Barfüßiges Leben und seine Grenzen

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Wenn Besucher in diesen Tagen die Treppe zur Wohnung hinaufsteigen, passieren sie eine ganze Reihe von Fußbekleidungen. Winterstiefel, Surffüßlinge, Skilanglaufschuhe, Alpinskistiefel.

Schuhparade-im-Barfüßerhaushalt

Und hier lebt jemand, der für sich in Anspruch nimmt, Ganzjahres-Barfüßer zu sein? Ein klarer Widerspruch! Oder doch nicht?

Die Antwort ist ein entschiedenes „Jein“.

Barfußlaufen ist an Bedingungen gebunden

Die Erklärung, die wir anbieten können ist, dass sowohl Eva als auch ich barfuß sind, so lange es

  1. der Gesundheit nicht schadet,
  2. uns nicht den Eindruck eines Martyriums vermittelt,
  3. nicht andere in eine unangenehme Situation bringt, die schlicht unakzeptabel ist,
  4. uns nicht mental unangenehm wird,
  5. nicht Sicherheitsvorschriften oder Hausordnungen verletzt,
  6. uns nicht daran hindert, Dinge zu tun, die uns am Herzen liegen.

Barfußlaufen hat für uns absolute Priorität, wobei wie aber klare Grenzen setzen. Aber betrachten wir Punkt für Punkt.

Barfußlaufen darf nicht unserer Gesundheit schaden

Risiko Erfrierungen

Dieser Punkt ist hier im Allgäu gerade in diesen Wintertagen von besonderer Relevanz. Tagelang liegen die Temperaturen weit im Minusbereich, kombiniert mit Schnee und reichlich Streusalz, das die Bodentemperaturen nochmals massiv herabsetzt. Barfußlaufen bei solchen Bedingungen führt oft zu schweren Erfrierungen innerhalb weniger Minuten, beginnend mit den Fußzehen und Fußballen. Erfrierungen sind vergleichbar mit Brandverletzungen. In beiden Fällen sterben Hautzellen großflächig ab und bilden schmerzhafte Blasen, unter denen sich in der Folgezeit neue Haut bilden muss.

Leider kündigt sich dieser Prozess nur ganz zu Anfang mit schmerzenden Fußsohlen an, danach werden die Fußsohlen taub und die einsetzenden Erfrierungen verlaufen absolut schmerzlos.  Leider sind die Schmerzen dann umso größer, wenn sich die Füße wieder erwärmen. Unglücklicherweise nimmt die Heilung längere Zeit in Anspruch und die Haut bleibt für noch längere Zeit empfindlich. Generell ist deshalb im Winter größte Vorsicht angebracht.

Barfuß Erfrierungen Barfuß Grenzen

Wir empfinden den Preis für das Barfußlaufen im Schnee und auf gesalzten Wegen einfach zu hoch und tragen deshalb bei solchen Bedingungen mindestens unsere Minimalschuhe, wobei selbst die ihre Grenzen haben. Für uns liegen die bei festen Schneeoberflächen bei minus 10 Grad. Bei Tiefschnee, der auch die Schuhoberseiten bedeckt, beginnt der Minimalschuhbereich schon bei minus 5 Grad. Bei solchen Bedingungen wechseln wir auf  Minimalschuhe für den Winter oder gefütterte Winterstiefel.

Barfuß in Winterstiefeln

Risiko Verletzungsgefahr

Klar ist auch, dass Barfußlaufen auf Untergründen mit hohem Verletzungspotential für uns ein absolutes no-go darstellt. Dazu gehören z.B mit Scherben übersäte Plätze, wie man sie auf Volksfesten oder in der Silvesternacht vorfindet, mit dornigen Zweigen überwucherte Wege, rutschige Pfade in den Bergen mit Absturzgefahr usw. Ob ein bestimmter Untergrund eine hohe Verletzungsgefahr mit sich bringt, beurteilen wir selbstverständlich von Fall zu Fall, aber mit den Jahren werden wir eher vorsichtiger. Fußverletzungen heilen einfach zu langsam um unnötige Risiken einzugehen. Außerdem bringen sie die Gefahr von Infektionen mit sich. Dennoch bedeutet das nicht, dass wir nun jedes mögliche Risiko meiden. Dazu besteht zum einen kein Anlass und zum anderen würde es uns den Barfußgenuss verleiden.

Barfußlaufen soll kein Martyrium sein

Sicher, es gibt sie, die Barfußhelden, die z.B. barfuß am Zugspitzlauf teilnehmen und über endlose steinige Pfade dem Gipfel entgegeneilen. Die Empfindlichkeit der Fußsohlen lässt sich auch in einem gewissen Umfang trainieren. So kann man innerhalb weniger Wochen durch Schuhtragen verweichlichte Füße für anspruchsvollere Untergründe fit machen. Dazu brauchen die drei Hautschichten Reize, um im Rahmen ihrer jeweiligen Funktion robuster zu werden.

Barfuß auf dem Bergpfad

Allerdings stößt dieser Abhärtungsprozess, individuell verschieden, irgendwann an Grenzen. Schwierige Untergründe lassen sich eine Weile durchaus barfuß bewältigen. Wann immer wir aber das Gefühl bekommen, dass die Füße überreizt sind, „sauer“ werden, endet unser „Heldentum“ und wir wechseln auf Minimalschuhe.

Barfuß in Minimalschuhen

Typisches Beispiel war unsere Besteigung des Säuling, bei der wir beim Abstieg die Notschuhe angezogen haben. Alles andere wäre in ein Martyrium ausgeartet.

Andere sollen nicht durch unser Barfußlaufen in eine unangenehme Situation gebracht werden

„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“, so sagte es einmal der Philosoph Immanuel Kant. Wo liegt diese Grenze, wenn es um das Barfußlaufen geht? Sie liegt z.B. dort, wo meine Barfüßigkeit im privaten Bereich anderen einen Schaden zufügen könnte. Bei Einladungen zu Festen könnte es z.B. die Reputation des Gastgebers beeinträchtigen. Deshalb klären wir diese Frage grundsätzlich vorher mit ihm ab. Bei Beerdigungen könnte Barfüßigkeit die Gefühle der Trauernden verletzen.

Beerdigung

Anders liegt der Fall in Geschäften, Restaurants, Museen, Theatern, Konzerthäusern usw. Dort gehen wir erst einmal von der Akzeptanz unserer Barfüßigkeit aus. Sollte dies dann doch nicht der Fall sein und wir angesprochen werden (was extrem selten ist), entscheiden wir uns entweder für ein Verlassen der Lokalität oder ziehen unsere Notschuhe an, je nachdem, wie wichtig uns der Anlass ist.

Wir wollen uns barfuß wohl in unserer Haut fühlen

Dieser Punkt berührt einen Bereich, in dem sich die Grenzen laufend verschieben. Zu Beginn zumindest meiner „Barfußkarriere“ fühlte ich mich außerhalb der Natur ohne Schuhe eigentlich erst einmal überall unwohl. „Was denken die Leute jetzt von mir?“ ist die Befürchtung, die wohl viele Barfußeinsteiger erst einmal umtreibt. Im Laufe der Zeit erweiterte sich mein Wohlfühlbereich mit den alltäglichen positiven Erfahrungen und ich stellte fest, dass meine Vorstellung von dem, was die Leute wohl dachten, sich nicht mit der Realität deckte.

Barfuß in der Öffentlichkeit

Für mich gibt es inzwischen so gut wie keine Grenzen mehr, mit Ausnahme der im vorangegangen Punkt angesprochenen Situationen. Dennoch verstehe ich es gut, wenn andere Barfüßer in Theater, Oper oder gehobenem Restaurant doch lieber Schuhe anziehen, um den Anlass unbeschwert genießen zu können.

Sicherheitsvorschriften und Hausordnungen bilden Grenzen

Es steht außer Frage, dass Sicherheitsvorschriften und Hausordnungen beachtet werden müssen. Allerdings habe ich mehr als einmal erlebt, das Mitarbeiter mich mit Verweis auf angebliche Sicherheitsvorschriften oder Hausordnungsregeln zum Anziehen von Schuhen aufforderten. Es lohnte sich in solchen Fällen oft, höflich um Einsicht dieser Vorschriften zu bitten, was in den meisten Fällen den Gegenüber in arge Verlegenheit brachte. Allerdings reagierte der eine oder andere dann auch umso entschiedener. In letzterem Fall bringt ein weiteres Nachhaken absolut nichts, es ist eine typische Situation des Gewinnens oder Verlierens. Je nachdem, wie wichtig mir der Besuch der Einrichtung war, habe ich dann die Notschuhe angezogen oder bin gegangen.

Barfuß im Museum

In einem Fall richtete ich eine schriftliche Anfrage an die Leitung des Hauses, die dann prompt zu Tage brachte, dass es sich um eine willkürliche Maßnahme des Mitarbeiters handelte, die nicht durch irgendwelche Vorschriften gedeckt war. Auf diese Weise bekam ich es schriftlich, dass ich selbstverständlich barfuß durch Trierer Museen wandeln darf…

Barfußlaufen darf nicht zu einem Verlust der Lebensqualität führen

Barfüßig leben ist kein Dogma

Ja, es gibt sie. Barfuß-Dogmatiker, die Schuhe vehement ablehnen. Grundsätzlich. Immer. Die bereit sind, dafür Opfer zu bringen, immer barfuß sein zu können. Für uns würde ein solches Denken tatsächlich bedeuten, dass wir einige Dinge nicht mehr tun könnten, die uns sehr am Herzen liegen.

Nehmen wir das Wandern in den Bergen. Da sind nun mal viele Wege äußerst anspruchsvoll, steinig, auf Dauer unerträglich für bare Füße. Geröllhalden, die bei jedem Tritt arbeiten, können sogar äußerst gefährlich werden. Sollen wir deshalb aufs Bergwandern verzichten? Unsere Antwort heißt: nein!

Im Winter lieben wir den Skilanglauf auf unseren landschaftlich wundervoll gelegenen Loipen. Möglich nur mit den entsprechenden Schuhen. Sollen wir als Barfüßer nun aufs Langlaufen verzichten? Wir sagen: nein!

Barfuß geht leider nicht auf der Loipe

Ich liebe das alpine Skilaufen, das zugegebenermaßen erfordert, die Füße in martialisch anmutende Skischuhe zu zwängen, um einen gute Verbindung mit dem Ski zu gewährleisten. Weiter kann man sich nicht mehr vom Barfußlaufen entfernen. Verzichte ich deshalb auf das Skifahren? Natürlich nicht! Dafür liebe ich es zu sehr und die Gegend bietet alle Möglichkeiten dafür.

Alpinskifahren - no-go für Barfuß

Ich gehe gerne in Kunstausstellungen und Museen. Da kann es hin und wieder schwierig werden, barfuß eingelassen zu werden. Das Van Gogh Museum in Amsterdam z.B. verbietet Barfüßigkeit mit Vehemenz, wie ich selbst erfahren durfte. Wie wichtig ist mir die Bewunderung der Originale von Van Gogh? Sehr wichtig! Das nächste Mal werde ich Schuhe tragen.

Abwägungsprozess

Natürlich geht es immer um einen Abwägungsprozess. Auch wir mögen es eigentlich gar nicht, unsere Füße in Schuhe einzusperren, keinen direkten Kontakt mehr zum Untergrund zu haben, am Abend den Geruch der Füße und Schuhe zu ertragen. Deshalb lautet die Frage immer, ob uns das Barfußlaufen wichtiger ist, als ein Erlebnis, ein Sport oder ein sinnlicher Genuss. Sobald wir das Gefühl bekommen, dass Barfußlaufen zu einem unakzeptablen Verlust der Lebensqualität führt, verzichten wir darauf.

Fazit

Barfußlaufen ist eine der schönsten und sinnlichsten Erfahrungen, die man im Leben machen kann. Am liebsten würden wir Schuhe komplett aus unserem Leben verbannen. Aber es gibt doch Grenzen, die uns durch unsere Vorlieben, unser gesellschaftliches Umfeld, die Gegebenheiten des Untergrundes und unser Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit gesetzt werden. Wir wollen keine Barfuß-Dogmatiker sein, sondern unsere Barfüßigkeit als Steigerung der Lebensqualität empfinden.

Jeder Einzelne steckt dabei seine persönlichen Grenzen anders.

Wie ist das bei Euch? Welche Grenzen habt Ihr Euch gesteckt? Wo ist Eure Barfußkomfortzone, wo endet sie?


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Buch Fünf Jahre barfuß von Wolfgang Hilden

Fünf Jahre barfuß – Das Buch

 

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Aktualisiert von Wolfgang Hilden am 9. Juni 2018

13 Gedanken zu „Barfüßiges Leben und seine Grenzen

  • 5. Februar 2017 um 14:55
    Permalink

    Liebe Eva, lieber Wolfgang,

    das habt Ihr absolut einleuchtend beschrieben. Es gibt halt Situationen da geht barfuß eben nicht.

    In meinem Fall ist es die Arbeit. Die Sicherheitsvorschriften verlangen das Tragen von Sicherheitsschuhen. Deswegen auf den Job und das Einkommen verzichten? NEIN!
    Umso mehr genieße ich meine barfüßige Freizeit.

    Liebe Grüße
    Tobi

    Antwort
    • 5. Februar 2017 um 15:16
      Permalink

      Hallo Tobi,

      danke für Deinen Kommentar. Sicherheitsschuhe sind ziemlich unangenehm, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Aber zerquetsche Füße oder Arbeitslosigkeit sind sicher noch wesentlich unangenehmer.
      Dir weiter viel Barfußspaß!

      Liebe Grüße,
      Wolfgang

      Antwort
  • 5. Februar 2017 um 20:45
    Permalink

    Hallo Wolfgang,
    diese Beschreibung des barfüßigen Lebens könnte ich sofort unterschreiben. So soll es m.E. sein. Barfußlaufen dort, wo es möglich ist und auch angenehm für einen selbst und andere nicht in peinliche Situationen bringen. So oft wie möglich Barfuß unterwegs sein aber auch darauf verzichten, wenn es die Situation erfordert. Ich würde auch nicht auf etwas verzichten, was ich gerne sehen oder machen möchte, nur um keine Schuhe anzuziehen. Dafür gibt es ja die Minimalschuhe. Im Beruf war es für mich nicht möglich auf Schuhe zu verzichten. Da ich aber auch dienstlichen Sport machen durfte, habe ich mir hier dann doch die Freiheit nehmen können, diesen überwiegend Barfuß zu machen (z.B. 5000 m laufen auf der Tartanbahn, Übungen in der Halle (von uns genannt „Bauch-Beine-Po“) und auch den Kraftraum konnte ich Barfuß betreten. Erst gab es komische Blicke, aber gesagt hat keine etwas und irgendwann war es normal. Das Berufsleben habe ich hinter mir und so kann ich jetzt alleine entscheiden, wann und wo ich Barfuß laufe und wo in Schuhen.
    Grüße von der Ostsee ins Allgäu von Thomas

    Antwort
    • 5. Februar 2017 um 21:44
      Permalink

      Hallo Thomas,
      tja, im Beruf können bzw. konnten wohl die Wenigsten barfuß sein. Zum Glück gibt es aber mittlerweile zumindest Barfußschuhe, die bürotauglich zu sein scheinen und die den Namen Barfußschuh auch wirklich verdienen. Ich habe vor meinem Frühruhestand auch noch zwei Jahre ein Doppelleben geführt. Tagsüber Beamter, in der Freizeit Barfüßer. Nicht einfach. Meine Kompromisslösung waren damals etwas zu weite Slipper mit flexibler Sohle, die ich unbemerkt blitzschnell aus- und wieder anziehen konnte. Barfußsicherheitsschuhe werden aber wohl eine Utopie bleiben….
      Dir weiter viel Spaß beim Barfußlaufen an der Ostsee.
      Liebe Grüße,
      Wolfgang

      Antwort
  • 6. Februar 2017 um 12:04
    Permalink

    Vielen herzlichen Dank für diesen super Beitrag. Alles sehr schön zusammen gefasst. Danke dir Wolfgang. Ich komme auch immer wieder an die Grenzen der Barfüßigkeit und frage mich „Geht das jetzt noch, noch okay“? Meistens jedoch stoße ich auf Widerstand bzgl. der Akzeptanz an unterschiedlichen Orten. Ein Beerdigungserlebnis hatte ich ebenfalls – es betraf mich zwar nicht, denn für einen solchen Fall hab ich Anzug Krawatte und schwarz Schuhe- hier war jemand barfuß gekommen -hätte dem Toten zwar gefreut, weil er selber fast immer Barfuß unterwegs war- aber die Eltern des Toten fühlten sich arg gestört durch den anwesenden Barfußläufer…

    Antwort
    • 6. Februar 2017 um 14:20
      Permalink

      Hallo Peter,
      danke für die Blumen! Auf Beerdigungen ist es dem Toten tatsächlich ziemlich wurscht, wer wie daran teilnimmt. Die Trauerarbeit wird von den Angehörigen geleistet, und die verdienen Rücksichtnahme.
      Liebe Grüße,
      Wolfgang

      Antwort
      • 6. Februar 2017 um 14:57
        Permalink

        Hallo meine lieben,

        irgendwann (meine Mutti wird kommenden Sonntag 77, mein Vati ist 80) wird für mich der traurige Schritt kommen meine Eltern beerdigen zu müssen. Meine ganze Familie kennt mich als Dauerbarfüßer.

        Warum sollte ich da nicht zur Beerdigung barfuß gehen (wenn nicht gerade Frost ist)?

        Antwort
        • 6. Februar 2017 um 15:04
          Permalink

          Hallo Tobi,
          in Deinem Fall wäre es in der Tat merkwürdig, wenn Du zur Beerdigung Deiner Eltern in Schuhen erscheinen würdest. Dich kennt man schließlich nicht anders und, ganz wichtig, Du gehörst zu den engsten Angehörigen. Ich dachte im Beitrag mehr an solche Beerdigungen, bei denen man eher nicht zum engen Familienkreis zählt.

          Antwort
          • 6. Februar 2017 um 15:22
            Permalink

            Beerdigungen ist so was wo ich nicht gerne hingehe und versuche es zu vermeiden wenn es nicht die engsten Angehörigen sind. Deswegen stellt sich für mich nicht die Frage ob barfuß oder nicht.

  • 11. Juli 2017 um 16:45
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    Hallo Wolfgang,
    nanu – den Platz kenn ich doch!!! Tatsächlich, der Judenplatz das „Haus der Wiener Gastwirte“ in Deiner Blickrichtung… im Kapitel „Wir wollen uns barfuß wohl in unserer Haut fühlen“ zu sehen. Wie oft war ich dort als kleiner Bub bei Ur-Oma… damals noch mit Schuhen …
    Reminiszente Grüße aus Wien – Wolfgang

    Antwort
    • 11. Juli 2017 um 17:06
      Permalink

      Hallo Wolfgang,
      richtig, einer meiner Lieblingsplätze in Wien, vor allem das Lokal links im Foto. 😉 Auf meinen vielen Dienstreisen in diese tolle und lebenswerte Stadt über zwei Jahrzehnte hinweg wohnte ich meist in einem kleinen Hotel am Wildpretmarkt ganz in der Nähe. Das Motiv ziert übrigens schon seit 3 Jahren auch das Titelbild des Barfuß-Leitfadens und dient auch als Illustration in Kapitel 2. 😉 Als das Foto entstand, war Barfuß in der Öffentlichkeit für mich noch ein Abenteuer, ganz besonders der barfüßige Flug von Wien zurück nach Luxemburg…
      Nostalgische Grüße aus dem Allgäu,
      Wolfgang

      Antwort
  • 1. Juni 2018 um 10:54
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    Hallo Ihr Beiden,

    danke für Eure tollen Beiträge zum Thema Barfuß laufen. Ich bin ganz überrascht, dass ich erst jetzt auf Euer tolles Blog stoße, denn ich beschäftige mich schon eine ganze Weile mit dem Thema Minimalschuhe, ein paar unterschiedlicher Hersteller habe ich bereits und bin sehr begeistert von der Fußfreiheit und der neu gewonnenen Sensibilität. Für mich war das ehrlich gesagt eine Art Aha-Erlebnis, denn ich bin blind und meine Füße sind meist der erste Körperteil, mit dem ich meine Umgebung erkunden und wahrnehmen kann. Viel besser geht das natürlich, um so weniger man an den Füßen trägt. Mittlerweile bekomme ich viel mehr mit, beispielsweise schlecht gemachte sog. Leitlinien auf Bahnsteigen, die ich eigentlich mit dem Blindenstock ertasten sollte, aber bei ohnehin rauem und unebenem Untergrund oft kaum finden kann. die finde ich jetzt meist viel schneller mit den Füßen.

    Leider bin ich im Ballengang noch nicht sehr gut, ich sollte wohl doch auch mal so einen Kurs mitmachen, um es richtig zu lernen. Youtube-Videos helfen mir da leider meist ziemlich wenig.

    Weil ich auch ansonsten gern lieber leichte und luftige Kleidung trage, denn ich spüre gern die Luft auf meiner Haut und fühle mich dann leichter und unbeschwerter, komme ich auch langsam auf den Gedanken, aufs Barfußlaufen umzusteigen, wann immer es eben geht und, wie Ihr schon in Eurem Blog schreibt, wann immer es nicht gegen irgend etwas verstößt.

    Nun frage ich mich, und jetzt auch Euch, aber doch, wäre es auch für mich als blinder Mensch eine gute Idee, Barfuß zu laufen?
    Dazu möchte ich sagen, ich habe eigentlich keine Angst mir die Füße zu stoßen. Das werde ich oft vor allem von sehenden Menschen gefragt, wenn ich Minimalschuhe trage. „Haust Du Dir da nicht ständig die Füße an?“. Nein, das tue ich nicht, auch in allen anderen Schuhen nicht, ich stolpere ja nicht ständig herum. Warum also häufiger mit Minimalschuhen?
    Was mir mehr Sorgen macht sind gerade in der Großstadt so unangenehme Dinge wie Hundescheisse, menschliche Hinterlassenschaften aller Art, Glasscherben und im Gras z.B. auch Insekten wie Wespen, Bienen, Armeisen usw..

    Wie geht Ihr als Barfußläufer damit um? Schaut Ihr permanent auf den Boden und passt höllisch auf, dass Ihr nirgends reintretet oder nehmt Ihr es einfach, wie es kommt und wascht anschließend die Füße gründlich?

    Gut, auf den Boden schauen kann ich jetzt nicht, trotzdem mag ich es sehr, gerade im Sommer, Barfuß zu laufen. Wobei meine Füße bisher noch nicht besonders abgehärtet sind.
    Im Büro könnte ich es prinzipiell auch tun, aber meine Chefin kriegt Pickel, wenn sie Barfüße nur sieht. Eine Vorschrift Schuhe zu tragen, gibt es bei uns so ansonsten nicht.

    Ich würde gern häufiger Barfuß laufen, auch im Freien.
    Was meint Ihr, wäre das auch für mich möglich und sinnvoll?
    Und noch eine unkundige Frage: Wenn Ihr Barfuß lauft, dann auch im Ballengang oder im Versengang?

    Herzliche Grüße aus dem jetzt schon seit längerem sehr heißen Hamburg, ich liebe den Sommer, den wir hier oben so selten so wunderbar heiß haben.

    Antwort
    • 1. Juni 2018 um 14:11
      Permalink

      Hallo Katja,

      ganz herzlichen Dank für Deine lieben Worte.
      Deine Frage bringt uns allerdings in einige Verlegenheit. Es ist schon so, dass wir meist unbewusst ständig den Boden scannen, um rechtzeitig all das zu erkennen, was Du anführst. Hundescheiße könnte man tatsächlich noch abwaschen, aber ein Flaschenboden im Gras oder Glasscherben auf dem Gehweg könnten üble Folgen haben. Du müsstest sehr achtsam sein und jeden Schritt sehr vorsichtig und tastend setzen. Dann könnte es schon gehen. Außerdem haben wir festgestellt, dass die Sauberkeit der Städte sehr unterschiedlich ist. Meine langjährige Heimatstadt Trier ist z.B. extrem sauber, das wäre eher kein Problem. Anders wäre es in Regensburg, dass wir gestern besucht haben. Wir haben selten eine so verdreckte und mit Glasscherben übersäte Innenstadt erlebt, was sicher vor allem an den zahlreichen Touristen liegt. Da kommt die Stadtreinigung wohl nicht mehr hinterher. Geschäfte sind dagegen meist sehr sauber und unkritisch.
      Am besten könnte es sein, wenn Du anfangs mit jemandem unterwegs bist, der die Lage prüft, bis Du selbst ein Gefühl dafür bekommst. Wenn Du Dir doch etwas eintrittst, meist einen Dorn oder einen Glassplitter, müsste der allerdings möglichst schnell entfernt werden. Wir machen das an Ort und Stelle mit Pinzette und Skalpell. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das blind hinbekommen würde. Da bist Du uns mit Deinen Erfahrungen sicher voraus.
      Was den Gang angeht, ist der bei uns der Situation angepasst. Auf harten, flachen Untergründen ist es mehr der Ballengang, auf weichen Untergründen laufen wir durchaus auch über die Ferse. In meinem Buch habe ich diesen Punkt ziemlich ausführlich angesprochen.
      Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt, wie Dein weiterer Weg aussieht. Vielleicht magst Du ja irgendwann auch mal in einem Gastbeitrag darüber berichten?

      Liebe Grüße,
      Wolfgang

      Antwort

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