Fußsohlen

Fazit nach 6 Monaten Barfußlaufen

6 Monate Barfußlaufen liegen hinter mir (Stand 10. Januar 2016)

Ich schaue nun auf ein halbes Jahr konsequentes Barfußlaufen zurück. Mein Leben hat sich dadurch verändert. Heute will ich Euch von meinen persönlichen Erfahrungen berichten. Sicherlich werdet Ihr bei dem einen oder anderen Gedanken schmunzeln. Oder Ihr erkennt Euch sogar selbst wieder. Auf jeden Fall sind manche Punkte überaus interessant.

Welche Beobachtungen konnte ich bei mir feststellen? Welche Veränderungen fanden bzw. finden statt? Was spielt darüber hinaus eine Rolle? Spannende Fragen. Damit möchte ich mich gerne näher befassen.

Füße

Meine Füße nach sechs Monaten

Die ersten Schritte barfuß habe ich leider nicht bewusst erlebt. Wie schon in meinem allerersten Bericht erwähnt, ging das schleichend innerhalb von ca. 6 Wochen im Juni + Juli 2015 vor sich. Da also der Stichtag für die Umstellung von Schuhen auf Barfuß fehlt, gibt es auch keine gezielten Fotos (von meinen Füßen und Fußsohlen), die normalerweise ein Experiment einleiten. Sozusagen als „Vorher-Nachher-Dokumentation“.

Fußsohlen

Die Veränderungen sind mir jedoch nicht verborgen geblieben. Als erstes wären da die Fußsohlen. Am Anfang waren sie weich und durchlässig. Erde, Straßenabrieb, Färbung von Gras. Dies alles setzte sich in den feinen Poren fest und war abends nur schwer zu beseitigen. Auch kleine Steinchen „klebten“ an der noch weichen Sohle fest, die dann bei jedem Schritt weh taten. Mit jeder Woche, jedem Monat, wurde die Sohle widerstandsfähiger. Die Struktur veränderte sich. Sie wurde fester, wie eine Art dünnes Leder, nicht mehr so durchlässig. Grober Asphalt und Schotterwege wurden allmählich gangbarer. Von anfänglich wenigen Metern kann ich heute mehrere Km dauerhaft auf Schotter oder Asphalt laufen. Je natürlicher dabei die Umgebung, desto länger ist mir dies möglich. Schotter ist nach wie vor unangenehm, tut aber längst nicht mehr so weh.

Es gibt für mich nur einen Nachteil der strapazierfähigen Sohle: sie ist nun glatter als vorher.

Gut, das ich schon im Sommer mit dem Barfußlaufen begonnen habe. Die stabilere Struktur der Fußsohle macht es mir dadurch möglich, jetzt längere Zeit auf gefrorenem oder verschneitem Boden zu laufen. Da dies allerdings noch von anderen Faktoren abhängig ist, wie Luft- und Bodentemperatur, Witterung und mentale Tagesform, kann ich hier keine festen Km- oder Zeitangaben machen.

Auch an den einzelnen Zehenunterseiten hat sich die Haut verdichtet. Mit dem Barfußgehen ändert sich auch die Lauftechnik und das Verhalten der Zehen. Sie übernehmen jetzt Aufgaben, wie beispielsweise die Krallen bei Tieren. Sie sorgen für Halt an Böschungen, auf unebenen, felsigen und steilen Wegen und reagieren einzelnd auf Unebenheiten des Bodens. (Das gleicht den Nachteil der glatten Sohle wieder aus). Das Laufen in konventionellen Schuhen ist im Vergleich zum Barfußlaufen so unsensibel, wie das Klavierspielen mit Fausthandschuhen 🙂

Zehen

Am Anfang konnte ich meine Zehen nicht einzeln bewegen. Alle bewegten sich immer synchron, wenn ich sie hob oder senkte – ähnlich wie wenn man mit der Hand winkt. Da ich mich nie mit  Fußmotorik beschäftigt habe, war mir auch nicht bewusst, das ein einzelnes Bewegen der Zehen überhaupt möglich sei. Als ich es das erste Mal wahrnahm, das sich nicht nur der Große Zeh alleine bewegen kann, war ich schon längere Zeit barfuß. Im Laufe der Monate konnte ich immer wieder auch mal mit meinem Doppelzeh (der 2. + 3. sind zusammengewachsen) und dem kleinen Zeh andeutungsweise „winken“. Das gelingt mir nicht immer, aber immer öfter :-). Der vorletzte, also der „Ring“-Zeh, steht dagegen noch im Schatten meiner Doppelzehe. Er klammert bisweilen gerne, wird aber immer wieder von mir trainiert.

Ballen

Die Ballen am Vorfuß sind ausgeprägter geworden. Am Anfang war unter dem Großen Zeh ein leichter Ballen. Unter den 4 anderen Zehen jedoch war der Fuß relativ flach. Jetzt, nach 6 Monaten, ist die ganze Vorfußfläche „ballig“ und ebenfalls von stabiler Struktur. Auch die Außenkante des Fußes ist stabiler geworden und ihre Lauffläche etwas breiter. Speziell die Veränderung der Fußballen konnte ich immer wieder beobachten, wenn meine nassen Füße einen Abdruck auf dem Boden hinterließen.

Muskulatur

Die Muskulatur meiner Füße hat sich ausgeprägt. Sogar sichtbar, wie das abschließende Bild zeigt. Dadurch hat sich automatisch auch die Kraft meiner Füße verstärkt, was ich besonders beim Bergwandern und Radfahren bemerke. Die Füße übernehmen nun in Eigenregie einen Teil der vormals gesamten Bein- und Körperkraftbewegung. Das damals beim Gehen in Schuhen häufiger vorkommende Umknicken ist mir barfuß noch kein einziges Mal passiert!

Körper

Hat sich mein Körper durch das Barfußlaufen verändert?

Ja! Das Barfußlaufen hat nicht nur meine Füße, sondern meinen gesamten Körper positiv beeinflusst.

Sicherlich kann man nicht alles getrennt beurteilen, vieles bildet eine Symbiose, ist ohne das andere nicht möglich. Dennoch beobachte ich einiges an mir, das sich verändert. Diese Vorgänge sind noch längst nicht abgeschlossen.

Mit Beginn des Barfußlaufens änderte ich zunächst meine Lauftechnik. Vom erschütternden Fersengang gewöhnte ich mir das Laufen auf dem Vorfuß (Ballengang) an. Dazu verkürzte ich meinen Schritt auf etwa 40cm +/- 5. Meine Schritte waren schon immer recht groß und lagen zwischen 60 und 70cm! (Ich konnte es selbst kaum glauben, aber ein Zollstock brachte Gewissheit)

Durch die Schrittverkürzung ist es mir möglich, statt als erstes auf der Ferse, nun auf dem Mittelfuß aufzusetzen (die Ferse berührt dabei nur andeutungsweise den Boden). Die Hauptlast trägt dann der Vorfuß mit den zum Teil neu angelegten Ballen. Über die Zehen rolle ich ab, die sich dabei in den Boden krallen bzw. stemmen und somit den Schwung für den nächsten Schritt geben. Das läuft übrigens alles vollautomatisch ab und ist nicht so kompliziert, wie es hier klingt 😉

Ein neuer Gang

Anfänglich habe ich mich auf diese neue Laufart sehr konzentrieren müssen. Es passierte öfter, das ich durch Ablenkung in den Fersengang verfiel, was dann (ohne die Dämpfung eines herkömmlichen Schuhs) sehr schmerzhaft war. Es dauerte ein paar Wochen, bis der neue Bewegungsablauf zur Routine wurde.

Der neue Gang sah am Anfang auch etwas gewöhnungsbedürftig aus. So, als hätte ich die Hosen voll 🙂 Auch das hat sich mittlerweile relativiert – glaube ich zumindest 🙂

Der Ballengang führte bei mir insgesamt zu einer Körperaufrichtung, was sich nicht nur im Laufen, sondern auch beim Sitzen am Schreibtisch bemerkbar macht. Ich bekam an einigen Stellen Muskelkater, der mir dort bisher nicht bekannt war. Beispielsweise auf Höhe der Achillessehne, auf dem Spann sowie im unteren Teil der Wade. Auch auf der Oberseite des mittleren Oberschenkels. Weiterhin in der Hüfte, an einigen Stellen entlang der Wirbelsäule und im Genick. Diese Muskelkater traten nicht gleichzeitig auf, sondern hintereinander von unten nach oben (ähnlich einer Welle). Das dauerte etwa 4 Wochen, dann war der ganze Spuk vorbei. Mein Körper hat sich an die neuen Bewegungsabläufe gewöhnt. Mittlerweile kann ich auf meinen Wanderungen wieder zwischen Gehen und einem leichten Jog abwechseln. Das ging erst, nachdem ich nicht mehr versehentlich in den Fersengang fiel.

Insgesamt bin ich aus der Hüfte heraus bis zu den Schultern beweglicher geworden. (Hier spielt auch meine durch das Barfußlaufen geförderte mentale Entspannung eine Rolle).

Stoffwechsel

Das Barfußlaufen hat meinen Stoffwechsel ganz schön auf Touren gebracht.

Die wohl gravierendste Veränderung: Ich habe keine kalten Füße mehr!

Die Kombination aus absolut freier Bewegung, klimatischen Reizen und verschiedenen Untergründen kurbeln die Durchblutung an. Die körpereigene Heizung, ausgehend von den Fußsohlen, wird aktiviert. Das macht sich sogar schon bemerkbar, wenn man „nur“ barfuß in der Wohnung läuft. Damit meine ich nicht nur einmal, sondern als fest integrierten Bestandteil des Tagesablaufes.

Das Aufbauen und Trainieren von Muskeln erzeugt Wärme. Das kennt jeder aus dem Sport- und Fitnessbereich. Es ist also nicht verwunderlich, das auch das Barfußlaufen Wärme erzeugt. Dort, wo Muskeln trainiert und aufgebaut werden, nämlich in den Füßen. Das geschieht auch auf kalten Untergründen – je kälter, desto höher wird die Heizung gestellt. Dabei gilt: immer in Bewegung bleiben. Nur so bleibt die Heizung auf „on“.

Schwitzen

War für mich immer eine lästige Angelegenheit. Auf Radtouren begannen schon nach kurzer Anstrengung die Arme und Hände zu schwitzen. Auch die Füße. Und das T-Shirt und Stirnband waren schnell durchtränkt. Auf Wanderungen brauchte ich ein Wechselshirt und stand ich vor einer unangenehmen Situation, bekam ich einen Hitzeflash. Wie so viele Frauen in meinem Alter führte ich dies auf die Wechseljahre zurück. Ist ja auch einfach 🙂

Die Symptome der Wechseljahre sind ein Mythos, der auf unsere fortschrittliche Zivilisation, unnatürliche Ernährungs- und Lebensform zurückzuführen ist. Wen das näher interessiert, dem empfehle ich u.a. das Buch: Leben und Überleben – Kursbuch ins 21. Jahrhundert – von Viktoras Kulvinskas

Dann bemerkte ich, dass, wenn ich barfuß mit dem Rad fahre, ich nicht mehr an Armen und Händen und natürlich auch nicht mehr an den Füßen schwitze. Die Körpertemperatur kann sich nun selbst regulieren. Diese Selbsthilfe wird folglich nicht mehr durch Strumpf- und Schuhwerk blockiert. Beispiel: Wenn wir unsere gesamte Wohnung lüften wollen, nützt es wenig, wenn wir nur 1 Fenster öffnen. Sind jedoch zwei Fenster geöffnet, kann die verbrauchte Luft ungehindert entweichen. So ist es nicht weiter verwunderlich, das ich insgesamt weniger schwitze. Dadurch steigere ich meine Kondition und Ausdauer automatisch.

Das barfuß Wandern verstärkt diese Beobachtungen noch. So kann der Körper je nach Boden und Untergrund bei Bedarf aufgewärmt oder abgekühlt werden. Das trägt zur Stabilisierung des Kreislaufs bei. Ist es beispielsweise heiß oder wird die Wanderung anstrengend, suchen sich meine Füße instinktiv feuchte und kühle Bodenstellen aus. Sobald der Stoffwechsel reguliert ist, wird wieder der klimatisch neutrale Boden ausgesucht. Bei Kälte ist es umgekehrt. Da suche ich mir sonnige oder weiche Stellen, Grasbüschel, Waldboden statt Waldweg, etc. aus.

Gewichtsreduzierung

Sehr interessant ist meine Beobachtung, dass ich mein Gewicht durch das Barfußlaufen optimieren kann. Der angekurbelte Stoffwechsel aktiviert die Fettverbrennung bei gleichzeitigem Muskelaufbau (Muskelaufbau = Fettabbau). Das Bindegewebe wird wieder kräftig. Gleichzeitig reguliert sich mein Appetit. Ich esse weniger und bewusster, da sich auch mein Denken mit dem Barfußgehen verändert. Ich kann so Gewicht auf gesunde Weise reduzieren. Also ohne JoJo-Effekt und in einem langsamen Tempo. Damit hat die Haut Zeit sich anzupassen und zurückzubilden. Funktioniert aber nur auf längeren und anspruchsvollen Wanderungen o.ä. Outdooraktivitäten 😉

Denken

Bereits die Umstellung meiner Ernährung auf vegane Rohkost im Jahre 2006 hat mein Denken nachhaltig beeinflusst. Die Vorgänge in Körper und Geist begannen sich danach zu verändern. Der Weg führte mich hin zu Einfachheit im Alltag, Achtsamkeit, Empathie und Gesundheit.

Das Barfußlaufen intensiviert dieses Bewusstsein. Folglich wirkt es wie ein Booster 🙂

Es verbindet mich mit der Erde und dem, was IST. Ferner ist mein Fokus auf das gerichtet, was mich unmittelbar umgibt. Insbesondere auf die Auswirkungen (Konsequenzen), die mein Denken und Handeln zur Folge haben. Ebenso wie für meine Gesundheit, die Natur, die Tiere, genauso wie für die Menschen in meinem Umfeld. Und demgemäß auch global.

Ich werde hier nicht näher auf meine Lebens- und Denkbereiche eingehen, möchte nur erwähnen, das das Barfußlaufen ein weiteres i-Tüpfelchen auf meinem Weg zu einem noch bewussteren Leben ist.

Schmutterweiher

Austausch mit Gleichgesinnten

Wie bist Du zum Barfußlaufen gekommen? Welche Erfahrungen hast Du gemacht zu Beginn Deiner Barfußzeit? Hat das Barfußlaufen vielleicht sogar Dein Leben verändert?

Vielleicht möchtest Du darüber in einem Gastbeitrag für uns schreiben?

Bis bald und viel Spaß auf Deinem (Barfuß-)Weg

Eva

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Eva Maria Lockstaedt

Ich bin Jahrgang 1966, Mutter zweier erwachsener Kinder und selbstständig mit einem Buchungsservice für Vermieter von Ferienwohnungen und Gästezimmern. Das wunderschöne Allgäu ist mein Zuhause. Seit 2015 lebe ich barfuß, Sommer wie Winter. Unser Blog erzählt davon.

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