Minimalschuhtest Senmotic Storm

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Testautor: Forbi

  1. Hersteller:    Senmotic
  2. Modell:           Storm H1 (hohe Variante)
  3. Kaufdatum:  01/2017
  4. Preis:               129,90 € (Angebotspreis)
  5. Weblink:        https://www.senmotic-shoes.eu/storm-barfussschuhe/
  6. Schuhtyp:      Winterstiefel (gefüttert)
  7. Material:         außen Rinds-Nubuk, innen Lammfell, Innensohle Wollflies mit Lammfell, Sohle aus Lifoprene PU
  8. Gewicht:         360 g (pro Schuh)
  9. Aussehen

Ein Winterstiefel im typischen Senmotic Design (wie ein 70er Jahre Sportschuh). Die hohe Variante (H1) geht über den Knöchel, die flache (F1) ist ein Halbschuh.

Die Senmotic Storm als Winter Barfussschuh
So sehen sie unverändert mit Wildlederoptik aus
Die Senmotic Storm kann man auch mit Lederfett behandeln
Selbst modifizierte Schnürsenkel und mit Lederfett behandelt
  1. Verarbeitung

Die Schuhe sind sehr hochwertig und sehr gut verarbeitet. Keine Massenware, sondern handwerkliche Qualität aus Deutschland. Die Herstellung erfolgt komplett in Handarbeit (mit maschineller Unterstützung versteht sich) in einer Schuhmanufaktur in der Nähe von Leipzig. Alle Materialien werden aus Deutschland bezogen oder sogar selbst hergestellt (z.B. die Sohle). Die Wahl der Materialien, auch die Gerbverfahren und die Herstellung der Sohlen werden auf der Webseite ausführlich erläutert und begründet.

  1. Stimmigkeit der Größenangabe (fällt er größer oder kleiner aus als angegeben?)

Die Größen entsprechen den üblichen Größen im Schuhhandel. Da dieser Schuh mit Lammfell gefüttert ist, empfiehlt der Hersteller, eine Größe größer zu bestellen. Da ich aber eh inzwischen eine Größe mehr trage als früher, kommt das gut hin und ich trage ihn in derselben Größe wie die anderen ungefütterten Modelle.

  1. Packmaß (rollbar?)

Geliefert werden die Schuhe in einem normalen Schuhkarton. Rollen kann man die Schuhe zwar auch, aber sie lassen sich besser flach verstauen, z.B. in einer Seitentasche des Rucksackes.

Der Winter-Minimalschuh Senmotic Storm lässt sich auch zusammenrollen
Rollen kann man sie auch…
Der Senmotic Storm Winter-Minimalschuh kann sehr flach verstaut werden
…oder flach in die Rucksacktasche stecken
  1. Anziehbarkeit (trockene und nasse Füße; stehend oder nur im Sitzen)

Die Schuhe lassen sich aufgrund der langen Schnürung sehr leicht anziehen und sitzen dann sehr bequem. Das sollte auch mit nassen Füßen funktionieren, aber eigentlich ist dieser Schuh dazu gedacht, die Füße warm und trocken zu halten!

  1. Barfußgefühl (Passform, Sohlenstärke, Fersensprengung etc)

Der Schuh passt sich sehr gut dem Fuß an und sitzt sehr bequem und elastisch am Fuß. Er hat sehr viel Zehenfreiheit und ist flexibel in alle Richtungen. Die Sohle ist 2,9 mm dünn und selbstverständlich vollkommen flach. Für einen gefütterten Winterstiefel bietet er ein erstaunlich gutes Gefühl für den Untergrund. Bei eisigen Temperaturen warme Füße zu haben und trotzdem winzig kleine Steinchen durch die Sohle zu spüren, war für mich ein absolutes Novum beim ersten Tragen!

  1. Sitz des Fußes im Schuh (fest, oder rutscht er?)

Der Schuh sitzt fest und rutscht kaum am Fuß hin und her, was allerdings abhängig von der Dicke der Socken sein kann, denn das Lammfell bietet weniger Rutschfestigkeit als ein Innenfutter aus Leder. Aber etwas Luft sollte immer vorhanden sein, denn wenn der Schuh zu eng anliegt, wärmt er nicht so gut.

Der Senmotic Storm ist weich gefüttert
Kuscheliges Inneres
  1. Rutschfestigkeit der Sohle (vor allem auf Schlamm und Schnee, auch in steilem Gelände, längs und quer)

Für die geringe Profiltiefe ist die Sohle enorm rutschfest, auch bei Nässe. Auf hartem Eis aber nicht mehr. Die Gummimischung ist von Senmotic selbst entwickelt worden und enthält einen Anteil rutschfesten Naturkautschuk. Das Rillenmuster ist dem Design von Autoreifen nachempfunden worden (siehe Bild 3 oben. Eine ausführliche Beschreibung der Rillensohle gibt es auf der Senmotic-Webseite).

Der Senmotic Storm ist griffig auf Schnee
Im weichen Schnee greift er noch, auf Eis nicht mehr so gut
  1. Durchstichfestigkeit der Sohle

Laut Herstellerangaben sind alle Senmotic Sohlen absolut durchstichfest, woran ich keinerlei Zweifel habe. Lösungsmittelfest ist die Sohle auch (Tankstelle!).

  1. Fußschweißbildung

So gut wie gar nicht. Hier kommt das hochwertige Leder bzw. Fell zum Tragen. Im Gegensatz zu (veganen) Kunststoffschuhen kann der Fuß hier atmen und es kommt auch nach längerem Tragen nicht zu unangenehmer Geruchsbildung. Das ist natürlich auch abhängig von den Strümpfen, die man dazu trägt (Skisocken…?).

  1. Thermoisolation im Winter (tauglich bis zu welcher Temperatur?)

Die Schuhe halten extrem warm. Die Kombination aus rundum Lammfell und maximaler Bewegungsfreiheit (=Durchblutung) lässt kein Einfrieren zu, zumal die Zehen nicht eingeengt sind und auch immer Wärme abbekommen. Wenn man länger steht, kriecht die Kälte durch die dünne Sohle, aber nach ein paar Schritten wird’s schnell wieder warm. Für Innenräume ist dieser Schuh definitiv zu heiß, er ist ausschließlich für draußen!

Der Senmotic Storm ist ideal für Wintertage
Hier ist der Schuh genau richtig. Fürs Büro zu warm!
  1. Wasserdichtigkeit

Vollkommen dicht ist der Schuh natürlich nicht, wegen der Schnürung, aber wenn man ihn regelmäßig dick mit Lederfett einschmiert, sind zumindest das Leder und die Nähte für längere Zeit undurchlässig. Ich hatte bislang noch keine nassen Füße darin, auch in tiefem Schnee oder knöcheltiefem Matsch nicht.

Der Senmotic Storm wird für den Winter gut eingefettet
Dick eingefettet hält er eine ganze Weile dicht
  1. Schmutzabweisende Eigenschaften

Wenn man das Leder einfettet, ist es auch relativ abweisend gegenüber starker Verschmutzung. Die schmalen Rillen in der Sohle halten keinen groben Dreck fest, den Rest kann man mit Wasser wegwaschen oder einfach feucht abwischen.

  1. Leichtigkeit der Reinigung

Feuchter Lappen oder Bürste reicht normalerweise, anschließend ganz normale Schuhpflege für Leder/Wildleder oder aber komplett mit Lederfett behandeln (wenn man auf die Wildlederoptik verzichten kann).

  1. Defekte (unabhängig vom Verschleiß)

Keine.

  1. Verschleiß (welche Teile, in welcher Zeit?)

Kein ersichtlicher Verschleiß nach knapp zwei Jahren (ich habe 4 Paar Senmotics). In Kundenfeedbacks wird berichtet, dass die Sohle auch nach 4 Jahren und mehr Tragezeit so gut wie keine Abnutzungserscheinungen zeigt. Ansonsten bietet Senmotic einen speziellen Service zur Erneuerung der Laufsohle an.

  1. Fazit

Wenn ich bei Minusgraden länger draußen bin, brauche ich Schuhe! Und wenn ich schon welche anziehe, dann dürfen die auch gerne richtig warm sein. Die Senmotic Storm H1 sind mehr als nur „Minimalschuhe“, sondern richtige Winterstiefel – mit echtem Fell gefüttert und in hohem Maße wasser- und rutschfest. Einzig auf hartem Eis ist der Halt aufgrund der geringen Profiltiefe nicht mehr gut.

Selbstverständlich erfüllen sie alle Kriterien für Barfußschuhe (Zehenfreiheit, flexible Sohle mit Nullabsatz, geringes Gewicht). Die Hersteller sind Faszien-Therapeuten und haben aus Mangel an guten Schuhherstellern selbst diese Schuhmarke gegründet. Die Schuhe sind nicht im Handel erhältlich, sondern ausschließlich über den Senmotic Webshop, mit 14-tägigem Rückgaberecht!

Die Schuhe bieten ein gutes Barfußgefühl, trotz des flauschigen Innenfutters, und es ist fast unmöglich, darin kalte Füße zu bekommen. Da die Zehen viel Bewegungsfreiheit bekommen, bleiben sie immer schön warm, – so lange man in Bewegung bleibt. Im Stand isoliert die dünne Sohle nicht perfekt, wenn es richtig kalt ist, aber man bekommt die Füße durch Bewegung schnell wieder warm.

Sie eignen sich nicht nur als Winterschuhe, sondern auch zum Wandern, da die Sohle sehr verschleißarm ist. Außer vielleicht im Hochsommer, da sind sie viel zu warm mit dem Fell. Genau wie im Büro, dort wären sie zwar optisch geeignet, weil unauffällig, aber auf Dauer viel zu warm. Es ist definitiv ein reiner Outdoor-Schuh!

Die Ergebnisse im Überblick

Möglicher Einsatzbereich

TheaterBüroFreizeitWandern leichtes GeländeWandern schweres Gelände

O

– (zu warm)

+

++

++

Ergebnisse in den einzelnen Kategorien

Material

++

Verarbeitung

++

Stimmigkeit der Größenangabe größer (>) oder kleiner (<) als angegeben, oder stimmt die Größe (<>)?

<>

Packmaß (rollbar?)

Anziehbarkeit (trockene und nasse Füße; stehend oder nur im Sitzen)

++

Barfußgefühl (Passform, Sohlenstärke, Fersensprengung etc)

+

Sitz des Fußes im Schuh (fest, oder rutscht er?)

+

Rutschfestigkeit der Sohle (vor allem auf Schlamm und Schnee, auch in steilem Gelände, längs und quer)

+

Durchstichfestigkeit der Sohle

++

Fußschweißbildung

+

Thermoisolation im Winter unter 0°C

++

Wasserdichtigkeit

+

Schmutzabweisende Eigenschaften

+

Leichtigkeit der Reinigung

++

Defekte (unabhängig vom Verschleiß)

++

Verschleiß

++

++ =sehr gut, + gut, O = befriedigend, – = ausreichend, – – = mangelhaft

 

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Aktualisiert von Forbi am 4. Juli 2018
Minimalschuhe-Testberichte , 4 Kommentare

4 Gedanken zu „Minimalschuhtest Senmotic Storm

  • 14. Juni 2018 um 13:36
    Permalink

    Hallo Forbi,
    interessanter Testbericht. Ich selbst habe auch 3 Paar von den Senmotic: die Alpin W H1, die Storm H1 und die Evolution F1. Die Verarbeitung ist wirklich gut, aber von der Paßform sind sie nicht für meine Füße. Ich habe sie in meiner normalen Schuhgröße 42 bestellt. Von der Länge her sind sie auch richtig, aber ich finde sie zu weit geschnitten. Obwohl ich sie bis zum Anschlag schnüre, rutsche ich hinten immer noch raus und es reibt an der Ferse. Ein Paar Merino-Socken habe ich mir damit schon durchgescheuert. Und wenn ich mir deine Fotos ansehe, dann hast auch du sie bis zum Anschlag geschnürt. Was die Sohle anbelangt: die ist zwar sehr dünn, aber ich finde sie ziemlich hart und steif. Ich habe ja noch die Hoffnung, dass das besser wird, wenn sie mal richtig eingelaufen sind. Aber mit der aufgescheuerten Ferse ziehe ich sie maximal 1 Tag an, dann landen sie wieder in der Ecke. Am besten ist einfach immer noch barfuß.

    Antwort
    • 14. Juni 2018 um 17:38
      Permalink

      Hallo Jochen,
      ja in der Tat habe ich mir schon öfter gewünscht, dass die Schuhe entweder nicht ganz so breit wären oder die Löcher der Schnürung weiter auseinander liegen würden, damit man sie enger machen kann. Ich habe sehr schmale Füße und da ist das wirklich auf Anschlag. Ich habe die Storm sogar schon überlappend gebunden, aber das bringt auch nix. Wenn man eine Nummer kleiner nimmt, sind sie wieder zu kurz und ich stoße mit dem linken großen Zeh an (das war der Grund, warum ich am Anfang von 41 auf 42 wechseln musste).
      Durchgescheuert habe ich allerdings noch nichts. Die Sohle ist nach dem Kauf noch ziemlich steif und muss ein paar Tage eingelaufen werden – „aktiviert“ nennt Senmotic das, weil dann wohl der Kautschuk irgendwie weicher wird. Ich habe meine Schuhe auch teilweise mal richtig durchgeknetet, dann wird auch das Leder weicher.
      Aber klar, mit einem Neoprenschuh kann das natürlich nicht mithalten.
      Grüße
      Forbi

      Antwort
      • 14. Juni 2018 um 19:30
        Permalink

        Hallo Forbi,
        interessant, dass du das gleiche Problem mit der Paßform hast. Wobei ich nicht der Meinung bin, ich hätte schmale Füße. Würde die eher normal einstufen. Ein Bekannter aus Berlin hat auch 2 Paar Senmotic und berichtet ebenfalls von diesem Problem. Auch er hat keinen festen Halt darin, und ihm reibt das auch an der Ferse, genau an der gleichen Stelle wie bei mir. Ein Modell, ich glaub die Storm, haben hinten so eine Lasche mit Loch. Genau an dieser Lasche endet eine in die Ferse eingearbeitete Versteifung, und diese Kante scheuert dann wenn die Schuhe nicht fest sitzen.
        Mein Favorit sind momentan die Solerunner Schuhe. Ich habe die Transition Vario für den Winter, und die Trainer FX für den Sommer. Die Solerunner Sohlen (jedenfalls die dünnen, es gibt auch Modelle mit dickeren) bieten das beste Barfußgefühl. Leider sind die beiden Modelle aus Mesh-Material, aber Solerunner hat auch Modelle aus Leder. Hätte ich nicht schon so viel Schuhe, würde ich die auch noch testen. Frau und Tochter unken schon, ich als Barfußläufer hätte mehr Schuhe als sie. 😉

        Antwort
  • 3. September 2018 um 07:51
    Permalink

    Hallo Forbi und Jochen,
    Euren Erfahrungen betreffend der Senmotic Schuhe schliesse ich mich an.
    Die Qualität und Verarbeitung ist tatsächlich hervorragend. Ich habe mir letztes Jahr drei Paar vor allem für den Hundespazierdienst gekauft.
    Aber: auch ich habe Probleme mit der Passform: sie sind für mich zu breit in Bezug auf die Länge. Aber mit einer dünnen Einlegesohle war das beim ersten Schuh (Evolution) dann soweit ok. Den zweiten habe ich mir enger machen lassen, das heisst, die Zunge wird gefüttert und so kann man den Schuh enger binden. Dieser Service geht nicht für alle Modelle und ist leider nicht so offensichtlich im Angebot. Das dritte Modell war der Storm und der war mir dann definitiv zu klein. Leider habe ich es zu spät bemerkt, da diese Verstärkung im Fersenbereich nicht weich wird und sich deswegen meine Achillessehne entzüdete. Sehr schade! Eine Nummer grösser wollte ich mir dann nicht mehr leisten. Ich habe dann andere Winterschuhe ausprobiert.
    Den Alaskan Winter-Barfußchuh https://magicalshoes24.com/de/produkt/damen/ms-alaskan/
    finde ich genial, ist mit Wolle gefüttert und hat zusätzlich zu den Schnürsenkel auf der Seite noch einen Reissverschluss, welcher das an- und ausziehen sehr erleichtert. Tolle Verarbeitung, ziemlich wasserdicht, sehr warm und ein sehr leichter und weicher Schuh. Wahrscheinlich nicht ganz so langlebig wie der Senmotic.
    Als zweiten Winterschuh kaufte ich mir den Wickelschuh von Vibram
    https://www.be-outdoor.de/vibram-furoshiki-der-wickelschuh-fuer-wintertage
    Dieser ist ebenfalls toll für den Winter, sitzt gut am Fuss, da man den Schaft eng um den Fuss und Unterschenkel anpassen kann. Die Sohle ist allerdings schon etwas dicker und leider findet Nässe sehr schnell den Weg ins Innere.
    Ja, das Thema der Winterschuhe wird ja langsam wieder aktuell.
    Grüsse
    Caroline

    Antwort

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