal gesagt: Barfuß Radfahren ist nicht zwangsläufig gefährlicher als mit Schuhen. Achtsamkeit ist immer sinnvoll – ob man nun Schuhe trägt beim Radfahren oder barfuß fährt. Beachtet man einige Dinge, so macht das Fahrradfahren mit nackten Füßen sogar enormen Spaß. Situationen, die eventuell besondere Aufmerksamkeit erfordern, betreffen das Absteigen und das Fahren auf holperigem Untergrund. Dies gilt hauptsächlich für Barfuß-Neulinge. Mit der Zeit wird man routiniert und fährt vorausschauender.

Barfuß Radfahren macht auch auf Forstwegen Spaß
Barfuß Radfahren macht Spaß

Barfuß Radfahren sorgt für gute Belüftung

Wer viel barfuß unterwegs ist, wird das barfüßige Radfahren als ein weiteres Plus für sich entdecken.

Der große Vorteil liegt in der perfekten Belüftung. Gerade in der warmen Jahreszeit (und auf langen Touren) sind wir froh, wenn uns der Fahrwind nicht nur um die Nase, sondern auch um die Sohlen weht.  Barfußsein wirkt wie ein Turbo, beim Laufen wie beim Radfahren. Auch nach längeren Touren sind wir frisch und erholt und fühlen uns gut. Der übliche Hitzestau (Kochfüße) in Schuhen bleibt uns erspart 😉

Barfuß Radfahren bei Minustemperaturen?

Barfuß Radfahren kann selbst bei Minus 5° ein tolles Gefühl sein. Man sollte aber hier besonders achtsam sein und sich möglichst dafür einen sonnigen Tag aussuchen. Der Asphalt heizt sich durch die Sonne auf. Dadurch wird das barfuß Radfahren bei diesen Temperaturen zu einem besonderen Erlebnis.

Allerdings: Barfuß angenehm ist es nur, wenn der Fahrtwind gering ist und sich die Wege in sonniger Lage befinden. Sobald es durch schattige Häuserzeilen geht, wird es unangenehm frisch um die Zehen.

Barfuß Radfahren in kaltem Regen (4°) mit dem Zwiebelprinzip

Was sieht man? Eine Regenjacke und eine Regenhose. Dazu noch Handschuhe.

Barfuß mit Regenbekleidung
Barfuß mit Regenbekleidung

Unter der schwarzen 2-teiligen Regenkombi finden sich eine Leggins und die Jeans. Obenherum T-Shirt, Kapuzenjacke, Weste. Ein Schal hält die Wärme drinnen. Am Kopf ein Stirnband aus Fleece und der Regenhut. Beides sieht man unter der Kapuze der Regenjacke nicht.

Gut verpackt – naja, bis auf das markante untere Ende 😉

Pedale mit Norm-Gewinde für Selbstmontage

Wir haben verschiedene Pedale ausprobiert. Alle Pedale haben genormte 9/16 Gewinde und lassen sich mit wenigen Handgriffen an jedes beliebige Fahrrad anschrauben. Ausprobiert haben wir sie mit normalen Herren- bzw. Damenrädern, Tourenrädern, E-Bikes und Mountainbikes.

Die Pedale unterscheiden sich sehr in Aussehen und Preisklasse. Die Entscheidung, welches Modell zu Dir passt, kannst Du anhand Deines Geschmacks treffen. Wir stellen Dir hier unsere erprobten Modelle vor:

Moto Urban „Classic“

Seit 4 Jahren benutze ich (Wolfgang) die Moto Urban „Classic“ , die es damals als einziges Modell bei der Firma Moto Bicycles zu kaufen gab. Ich zögerte lange, weil der Preis mit seinerzeit 155 € einfach sehr hoch war. Dafür halten sie bis heute, was ich mir von ihnen versprochen hatte.

Die Moto Urban "Classic"
Die Moto sind beidseitig mit Griptape ausgestattet, es gibt also kein „unten“ oder „oben“

Für mich sind sie die absolut besten Barfußpedale auf dem Markt. Die Kraftübertragung ist mit der ebenen, großen Auflagefläche von 76 mm x 92 mm und dem abziehbaren, absolut rutschfesten Griptape auf beiden Pedalseiten perfekt und sehr angenehm für die baren Füße. Ich war vorher überzeugter Klickie-Fahrer und überrascht von der Leistung dieser Pedale. Selbst mit feuchten und lehmverschmierten Füßen ist der Kontakt noch überraschend gut.

Der hohe Preis der Moto Urban ist durch die doch sehr aufwändige und dennoch mit 340 g pro Paar sehr leichte Konstruktion erklärbar. Den Kern bilden Tragschalen aus glasfaserverstärktem Kunststoff sowie hochvergütete, CNC-gefräste CrMo Hohlachsen. Dazu kommt der, insbesondere für Stadträder, optisch sehr wirkungsvolle Holzrahmen. Die Bauhöhe ist mit 15 mm sehr niedrig, das 9/16 Pedalgewinde entspricht dem Standard.

Ich habe meine Moto noch nie gewartet und fahre auch immer noch mit der ersten Griptapeauflage, obwohl mehrere Ersatztapes mitgeliefert wurden. Für mich ein absoluter Volltreffer, mit dem mir das Barfußradfahren auch auf schwierigeren Strecken ungemein Spaß macht.

Moto Urban „Reflex“

Inzwischen gibt es die Moto Urban in der Version Moto Urban „Reflex“ mit ca. 50 € zu einem wesentlich günstigeren Preis, wobei das Innenleben identisch zu den „Classic“ zu sein scheint. Eva ist ebenso begeistert und fährt sie an ihrem Mountainbike sowie auch am E-Bike.

Die Moto Urban "Reflex"-Pedale
Auch die Moto Reflex sind beidseitig mit Griptape ausgestattet.

Ergon PC2

Die Ergon PC2 sind ergonomisch geformte Pedale, die ich (Eva) mehr als 2 Jahre an meinem Mountainbike genutzt habe. Hier liegt der Ballen einige Millimeter tiefer als der Zehenbereich, der sich wunderbar um den vorderen Rand „krallen“ kann. Die Ergon PC2 gibt es in verschiedenen Größen – ich hatte die Größe S (Schuhgröße 41).

Die Ergon PC2

Mein persönlicher Nachteil der Ergon PC2: Auf Strecken ab ca. 60 km fangen die Fußsohlen an zu kribbeln, es entstehen verschiedene Druckpunkte.

Hinweis: Da die Ergon PC2 nur noch schwer zu bekommen sind und sie darüber hinaus im Preis auf über das Doppelte gestiegen zu sein scheinen, kann ich sie an dieser Stelle nicht mehr empfehlen und bin mittlerweile komplett auf die Moto Urban „Reflex“ umgestiegen.

Günstige Alternativen für barfüßiges Radfahren

Die Aaron Urban , die XLC Pedale und die CONTEC City-/Tourpedale (in verschiedenen Farben erhältlich), sind nahezu baugleich. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in Gewicht und Preis.

Relativ neu auf dem Markt sind die ergotec Pedale EP1 und die Humpert Kunststoffpedale.

Diese Alternativen sind preisgünstig und relativ barfußtauglich für kurze Strecken geeignet.

Unsere persönliche Meinung

Wenn Du…

  • viel barfuß Rad fährst,
  • lange Strecken und Touren unternimmst,
  • Dein Augenmerk auf Fußkomfort richtest,

dann gilt unsere uneingeschränkte Empfehlung den Moto. Ob mit Holzrahmen oder in der preiswerteren Alternative , ist dabei reine Geschmackssache.


Newsletter

Newsletter

Datenschutzerklaerung


 

image_pdfimage_print
Aktualisiert von Eva Maria Lockstaedt am 8. Oktober 2018

12 Gedanken zu „So wird Barfuß Radfahren zum Vergnügen

  • 6. Oktober 2018 um 16:08
    Permalink

    Hallo zusammen,
    das Bild mit Regenjacke, Handschuhen, Mütze…aber barfuß irritiert mich etwas. Warum Handschuhe aber keine Schuhe? Ist das Freiheitsgefühl nicht übertragbar auf alle Glieder? Nass darf die Haut an den Füßen werden, an den Händen nicht?
    Wenn’s mir persönlich an den Fingern kalt ist, ist es mir an den Füßen erst recht kalt.
    Ich muss zugeben, ich bin eher der Privatbarfußläufer. Also im Haus und um das Haus. Weiter eher nicht da mir das im Grunde alles zu dreckig ist. Spucke, Tierdreck, Ölflecken von Autos usw …
    Es wäre mir zu viel Aufwand 5 mal am Tag die Sohlen zu waschen.
    Aber warum die Füße nackt und der Rest bis zu den Fingerspitzen eingepackt?

    Antwort
    • 7. Oktober 2018 um 06:22
      Permalink

      Hallo Steini,
      die Muskulatur der Füße erzeugt durch die permanente Bewegung Wärme. Im Gegensatz zu den Händen, die nicht so stark bemuskelt sind und beim Gehen lediglich hin und her schwingen (wenn überhaupt). Voraussetzung für das Barfußgehen in Herbst/Winter ist, dass die Füße immer in Bewegung bleiben und der restliche Körper (eben mangels Bewegung) warm eingepackt ist – das gilt dann auch für die Hände.
      Im Artikel über die Haut steht sehr gut beschrieben, warum uns „Dreck“ an den Füßen nicht viel ausmacht.
      Ich kann mir auch nicht vorstellen, mir 5x am Tag die Füße zu waschen. Schließlich bleiben sie auf dem Boden, ich fasse mit ihnen weder mein Gesicht noch Lebensmittel oder Geschirr an. Wie oft man sich die Füße wäscht, das handhabt jeder wie er mag. Bei mir ist es ganz einfach situationsabhängig, denn meist reicht ein Gang durchs Gras, den Bach oder die Pfütze, um die Füße wieder weitesgehend sauber zu bekommen. Bevor ich allerdings abends „die Füße hoch lege“, gibts immer – ohne Ausnahme – je nach Tagesverlauf entweder die Fußwäsche im Waschbecken oder ein ausgedehntes Fußbad mit anschließender Pflege. Man geht ja schließlich auch nicht mit Schuhen ins Bett…..
      Gruß
      Eva

      Antwort
      • 28. August 2018 um 18:24
        Permalink

        Hallo, inzwischen habe ich mir doch die Moto Pedale zugelegt. Die Paste war zwar anfänglich eine gute Idee, aber hält bei mir nicht dauerhaft an den Plastikpedalen, d.h. sie ist abgefallen! Die Motos sind klasse! Fährt sich wirklich super. Danke für den Tipp!!!

        Antwort
  • Pingback: Barfußtaugliche Fahrradpedale – lederfuesse.de

  • 17. Oktober 2017 um 04:03
    Permalink

    Ich fahre weitgehend normale und preisgünstige Pedale, mit der ASIN B006YY9Y6C, die es in sehr ähnlicher Form von mehreren Herstellern gibt.

    Der Ballen liegt dabei in etwa auf der Achse bzw. zwischen Rahmen und Achse; die Zehen greifen ein Stück weit vorn um den Rahmen herum.
    So kann ich das Pedal nicht nur niedertreten, sondern es auch nach hinten und sogar ein klein wenig nach oben ziehen, was in einem halbwegs runden Tritt resultiert.

    Eher tut mir der Po weh, als die Füße -auch bei Touren von >80km 🙂

    Das gilt für mein Tourenbike.

    Beim MTB, welches auch entsprechend genutzt wird, sind auch MTB Pedale verbaut, die ich nicht barfuß fahren kann.

    Antwort
  • 2. Oktober 2017 um 18:27
    Permalink

    Ich fahre nicht soviel Fahrrad wie Ihr, habe aber auch zwei MTB´s. Im Urlaub in unserem Ferienhaus an der Ostsee waren die „klassichen“ MTB-Pedale mit den griffigen Spornen die Hölle, ich habe sie gegen recht günstige Pedale (VP comp) ausgewechselt (der nette Fahrradhändler vor Ort hatte sofort Verständnis, als ich ihm sagte, dass ich barfuss Fahrrad fahre).- Für Touren bis 20 oder 30 km reichen die Pedale völlig aus , und nun ist das MTB auch barfuss ein Genuss. Bei meinem MTB zu hause muss ich die Pedale noch auswechseln, werde dann mal die günstigeren Motos ausprobieren.
    Gruss vom
    Michael

    Antwort
    • 2. Oktober 2017 um 18:45
      Permalink

      Hallo Michael,
      MTB’s setzt man ja normalerweise ein, wie es der Name schon vorgibt, im Gebirge. Und auf den dort üblichen Wegstrecken braucht man Pedale, die den baren Füßen sicheren Halt geben und die wirkenden Kräfte gut verteilen. Da sind die Moto’s mit ihrer großen Auflagefläche genau richtig. Bin mal gespannt, welche Erfahrungen Du damit machst.
      Viele Grüße,
      Wolfgang

      Antwort
  • 1. Oktober 2017 um 20:44
    Permalink

    Moto Reflex habe ich montiert und kann ich empfehlen. Die oberfläche ist hartes, rauhes griptape, sehr rutschfest. Die ausfahrten waren komfortabler als mit dem gummiblockpedal. Einziger nachteil: Das pedal sammelt dreck, was eher ein ästhetisches problem ist. Allerdings leicht mit wasser zu reinigen.

    Das gesetz (in Deutschland und Österreich) schreibt gelbe pedalrückstrahler vor, demnach wäre nur die version mit gelbem reflextape zulässig. De facto wird aber wohl niemand wegen anderen farben aus dem verkehr gezogen.

    Eine allgemeine erfahrung beim schnellen barfuß-downhill-radeln auf schotterstraße: Die vom vorderrad hochfliegenden steinchen können teils schon wehtun ….

    Antwort
    • 1. Oktober 2017 um 21:47
      Permalink

      Da kann ich Dir nur beipflichten. Da hat die Polizei Wichtigeres zu tun, als Rückstrahler an Fahrradpedalen zu kontrollieren. Wenn man oft auf dunklen Straßen unterwegs ist, ist wahrscheinlich gut reflektierende Kleidung die beste Lösung.

      Das mit den Schotterstraßen habe ich noch nicht bemerkt. Wahrscheinlich fahre ich dort einfach nicht schnell genug. Hab’s vor Jahren mal geschafft, mit T-shirt, Shorts und Flip-flops nach einem Fahrradsturz auf so einem Weg ein Stück zu rutschen. Muss ich nicht noch mal haben. Seitdem bin ich etwas vorsichtiger und weniger risikofreudig unterwegs…

      Antwort
      • 1. Oktober 2017 um 22:26
        Permalink

        Ich bin jetzt mit einem 100lux-scheinwerfer und LED-rücklicht mit standlicht und tagfahrlicht ohnehin beleuchtungstechnisch gut ausgerüstet und fühle mich bei nacht weitaus sicherer als vorher, mit einer gelben warnweste wäre ich dann vollends unübersehbar.

        Die von rennradlern benutzten klickpedale mit zugehörigen schuhen sorgen zwar für „perfekte kraftübertragung“, sind aber auch ein sicherheitsrisiko, denn es gibt immer wieder unfälle, wo jemand nicht rechtzeitig aus den pedalen kam. Was die kraftübertragung angeht, ist der höhere reibwert der pedale sehr von vorteil. Wenn es deutlich kälter wird, ziehe ich halt handschuhe und fivefingers (fußhandschuhe) an …. aktuell geht es noch sehr gut ohne.

        Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.