Wolfgang

Wolfgang

Hallo, ich bin Wolfgang

Ich bin Jahrgang 1955 und verbringe seit dem Sommer 2016 viel Zeit im traumhaft schönen Allgäu bei Füssen, wo Eva schon länger ihr Zelt aufgeschlagen hat (Eva und Wolfgang zeigen auf den Ort, in dem wir leben). Hier kann ich zusammen mit ihr meiner Berg- und Radfahrleidenschaft frönen.

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Ich lebe mittlerweile fast ausschließlich barfuß, nach zunächst zögerlichem Beginn im Herbst 2012 in der Umgebung meines damaligen Hauptwohnsitzes bei Trier an der Mosel. Dort gibt es ideale Barfußwandermöglichkeiten in Eifel und Hunsrück sowie im benachbarten Luxemburg.

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Ich bin schon immer gerne barfuß gelaufen, wie die meisten anderen vorwiegend im Garten, am Strand, im Schwimmbad, auf Wiesen usw. Ansonsten dachte ich nicht einen Moment ernsthaft daran, die Schuhe in der Stadt oder auf Wanderungen auszuziehen. Viel zu sehr gaben die geltenden Konventionen das Tragen von Schuhbekleidung vor.

Zuerst Enttäuschung, dann Begeisterung

Die Initialzündung zum barfüßigen Leben erfolgte deshalb reichlich spät durch eine Wattwanderung von Neßmersiel zur Insel Baltrum im Sommer 2012. Ich war zunächst ziemlich enttäuscht, dass die Wattführer die Wanderung im tiefgründigen Schlickwatt (das den größten Teil der Strecke einnahm) nur mit Schuhen erlaubten, begründet mit der Gefahr durch die mittlerweile stark verbreitete Pazifische Auster mit ihren messerscharfen Schalen. Umso begeisterter genoss ich dann das herrliche Barfußgefühl auf den festen Teilen des Watts im letzten Drittel der Tour, ein sensorisches Naturerlebnis der besonderen Art. Auch nach Erreichen des Festlands blieb ich erst mal begeistert barfuß. Mann, war das schön. Das wollte ich häufiger erleben.

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Im Internet suchte ich dann nach den Hintergründen des Barfußverbots durch die Wattführer und stieß dabei auf ein Barfußforum. Ich staunte nicht schlecht. Da waren doch tatsächlich Leute unterwegs, die teilweise ganzjährig barfuß lebten, Sommer wie Winters, und dazu nahezu überall! Beim Einkaufen, im Kino, auf Wandertouren. Dieser Gedanke faszinierte mich. Freiheit für die Füße jederzeit? Toll. Das wollte ich auch.

Ein langer Prozess

Seit meiner Jugend suche ich Naturerfahrungen, mit immer neuen Hobbies: Wildwasserkajak, Skifahren, Mountainbiking, UL-Fliegen, Berg- und Klettersteigtouren, Fotografie und einiges mehr. Das Barfußlaufen eröffnete jetzt eine neue Dimension.

Aber der Kopf… der machte erst einmal nicht so recht mit, was den Einstieg ins barfüßige Leben angeht. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch EU-Beamter, betraut mit gesetzlichen Regelungen im Bereich der kerntechnischen Sicherheit. Eine ernste Sache. Kann man sich da barfuß in der Öffentlichkeit sehen lassen? Was, wenn mich dort Leute sehen, die mich kennen? Kann mir das beruflich schaden? Richte ich vielleicht selbst Schaden an, was die Glaubwürdigkeit des Dienstes angeht? Was werden die Nachbarn denken? Wird es da Gerede geben?

Gaaanz langsam begann ich mein Barfußleben deshalb erst einmal a) virtuell mit der aktiven Teilnahme in einem Barfußforum und b) praktisch mit Spaziergängen in einem abgelegen Waldstück. Oder abends auf ebenso einsamen Feldwegen. Bis mir plötzlich im Wald ein Pärchen begegnete. Oh Gott!!! Was jetzt? Und das Unglaubliche passierte: Sie schenkten mir ein herzliches Lächeln. Spannend und befreiend. Gleich als nächstes traute ich mich in ein stark frequentiertes Wandergebiet, der Teufelsschlucht an der Luxemburger Grenze. Auch da nur freundliche Reaktionen, tolle Gespräche, nette Menschen. Ich probierte es in der Stadt, erst mal abends. Wieder keine negativen Reaktionen. Dann ein zweiwöchiger Urlaub auf Teneriffa, durchgehend barfuß, sogar am Flughafen und im Flugzeug. Kein Problem.

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Barfüßiges Leben wird ein normaler Teil des Lebens

Von da an ging es ziemlich schnell. Obwohl es schon Winter war, lebte ich privat fast durchgehend barfuß, mit der Ausnahme von Theater und Spitzenrestaurants. Der Kopf spielte mir hin und wieder schon noch Streiche, meine baren Füße standen etwas zu oft im Zentrum meiner Gedanken, ich achtete zu viel auf die Reaktionen der Mitmenschen, fühlte mich öfters nicht sonderlich wohl in meiner Haut.

Inzwischen, nach vier Jahren Barfußlaufen, ist es ein selbstverständlicher Teil meines Lebens geworden. Wenn mich heute jemand anlächelt, brauche ich oft eine Weile, bis ich darauf komme, dass sie oder er meine baren Füße entdeckt hatte.

Auf sozialer Ebene hat das barfüßige Leben eine Menge Vorteile mit sich gebracht:

– Kontakte mit interessanten, aufgeschlossenen Menschen, auf die ich sonst nie aufmerksam geworden wäre.

– Neue, enge Freundschaften mit Menschen, die man zufällig irgendwo trifft, z.B. in einer Konzertpause

– Intensive Freundschaften mit Menschen aus dem Barfußforum, inkl. einer neuen Partnerschaft

– Das Gefühl, eine neue wunderbare Welt mit neuen Freiheiten entdeckt zu haben

Ich mag einfach keine Schuhe

Rein körperlich freue ich mich über die Robustheit meiner Fußsohlen, das fast durchgehende Wärmegefühl in meinen Füßen (früher schlief ich mit Socken an den Füßen) und täglich neue sensorische Erfahrungen.

Barfußlaufen führt zusätzlich zu verstärkter Achtsamkeit, was Gefühle und Gefahren angeht.

Offen gestanden mache mir aber nur noch selten Gedanken über das „Warum“? Ich weiß nur eins: ich mag nur ungern Schuhe anziehen. Ich tue es hin und wieder. Zum Beispiel wenn mir der Untergrund zu unangenehm wird, oder wenn es zu kalt ist. Dazu gehören Temperaturen unter Null, besonders bei Schnee. Oder wenn es gesellschaftlich nicht mehr zu vertreten ist, etwa bei Beerdigungen. Oder wenn es einfach unklug wäre, wie beim Tanzen. Da gehe ich angesichts allfälliger spitziger High Heels grundsätzlich nicht „unbewaffnet“ hin.

Was mir von Anbeginn wichtig war, ist nun nicht plötzlich einer neuen Konvention zu unterliegen, das Barfußlaufen nicht zu einem Dogma zu erklären, Schuhträger nicht mit geringschätzigen Gedanken zu belegen, mich selbst zum Barfußlaufen in Situation zu zwingen, in denen es mir eher unangenehm ist.

In meinem Leitfaden, in dem das Wichtigste zusammengefasst ist, was den Barfußalltag betrifft, nimmt genau dieser Gedanke einen prominenten Platz ein.

Barfußlaufen soll Spaß machen und nicht Macht über Gedanken und Leben bekommen.

Ich habe das Barfußlaufen als Befreiung erlebt, als Schritt weg von zu stark an Konventionen orientiertem Handeln hin zu einem Leben, in dem eigene Bedürfnisse einen breiteren Raum einnehmen. Mein frühzeitiger Ruhestand war ein weiterer Schritt in diese Richtung und ist der bis dahin fehlende Mosaikstein hin zu einem vollständig barfüßigen Leben. Auch die Entscheidung, viel Zeit im Allgäu mit zusätzlichem Wohnsitz zu verbringen, gehört dazu.

Vielleicht sieht man sich ja mal zu einer gemeinsamen Unternehmung.

Bis dahin,

Pfüati!

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