Die Haut - unser größtes Organ

Die Haut – Was Barfüßer darüber wissen sollten

Lederhaut statt Hornhaut?

„Da haben Sie doch bestimmt schon eine dicke Hornhaut?“ „Nein, so etwas habe ich nicht, die reibt sich beim Laufen ab. Stattdessen hat sich bei mir eine Lederhaut gebildet.“ Solche Dialoge kommen vor, wenn Schuhträger auf Barfüßer treffen. Barfüßer haben statt Hornhaut eine Lederhaut, so lernt man es auch aus Forenbeiträgen, Interviews, Vorträgen, Zeitungsartikeln, sogar aus Büchern bekannter Autoren.

Menschen, die sich mit der Fußhaut tatsächlich auskennen, wundern sich ein wenig, wenn sie solche Gespräche mitbekommen. Denn irgendwie passen die nicht so ganz auf das, was man heute über den Aufbau und die Funktionen der Haut weiß.

Ich will ehrlich sein: Ich hatte vor meiner Barfußzeit auch wenig bis keine Ahnung auf diesem Gebiet.

Eigentlich ist das erstaunlich, spielt doch die Haut für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden eine ganz entscheidende Rolle.

Die Haut…

  • ist mit 1,5-2 qm Fläche unser größtes Organ, dazu auch unser größtes Sinnesorgan
  • wiegt fast ein Sechstel unseres gesamten Körpergewichts
  • enthält ein Viertel des im Körper gespeicherten Wassers
  • bildet die Außengrenze unseres Körpers, wie man im EU-Jargon sagen würde
  • bildet die erste Verteidigungslinie, z.B. gegen Mikroorganismen, chemische Substanzen und Allergene
  • hilft mit, den Flüssigkeitshaushalt und die Körpertemperatur zu regulieren
  • schützt uns vor Wärme, Kälte und Strahlung
  • ist hochempfindlich und registriert die leichtesten Berührungen, Kälte, Wärme und den geringsten Schmerz
  • reagiert auf unseren Gemütszustand, die Art, wie wir uns ernähren, unsere Umgebung

Barfußeinsteiger bemerken die Veränderung der Fußhaut mit der Zeit und stellen erfreut fest, dass sie dicker und unempfindlicher wird. Sie kommt auch besser mit kalten Untergründen zurecht. Der eine oder andere schlägt sich aber auch mit dem einen oder anderen Fußhautproblem herum und probiert alle möglichen Pflegemittel aus, die irgendwer irgendwo im Netz empfohlen hat. Die bei Einsteigern noch unzureichende Hautdicke und -robustheit führt bei Überanstrengung in Kombination mit der noch nicht richtig entwickelten Muskulatur zu Blasen, Reizungen und Entzündungen, vor allem im Bereich der mittleren Fußballen, die durch das jahrelange Tragen von Schuhen abgesenkt und entsprechend belastet sind.

Merkwürdigerweise interessiert sich selbst dann kaum jemand dafür, was genau sich eigentlich in seiner Haut abspielt.

Ich will hier dennoch mal einen Versuch wagen, das Thema Haut ein wenig aufzuarbeiten. Und natürlich steht die Fußhaut dabei im Mittelpunkt. Eine Vorbemerkung: Um Verletzungen des Urheberrechts vorzubeugen, habe ich alle Grafiken selbst angefertigt, auch wenn das ein bisschen gedauert hat. Damit ist klar, dass sie nicht unbedingt wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht werden. Aber darauf kommt es ja auch hier gar nicht an. Und noch eine Anmerkung ist nötig: Das Thema Haut ist komplex, die Forschung in Detailfragen noch im vollen Gange, so z.B. zur Funktion des sogenannten Säuremantels der Haut. Teilweise gibt es Widersprüche. Ich habe versucht, zu solchen Punkten den letzten Stand der Forschung wiederzugeben, soweit mir das möglich war.

Der Hautaufbau

Fangen wir mal ganz einfach an, mit dem Aufbau der Haut. Der besteht überall am Körper aus den selben drei Schichten: Oberhaut, Lederhaut und Unterhaut.

Damit wird sofort klar, warum Hautkenner beim Einleitungsdialog – unter anderem – schmunzeln: die Lederhaut bildet sich nicht erst beim Barfußlaufen, mit der ist man schon geboren worden! Und Bodenkontakt hat sie auch nicht, den hat vielmehr die Oberhaut.

Die Dicke der einzelnen Schichten ist übrigens je nach Körperregion und Belastung sehr verschieden. Auch im Detail können die Hautschichten je nach Körperpartie Unterschiede aufweisen, die aber für unsere Zwecke zumeist weniger interessant sind.

Für Barfußläufer ist jede einzelne dieser drei Schichten wichtig und unverzichtbar, jede einzelne hat ihre ganz besonderen Aufgaben. Das werden wir in den folgenden Kapiteln noch erfahren.

Die Oberhaut (Epidermis)

Die Oberhaut ist also die Hautschicht, die den direkten Bodenkontakt hat und damit für Barfußfreunde erst einmal besonders interessant ist, weil man ihren Zustand direkt begutachten kann. Fachleute nennen sie „Epidermis“, der Volksmund „Hornhaut“. An den meisten Körperpartien ist sie so dünn wie ein Blatt Papier. Aber an den Fußsohlen, da hat sie wirklich was auszuhalten. Deshalb wird sie da bis zu einem halben Zentimeter dick. Das volle Körpergewicht lastet auf wenigen Quadratzentimetern Haut. In die Oberhaut bohren sich Schotter- und Splitsteine, an ihr reibt der Asphalt. Sie hat den Kontakt mit möglicherweise gefährlichen Organismen und Stoffen des Untergrunds, mit feuchtem und nassem Boden, mit Wärme und Kälte. Wie ein Autoreifen ist sie an der Fußsohle enormem Verschleiß ausgesetzt und bleibt trotzdem immer schön intakt.

Hornzellenfabrik

Das funktioniert wunderbar, weil sie sich ständig erneuert. Komplett, in 2-4 Wochen, je nach Belastung. Unablässig werden spezielle Hautzellen nachgebildet, die durch Bildung von Keratin auf dem Weg an die Oberfläche zunehmend verhornen, um dort schließlich als abgestorbene Hornzellen abgestoßen zu werden. Mit jedem Schritt hinterlassen wir eine Spur dieser Hornzellen. 80% des Staubs in unserer Wohnung besteht aus ihnen. Die Oberhaut ist damit eine Verschleißschicht mit eigener Hornzellenfabrik.

Der Prozesses beginnt in der Basalzellschicht. Dort entstehen die frischen Hornzellen (Keratinozyten), und zwar durch Teilung von Stammzellen. Die Stammzelle bleibt in der Basalschicht, die neuen Hornzellen werden, miteinander verankert, von nachkommenden Zellen Richtung Hautoberfläche geschoben. Auf dem Weg verwandeln sie sich, und das in mehreren Stadien. Dabei lagern sie zunehmend Hornsubstanz (Keratin) ein, schrumpfen durch Flüssigkeitsverlust, platten ab und verlieren den Zellkern. Schließlich erreichen sie als tote Materie (Korneozyten) die Hornzellschicht und lösen sich am Ende des Prozesses ab.

Barfüßer haben eine dicke Hornhaut!

Je größer die Belastung der Fußsohle ist, desto mehr Zellen werden pro Zelleinheit in der Basalschicht gebildet und desto dicker wird vor allem die Hornzellschicht. Sie ist dann nicht mehr so dünn, wie in der Grafik, sondern ziemlich dick im Vergleich zu den anderen Schichten der Oberhaut.

Barfüßer entwickeln im Laufe der Zeit an den besonders belasteten Stellen damit eben doch die dicke Hornhaut, nach der sie andere Menschen immer wieder fragen und die Barfußfreunde so gerne dementieren. Fachleute würden sie wahrscheinlich schon in den Bereich der Hornhautschwielen einordnen. Ohne die könnten wir nicht so ohne Weiteres über unangenehme Untergründe laufen und auch nur für kurze Zeit. Wer z.B. lange Bergtouren barfuß auf den sehr fordernden Geröllpfaden der Kalkalpen unternehmen will, braucht schon einen gewissen Hornzellenvorrat, der sich unterwegs abreiben kann.

Hart ist diese Hornhaut allerdings nicht, wie vielleicht viele Menschen vermuten. Sie bleibt durch ihre dachziegelartige Struktur weich und elastisch. Und das genau meinen augenscheinlich die Barfußfreunde, wenn sie von „Lederhaut“ statt Hornhaut reden, ohne zu ahnen, dass diese Aussage keinen Sinn ergibt. „Ledrig“ oder „lederartig“ wäre die bessere Beschreibung, wenn man schon unbedingt den Begriff „Leder“ benutzen will. Wir kommen noch dazu.

Dort allerdings, wo sich die Hornzellen nicht durch den Untergrundkontakt abreiben, wie an den Fersenrändern, bekommen wir zuweilen Probleme. Die Hornzellschicht wird dort immer dicker, trocken und unelastisch, kann einreißen und schmerzhafte Schrunden bilden. Durch Abschleifen mit Bimsstein oder Feile kann man an diesen Stellen der Natur ein wenig nachhelfen.

Sonnenschirm

Die Oberhaut hat noch Einiges mehr an Schutzfunktionen zu bieten, z.B. die Melanozyten. Die sitzen auch in der Basalzellschicht und haben die Fähigkeit, Pigmentzellen (Melanin) zu bilden, die zwischen den Hornzellen eingelagert werden. Auf einen Quadratzentimeter Haut kommen 150 000 Pigmentzellen. Sie bestimmen den Grad der Hautbräunung und übrigens auch die Farbe der Haare (die auch aus abgestorbenen Hornzellen bestehen). Die Farbe wird von unseren Genen festgelegt, aber auch von der Stärke der UV-Strahlung. Je mehr UV-Strahlung, desto mehr Melanin wird gebildet. Auf diese Weise schützt Melanin die tieferen Hautschichten vor den Folgen der UV-Strahlung. Ein natürlicher Sonnenschirm also. Für die Fußsohlen natürlich nicht sonderlich relevant, aber erwähnen wollte ich es doch.

Abwehrbereit

Im Boden lauern Erreger aller Art, die gerne in den Körper eindringen würden, um da Ärger zu machen. Eindringen können sie vielleicht, aber weit kommen sie nicht. Bis zu den Langerhans-Zellen in der Stachelzellschicht (die so heißt, weil dort die Zellen durch Schrumpfung stachelig aussehen). Die Langerhans-Zellen sind Immunzellen und gehören zum lymphatischen System. Sie erkennen Krankheitserreger sofort und leiten Abwehrreaktionen ein. Verteidigung in der ersten Reihe sozusagen.

Es gibt noch eine Abwehrlinie, und zwar in der Glanzschicht direkt unter der Hornzellenschicht. Sie ist sehr dünn, aber ziemlich effektiv als Barriere gegen alle Formen von Eindringlingen. Die Glanzschicht kommt nur in der Haut unserer Hände und Füße vor und besteht zum Großteil aus einer öligen Schicht, gebildet bei der Umwandlung der Hornzellen. Sozusagen eine Art Ostfriesennerz direkt unter der Hornzellschicht.

Drucksensoren

In der Basalschicht der Oberhaut kommt noch ein weiterer Zelltyp vor: die Merkel-Zellen. Nicht benannt nach Angela, sondern einem gewissen Friedrich Merkel, einem Göttinger Anatomen. Die Merkel-Zellen registrieren Druck, der auf die Haut einwirkt. Sie sind Teil einer ganzen Reihe von Rezeptoren, von denen sich alle anderen in Leder- und Unterhaut befinden.

Eigene Feuchtigkeits- und Fettversorgung

Die Haut reguliert in gesundem Zustand ihren Fett- und Feuchtigkeitsbedarf selbst, bewahrt sie vor Austrocknung und hält sie elastisch. Eine wichtige Rolle spielt dabei vor allem die Hornzellenschicht der Oberhaut.

Die Grafik unten zeigt, dass die Hornzellschicht im Prinzip wie eine Ziegelmauer aufgebaut ist, mit Ziegeln und Mörtel dazwischen. Die Ziegel stellen die abgestorbenen Hornzellen dar. Der Mörtel besteht aus Fetten, sogenannten Lipiden, und Feuchthaltemitteln (Natural Moistutizing Factors / NMF). Letzteres sind Substanzen, wie Aminosäuren und Harnstoff (Urea), die Wasser aus der Atmosphäre und vor allem der Lederhaut binden. Beides, Lipide und Feuchthaltemittel, entstehen bei der Umwandlung der Hornzellen. Normalerweise sorgen auch noch die Talgdrüsen der Lederhaut für die Fettversorgung der Haut. In der Fußhaut gibt es aber keine Talgdrüsen, deshalb fällt hier diese Quelle aus.

Die Lipide innerhalb der Hornzellschicht sorgen nicht nur für Elastizität, sondern verhindern als weitere Barriere das Eindringen schädlicher Substanzen. Außerdem sorgen sie dafür, dass Feuchtigkeit aus tieferen Hautschichten nicht aus der Haut entweicht.

Wenn Lipide und Feuchthaltemittel fehlen, wird die Hornzellschicht unelastisch und funktioniert nicht mehr als effektive Barriere. Bei langem Duschen oder Baden mit Seife zum Beispiel entziehen wir der Hornzellschicht einen Teil des „Mörtels“. Das gleiche passiert, wenn wir barfuß lange Zeit auf sehr trockenen oder nassen Untergründen laufen. Schließlich lässt mit zunehmendem Alter die Produktion von Lipiden und Feuchthaltemitteln nach, die Haut wird auch deshalb immer trockener und unelastischer. Da muss man gegebenenfalls mit geeigneten Hautpflegemitteln nachhelfen. Welche das sind, kann aber individuell verschieden sein, wie wir im Beitrag über die Hautpflege schon betont haben.

Das Bild mit Ziegeln und Mörtel ist übrigens in einem Punkt unvollständig bzw. ungenau: Die Ziegel sind über hakenförmige Strukturen und spezielle Verknüpfungen miteinander verbunden, was die Hornzellschicht besonders robust macht.

Schon mal was vom sogenannten Säureschutzmantel der Haut gelesen? Der befindet sich normalerweise auf der Oberfläche der Haut, ist mit einem pH-Wert von 5,5 schwach sauer, hält sie geschmeidig und fungiert als weitere Barriere gegen Bakterien und Pilze. Er besteht aus einer natürlichen Emulsion aus Wasser und Lipiden, dem Hydrolipidfilm. Er wird durch Sekrete der Schweiß- und Talgdrüsen gebildet. Nun haben wir an den Fußsohlen zwar Schweißdrüsen, aber keine Talgdrüsen. Außerdem sind wir in ständigem Kontakt mit dem Untergrund, der es schwierig machen dürfte, diesen Film aufrecht zu erhalten. Damit kann man davon ausgehen, dass diese Barriere beim Barfußlaufen gestört wird.

Was die Oberhaut nicht hat

Angenommen, Du stichst mit einer Nadel immer weiter in die Haut der Ferse, dann würdest Du erst einmal nichts spüren. Und es würde auch nicht bluten. Das hat einen einfachen Grund: in der Oberhaut gibt es absolut nichts, was schmerzen oder bluten könnte. Keine Schmerzrezeptoren, keine Blutgefäße. Sobald es schmerzt, hast Du mit der Nadel die Lederhaut erreicht. Auf diese Weise kann man leicht eine Idee von der Dicke der Oberhaut bekommen.

Die Lederhaut ist mit der Oberhaut wie ein Reißverschluss verzahnt und versorgt sie über diese lange Kontaktzone mit allem Nötigen. Die Verzahnung sorgt außerdem für den festen Verbund der beiden Hautschichten.

Zeit, etwas mehr über die berühmte Lederhaut zu erfahren.

Die Lederhaut (Dermis)

Die Lederhaut (Dermis) folgt direkt auf die Oberhaut. Ihre Aufgaben und Strukturen unterscheiden sich vollständig von denen der Oberhaut.

Ihren Namen verdankt sie übrigens der einfachen Tatsache, dass Leder ausschließlich aus dieser Hautschicht besteht, und zwar wegen ihres dichten Geflechts von Gewebefasern. Die Oberhaut wird beim Gerben chemisch entfernt, die Unterhaut mit ihrem starken Fettgehalt wird vor dem Gerben durch Abschaben abgelöst.

Die Lederhaut ist gleichzeitig

  • Stützstruktur durch ein dichtes Netz aus Bindegewebsfasern
  • Versorgungsbasis und Wärmeregulator durch zahlreiche Blutgefäße
  • Gefühlszentrum durch zahlreiche Sinneszellen
  • Schwerpunkt der Immunabwehr durch eine Vielzahl von Immunzellen

Die Dicke der Lederhaut variiert je nach Körperregion. Am Augenlid beträgt sie z.B. nur den Bruchteil eines Millimeters. An der Fußsohle kann sie mehrere Millimeter dick werden, ähnlich der Dicke der Oberhaut.

Sicherheitsnetz und Federungssystem

Die Lederhaut wird von einem dichten Netz aus Kollagen- und Elastinfasern durchzogen, die der Haut gleichzeitig Festigkeit und Elastizität verleihen. Dieses Netz ist von großer Bedeutung beim Barfußlaufen.

Dabei spielen zwei Fasertypen die entscheidende Rolle:

  • Kollagenfasern
  • Elastinfasern

Kollagen ist ein Protein, das lange Molekülketten bildet. Die wiederum gruppieren sich in Bündeln, so dass dicke Fasern entstehen. Kollagenfasern sind extrem zugfest, aber nicht sonderlich elastisch. Kommen sie an die Grenze ihrer Belastbarkeit, können sie reißen.

Elastinfasern bestehen ebenfalls aus Protein. Anders als die Kollagenfasern lassen sie sich wie eine Feder stark dehnen, bis zur anderthalbfachen Länge, und kehren danach in ihre Ausgangslage zurück. Deshalb tauchen sie überall da im Körper auf, wo das Gewebe starken Dehnkräften ausgesetzt wird, wie z.B. der Haut.

Gebildet werden sie durch faserbildende Zellen, den Fibroblasten.

Für uns Barfüßer sind die Vorgänge besonders interessant, die bei der Dehnungsbelastung der Fußhaut auftreten. Was passiert zum Beispiel, wenn wir auf einen Stein treten? Als erstes kommen dabei die Kollagenfasern zum Einsatz. Sie sind unbelastet leicht gewellt und werden deshalb erst einmal gestreckt. Irgendwann kommen sie in die Nähe ihrer Belastungsgrenze. Das ist der Moment, in dem die Elastinfasern übernehmen und die Belastung abfedern. Nimmt die Belastung ab, sorgen Elastin- und Kollagenfasern gemeinsam dafür, dass die Haut wieder in die Ausgangslage zurückkehrt.

Enorm wichtig ist für uns Barfüßer, dass sich die Kollagenfasern bei stetiger Belastung, wie beim Barfußlaufen, zum einen vermehren und zum anderen dicker werden. Wir bekommen damit AUCH eine kräftigere Lederhaut. Sie ergänzt damit die ebenfalls kräftigere Oberhaut, aber eben mit einer ganz anderen Aufgabe. Ein weiterer Effekt ist, dass Querverbindungen zwischen den Kollagenfasern gelöst werden und das Gewebe damit beweglicher wird, sozusagen eine kostenlose Faszienmassage.

Leider werden die Elastinfasern nur in den ersten Lebensjahren erneuert. Der Erneuerungsprozess endet irgendwann und der Hautalterungsprozess beginnt. Die Haut wird über die Jahre zunehmend unelastischer und schlaffer. Beschleunigen kann man den Prozess durch starke UV-Strahlung, die Elastin- und Kollagenfasern angreift. Sonnencreme ist damit die beste Anti-Faltencreme. Auf der anderen Seite kann man durch eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Protein die Bildung des Kollagens unterstützen.

Wasserspeicher

Die Grafik oben zeigt neben den Fasern Hyaluronsäuremoleküle. Hyaluronsäure hat die phantastische Fähigkeit, pro Gramm Säure sechs Liter Wasser speichern zu können. Sie erfüllt deshalb überall im Körper wichtige Aufgaben, z.B. bei der Schmierung der Gelenke. Ihr Hauptanteil konzentriert sich allerdings in der Haut, und dort neben der Oberhaut vor allem in der Lederhaut. Gebildet wird Hyaluronsäure in der Zellmembran der Fibroblasten, die ja auch das Kollagen produzieren.

Hyaluronsäure ist in der Lederhaut frei beweglich, weil sie zur sogenannten „extrazellulären Matrix“ gehört. Das heißt nichts anderes, als dass sie im Bereich zwischen den Zellen vorkommt, ebenso, wie Kollagen- und Elastinfasern.

In der Haut ist Hyaluronsäure neben der Speicherung von Feuchtigkeit wichtig für die Wundheilung. So kann Hyaluronsäure die Fibroblasten anregen, vermehrt Kollagen zu bilden.

Leider reduziert der Organismus mit zunehmendem Alter die Hyaluronproduktion, mit üblen Folgen: die Gelenke werden steif, die Augen trocken, die Haut faltig. Umso intensiver arbeitet die Kosmetikindustrie daran, die Hyaluronsäurespeicher künstlich wieder aufzufüllen.

Blutversorgung und Wärmeregulation

Du erinnerst Dich, die Oberhaut selbst enthält keinerlei Blutgefäße, sondern wird von denen der Lederhaut mitversorgt. Die Lederhaut ist reißverschlussartig mit der Oberhaut verzahnt. Die Reißverschlusszähne nennt man „Papillen“. Danach ist auch die gesamte obere Sektion der Lederhaut benannt: Papillenschicht.

In den Papillen, ganz nah an der Oberhaut, liegen feine Blutkapillargefäße, die dort die Oberhaut und die Lederhaut mit Nährstoffen versorgen. Die Kapillaren regeln auch die Temperatur des Körpers. Ist es sehr warm, werden sie erweitert und geben so Wärme ab. Ist es kalt, verengen sie sich. Damit stellen sie auf Kosten der Wärmeversorgung der Haut sicher, dass im Körper produzierte Wärme nicht verloren geht. Im Winter entsteht für Barfüßer damit die Gefahr, sich Erfrierungen an der Fußhaut zuzuziehen. Die Gefahr kann vermindert werden, wenn man den Wärmeverlust des Körpers durch entsprechende Kleidung auf ein Minimum reduziert. Es ist vor allem erforderlich, die Körpermitte mit den lebenswichtigen Organen warm zu halten. Das verringert die Notwendigkeit, die Kapillaren der Fußhaut zu verengen.

Zur Wärmeregulation stellt der Körper in der Lederhaut eine weitere Möglichkeit zur Verfügung: die Produktion von Schweiß in den entsprechenden Drüsen. Von den Drüsen führen Kanäle bis an die Hautoberfläche, wo der Schweiß verdunstet und so die Haut abkühlt. Das funktioniert auch an der Fußhaut.

Eine dritte Möglichkeit ist grafisch nicht erfasst, da sie an der Fußsohle nicht existiert: das Aufstellen der Körperbehaarung mit kleinen Muskeln, was allerdings beim Menschen naturgemäß nur wenig Effekt hat, außer, dass wir eine „Gänsehaut“ bekommen. Die Haarwurzeln sitzen ebenfalls in der Lederhaut.

Gefühlszentrum

In der Lederhaut sitzen zahlreiche Sinneszellen, etwa 5000 pro Quadratzentimeter. Sie sind ganz entscheidend dafür, dass wir das Barfußlaufen als so spannend und angenehm empfinden, solange die Untergründe nicht zu fordernd sind. Mit scharfkantigem Split gestreute Wege machen uns im Winter dagegen so gar keinen Spaß mehr, ebenso wie mit Salz gestreute und entsprechend tief abgekühlte Wege.

Tastrezeptoren

Vor allem in der Papillenschicht befinden sich zahlreiche Tastrezeptoren, die Druck und Vibrationen erfassen und an das Gehirn weiterleiten. Die Reaktionszeiten sind unterschiedlich, je nach Aufgabenstellung. Das Gehirn bekommt auf diese Weise Informationen über die Körperbalance sowie die Beschaffenheit des Untergrunds.

Thermorezeptoren

Kälte und Wärme werden über spezielle Thermorezeptoren getrennt für Wärme und Kälte wahrgenommen, die sich ebenfalls in der Papillenschicht befinden und wahrscheinlich aus freien Nervenendigungen bestehen. Sie informieren das Zentrale Nervensystem fortlaufend über die Temperaturverhältnisse der Haut. Es gibt wesentlich mehr Kälte- als Wärmerezeptoren. Die Wärmerezeptoren decken einen Bereich von knapp 30 bis etwa 45 Grad Celsius ab. Die Kälterezeptoren 8-40 Grad Celsius. Abweichende Temperaturen nehmen wir eher als Schmerz wahr.

Schmerzrezeptoren

Gefahr für den Körper registrieren Schmerzrezeptoren. In der Lederhaut bestehen sie lediglich aus Nervenendigungen, die über die Nervenbahnen Schmerzsignale in Richtung Zentrales Nervensystem abfeuern. Dort werden sie blitzschnell ausgewertet und sofortige Körperreaktionen ausgelöst. Treten wir z.B. auf einen scharfkantigen Stein, wird der Fuß Bruchteile von Sekunden später angehoben und damit nach Möglichkeit Schlimmeres verhindert. Schmerzrezeptoren melden alle Vorgänge, die zu einer Schädigung des Gewebes führen können. Dazu gehören mechanische, thermische und chemische Reize.

Sehr niedrige Temperaturen vermindern die Schmerzwahrnehmung bis hin zur völligen Betäubung der Nervenzellfortsätze, ein Effekt den man sich in der Kryotherapie zunutze macht. Für Barfußfreunde heißt das, dass z.B. auf Schnee anfänglicher Schmerz schnell nachlässt. Ein Komplettausfall unseres körpereigenen Warnsystems sozusagen, das uns „kälteblind“ für drohende Erfrierungen macht.

Immunsystem

Die Langerhans-Zellen der Epidermis waren nur der Vorposten, in der Lederhaut wartet die Hauptarmee des Immunsystems. Eine Serie von im Zwischenzellraum frei beweglichen Abwehrzellen bekämpft dort als Teil des lymphatischen Systems alle Erreger, die in die Haut eingedrungen sind.

Die Unterhaut (Subkutis)

Die Unterhaut ergänzt die Funktionen der beiden anderen Hautschichten, auch beim Barfußlaufen. Sie bildet das Bindeglied zwischen den oberen Hautschichten und dem Körper. Sie ist bei weitem nicht so komplex aufgebaut wie die beiden anderen Hautschichten und kann je nach Körperpartie und Geschlecht einige Zentimeter dick werden.

Verschiebeschicht

Im Wesentlichen besteht die Unterhaut aus lockerem Bindegewebe, in das Fettzellen eingelagert sind. Das Bindegewebe und Ausläufer der Kollagenfasern der Lederhaut verbinden die oberen Hautschichten mit der Körperfaszie, die aus festen kollagenen Fasern besteht. Sie umhüllt den ganzen Körper und grenzt die Unterhaut gegen die darunter liegenden Strukturen, wie z.B.  Muskeln, ab. Wer schon mal beim Abziehen eines Tieres zugesehen hat, kennt diese Faszienschicht.

Die verbindenden Kollagenfasern erlauben es, dass sich die Haut in Grenzen verschieben lässt, sorgen aber auch dafür, dass sie sich wieder zurück in die Ausgangslage bewegt.

Wärmeisolator, Stoßdämpfer und Energiespeicher

Die Fettschicht bietet uns Barfüßern einen Stoßdämpfer, der den Druck aufnimmt und verteilt. Zusätzlich schützt uns die Fettschicht vor Wärmeverlust und dient als Energiespeicher, sogenanntes Depotfett. Die Dicke und Ausdehnung der Fettschicht ist je nach Körperteil verschieden und auch geschlechtsspezifisch. Während Frauen Fett eher in der Unterhaut einlagern, bevorzugt das überschüssige Fett der Männer eher den Bauchraum.

Es ist anzunehmen, dass Belastung durch Barfußlaufen die Dicke der Fettschicht vergrößert, verlässliche Quellen dafür habe ich aber leider nicht gefunden. Außerdem dürften sich die verbindenden Kollagenfasern verstärken.

Blutversorgung

Die Unterhaut ist über viele kleine Blutgefäße selbst sehr gut durchblutet, die Gefäße versorgen aber auch die darüber liegende Lederhaut.

Tastrezeptoren

Zum einen bildet die Unterhaut eine Transitzone für alle Reizleiter der Leder- und Oberhaut. Zum anderen besitzt sie eine Vielzahl von eigenen Tastzellen, den sogenannten Vater Pacini-Körperchen, die Vibrationen registrieren.

Mehr gibt es über die Unterhaut nicht zu berichten, sie ist wirklich nicht sehr komplex.

Mit dem Lesen bis hier durchgehalten? 

Bravo! War ja doch eine Menge an Informationen. Vielleicht findest Du ja auch, dass es für uns Barfußfreunde nicht ganz unwichtig ist, etwas mehr über das Organ zu wissen, das wir täglich so immens beanspruchen.

Zum Abschluss noch ein Auszug aus einem Interview, das Spiegel online im August 2016 mit Emanuel Bohlander, dem Inhaber der Düsseldorfer „Barefoot Academy“, führte.

Das Magazin stellte die berühmte Frage: „Sie haben sicher eine ordentliche Hornhaut.“

Und der Experte gab die bekannte Antwort: „Nein. Hornhaut entsteht primär durch Reibung und Feuchtigkeit. Beim Barfußlaufen gibt es beides nur selten. Was entsteht, ist eine Verdickung der Fettschicht unter der Epidermis (obere Hautschicht) – landläufig Lederhaut genannt. Das fühlt sich ähnlich an wie bei Hundepfoten. Natürlich ist man noch kitzelig und spürt den Untergrund, kleine Pieksereien wie Steinchen nimmt man aber kaum noch wahr.“

Jetzt, wo Du den Aufbau der Haut etwas besser verstehst, kannst Du die Aussage dieses Barfußexperten etwas besser bewerten und einstufen.

Hornhaut? Vorschlag für eine Antwort

Vielleicht überlegst Du jetzt, wie man denn die Frage nach der Hornhaut am besten beantwortet?

Ich sage meistens Folgendes: „Wenn Sie meinen, dass die Haut hart geworden ist: Nein, das ist nicht passiert, sie ist immer noch schön weich und geschmeidig. Aber die Fußhaut ist insgesamt viel robuster, dicker und unempfindlicher geworden.“ Und bei Interesse erkläre ich noch, dass wir drei Hautschichten haben, die alle ihre eigenen Aufgaben erfüllen. Die gefühllose Oberhaut mit ihren Hornzellen als Verschleißschicht, die viel dicker geworden ist. Die Lederhaut mit ihren Sinneszellen und ihrem Bindegewebsnetz, das jetzt robuster und dichter ist und die Unterhaut mit ihren Fettzellen als Stoßdämpfer, die sicher auch zugelegt hat.

Lust auf mehr?

In diesem Beitrag musste ich mich auf ein paar wesentliche Fakten beschränken, damit er nicht zu lang wird. Vieles habe ich weggelassen, z.B. was bei der Wundheilung passiert. Dass wir nicht nur Finger- sondern auch Zehenabdrücke hinterlassen und warum das so ist. Oder warum Chirurgen entlang bestimmter Hautlinien schneiden. Warum nur Frauen Orangenhaut bekommen. Sinn und Unsinn von „Anti-aging“-Mittelchen usw.

Vielleicht schmökerst Du ja noch ein wenig weiter zu diesem Thema? Es ist wirklich vielseitig und spannend.

Wolfgang Hilden

Ich bin Jahrgang 1955, Vater zweier erwachsener Töchter, und verbringe seit dem Sommer 2016 viel Zeit im traumhaft schönen Allgäu bei Füssen, wo Eva schon länger ihr Zelt aufgeschlagen hat. Hier kann ich zusammen mit ihr meiner Berg- und Radfahrleidenschaft frönen. Barfuß lebe ich seit 2012.

Meine Artikel - Homepage

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15 Gedanken zu „Die Haut – Was Barfüßer darüber wissen sollten“

  1. eine freundin machte mich auf ihren beitrag aufmerksam. danke für diese hilfreiche darstellung der zusammenhänge.
    jetzt habe ich die antwort darauf erhalten, warum die hornhaut an meinen fersenrändern nach jeder großen barfußwanderung so ausufernd wächst und wie ich ihr (danke für den pflegebeitrag und dem hinweis, beim schleifen auf die richtige richtung zu achten. das war mir nicht bekannt.) helfen kann, dass sie nicht zu rissen neigt. meine fersen sahen immer zum fürchten aus (tiefe risse, in denen sich der dreck festsetzte) und schmerzten oft beim laufen an den aussenkanten, was – wie ich jetzt weiss – auf die harten hornhautränder zurückführen war.
    seit erscheinen ihres beitrages widme ich mich der intensiven bearbeitung meiner fersen und spüre bereits erleichterung beim gehen.

  2. Lieber Wolfgang,

    leider kann ich die Aussage dass man als Barfüßer mehr Hornhaut hätte als ein Schuhträger nicht bestätigen.

    Da ich ja sowohl Freizeitbarfüßer als auch berufsbedingt Sicherheitsschuhträger bin stelle ich arbeitstäglich fest dass die Druckstellen mehr Hornhaut haben und ich mir selbige in meiner Freizeit zum Teil wieder ablaufen kann. Nur eben nicht an den Außenseiten der großen Zehen da ich dort keinen Bodenkontakt habe.

    Trotzdem ist Deine Recherche sehr gut und verständlich geschrieben und mit den verhornten Stellen bei mir da kannst Du nichts dafür sondern Schuld daran ist der Hersteller der Sicherheitsschuhe die nicht in der Lage sind (sein wollen?!) gescheites und vor allem fußgesundes Schuhwerk herzustellen.

    Letzte Woche war der Sicherheitsschuhhersteller im Haus und hatte auch eine Fußvermessung durchgeführt. Ich hatte auf meine Probleme mit den verhornten Druckstellen hingewiesen und gefragt wieso die Zehenschutzkappen nach vorn spitz zulaufen sagten die das wäre nicht so und die verhornten Stellen könnten ja auch vom privaten Schuhwerk kommen. Als ich denen dann mitteilte dass ich privat kein Schuhwerk trage wussten sie dann nicht mehr weiter. Dafür fanden sie mein Fußdruckbild sehr gut auch wenn das Auswertungsprogramm Hohlfuß anzeigte.

    Liebe Grüße
    Tobi

    1. Lieber Tobi,

      im Beitrag steht nirgendwo explizit, dass man als Barfüßer mehr Hornhaut hätte, als ein Schuhträger. Er liefert Dir lediglich das Rüstzeug, Vorgänge der Fußhaut besser zu verstehen. Und dazu gehört, dass die Produktion von Hornzellen dort ansteigt, wo die Belastung der Fußhaut erhöht ist. Das gilt auch für Füße, die in Schuhen eingesperrt sind. Dort sind dann eng begrenzte Druckstellen betroffen. Der Text wurde nun aber aus der Sicht des Barfußlaufens geschrieben und behandelt deshalb nicht die sehr speziellen Hautprobleme von Schuhträgern. Ich vermute bei Deinen verhärteten Stellen der Oberhaut eine Störung namens Clavus. Vielleicht konsultierst Du dazu mal die einschlägigen Foren zum Themenkreis Sicherheitsschuhe.

      Liebe Grüße,
      Wolfgang

  3. Lieber Wolfgang,
    ich knie vor Dir Deinem Elaborat – alle Achtung!!!
    Meine Erfahrungen decken sich mit all dem, das Du hier zusammengestellt hast.
    Anerkennende Grüße
    Wolfgang aus Wien

  4. Herzlichen Dank für diesen gut recherchierten, informativen und anschaulichen Artikel!
    Ich habe da jedoch eine Beobachtung gemacht, die meinem Schul-Wissen und dem, was auch Sie in diesem Artikel schreiben widerspricht. Kälte dämpft das Schmerz empfinden, so heißt es. Aber mir ist aufgefallen, das meine Füße bei kalter Witterung sogar sehr viel empfindlicher sind. Es gibt auf meinem täglichen Weg zur Arbeit einen geschotterten Parkplatz, den ich überqueren muß. Der ist immer gleich Sommer wie Winter, den dort wird nicht gestreut. Solange es warm ist kann ich dort gut laufen, aber je kälter es wird, umso schmerzhafter stechen die Schottersteine in die Fußsohlen. Ich habe es erst einmal erlebt, das ich bei Kälte keine Schmerzen durch Schottersteine hatte und da hatte ich schon Erfrierungen…

    1. Herzlichen Dank für diesen Kommentar! Tatsächlich stehen Deine Beobachtungen nicht im Widerspruch zu dem, was ich im Beitrag geschrieben habe. Die Betäubung der Schmerzrezeptoren findet bei Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts statt, also z.B. dann, wenn man längere Zeit über Schnee läuft. Ich habe es schon ausprobiert. Anfangs tut es weh, dann stellt sich das angenehme und leider sehr trügerische Gefühl ein, dass man stundenlang so weiterlaufen könnte. Kälteblind eben. Bei der Wiedererwärmung gibt es dann die böse Überraschung: Es schmerzt höllisch. Ansonsten ist es genau so, wie Du es beschrieben hast: Die Füße sind bei Kälte empfindlicher, was wahrscheinlich daran liegt, dass unterhalb 8 Grad Celsius statt der Kälte- die Schmerzrezeptoren aktiv sind.

      1. Das mit den Schmerzrezeptoren klingt schlüssig. Ich könnte mir auch vorstellen, das es damit zusammen hängt, daß die Haut und die Muskulatur darunter bei Wärme entspannter und damit geschmeidiger sind. Man kennt das ja vom Massieren, wo die verspannten Bereiche auch immer besonders Druckempfindlich sind.
        Auf diese Theorie bin ich gekommen weil ich bemerkt habe, daß auch Streß, Ärger und Sorgen, also immer wenn man nicht entspannt ist, zu einer höheren Schmerzempfindlichkeit der Füße führen. Haben Sie diese Beobachtung auch gemacht?

        1. Oh ja, das könnte sein. Stress, Angst usw. führt tatsächlich zu verspannter Muskulatur. Auch Schmerz kann eine Verspannung auslösen. Damit könnte es durchaus sein, dass das Ansprechen der Schmerzrezeptoren zu einer Anspannung der Muskulatur führt und damit zu noch stärkerem Schmerz. Könnte sich möglicherweise aufschaukeln.

  5. Danke für die äußerst detaillierte beschreibung!

    Ich hatte mal fersenrisse, teils sogar schmerzhaft. Ich habe dann systematisch begonnen, abends diese stellen einzucremen und das über nacht einwirken zu lassen. Ebenso habe ich eine feine hornhautfeile, mit der ich bei bedarf die oberfläche etwas glätte, wenn sie sich rauh anfühlt – ohne zu viel material abzutragen.
    Erfolg: Ich habe schon jahrelang keine risse mehr. Ob es zu rissen kommt, hängt sicher vom individuellen hauttyp ab.

    Noch eine erfahrung: an unterschiedlichen stellen reagiert die haut unterschiedlich auf belastungen. Daher gibt es blasen überwiegend an der ferse, seitlich an den zehen oder bei sandalen auch unter dem riemen oben auf dem fuß, nicht aber unter der sohle. Alles stellen, die beim barfußgehen kaum belastet werden – und ein gewichtiges „schuhproblem“, das einfach abgestellt werden kann, wenn wir keine schuhe mehr anziehen.

    1. Prima, dass du die Schrunden in den Griff bekommen hast. Die systematische Pflege ist dabei tatsächlich das A und O. Meine Hautpflege hatte ich ja schon hier beschrieben.

      Besonders neue Schuhe können tatsächlich die Hölle sein. Allerdings sollten auch Barfußeinsteiger zu Beginn ein wenig aufpassen. Ich habe mir in den ersten Wochen bei kühlen, nassen Bedingungen auf einer für mich zu langen Wanderung fürchterliche Blutblasen an den Ballen beider Füße zugezogen. Blutblasen entstehen in der Lederhaut (Dermis), also da, wo all unsere Schmerzzellen sitzen. Angenehm war das nicht…

    2. Das man an den Fußsohlen keine Blasen bekommen kann, kann ich nicht bestätigen. Sowohl mit Schuhen, meist verursacht durch Unebenheiten der Innensohle des Schuhs oder Falten in den Socken hatte ich schon Blasen an den Fußsohlen. An den Seiten geht es nur etwas schneller, weil die Hornhaut dünner ist. Aber auch bei meiner ersten Barfuß-Wanderung habe ich mir ca. 2€-Stück große Blutblasen an den Fersen geholt, weil ich noch falsch gegangen bin und es außerdem auch gleich etwas übertrieben habe, in meiner Euphorie. Dafür halfen mir die Blasen dann den Ballengang schnell zu erlernen 😉

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