Barfuß Joggen und Marathon Laufen. Tipps von Laufprofi Thomas

Barfuß Joggen – ein spannendes Thema

Schon oft habt Ihr uns Fragen zum barfüßigen Joggen gestellt. Leider fragt Ihr da die Falschen, denn wir haben leider keine Erfahrung auf diesem Gebiet. Deshalb waren wir selbst gespannt auf die Informationen, die wir jetzt dazu von einem Barfuß-Marathonläufer in einem Interview bekommen haben. Er erzählt darin von seinen ersten Versuchen, seinen Trainingsmethoden und gibt Euch Tipps, falls Ihr selbst über einen Einstieg ins Barfuß-Joggen nachdenkt. Ein spannendes Thema, wie wir finden.

Thomas Friedl Barfuß Marathonläufer Thomas ist Jahrgang 1963, kommt aus einem kleinen Dorf in Schleswig Holstein und arbeitet für eine französische Versicherungsgesellschaft den ganzen Tag am PC. Nachdem ihm das Barfußgehen als Ausgleich zu seinem Bürojob nicht mehr reichte, schaltete er einen Gang höher.

Hallo Thomas, schön Dich kennenzulernen. Du bist Marathonläufer. Auf leisen Sohlen. Wie bist Du überhaupt dazu gekommen, die Schuhe dauerhaft auszuziehen?

Zu Hause und im eigenen Garten bin ich schon immer barfuß gegangen. Irgendwann in einem heißen Sommer hab ich dann im Büro gedacht: Warum dürfen die Kolleginnen eigentlich barfuß sein, während ich meine Füße in geschlossenen Schuhen grillen lasse? Dann hab ich angefangen, unterwegs und im Büro Clogs (die guten alten mit Holzsohle) zu tragen. Da brauchte ich keine Socken und konnte je nach Bedarf schnell in die Schuhe schlüpfen (z.B. für den Weg zum Porzellanpalast).

Lebst Du barfuß oder machst Du das nur zeitweise, z.B. bei Deinen Läufen?

Im Lauf der Zeit sind immer mehr Sachen dazugekommen, die ich barfuß erledige, wie beispielsweise das Einkaufen. Nur in Innenstädten gehe ich aus hygienischen Gründen nicht barfuß.

Insgesamt bin ich mehr barfuß unterwegs als mit Schuhen.

Wie sah Dein Einstieg ins Barfußjoggen aus? Es wird ja im Allgemeinen davor gewarnt, zu schnell zu große Distanzen zu laufen. Wie war das bei Dir?

Ich hab jahrzehntelang überhaupt keinen Sport gemacht, bis mein Arzt (Dr. Sielmann aus Bad Oldesloe – ein Genie!) mir vor einigen Jahren wegen meines Übergewichts und dem Zustand meiner Bandscheiben dringend empfohlen hat, mit dem Joggen anzufangen.

Ich hatte ein Paar von den seit 1970 unverändert in Deutschland hergestellten Brütting-Turnschuhen. Das sind so richtig robuste Lederschuhe und waren in den 70ern State of the Art bei den Laufschuhen. Ich hab dann ungefähr ein halbes Jahr gebraucht, um 5 Kilometer am Stück joggen zu können. Mit Schuhen. Um das überhaupt durchzuziehen, hatte ich mich schon gleich nach dem Laufbeginn für einen Wettkampf im darauffolgenden Jahr angemeldet. Habs dann auch durchgezogen. Auf dem Weg von der dicken Couchkartoffel zum ersten 5km-Wettkampf saß dann irgendwo im Gebüsch der Laufvirus, und der hat mich dann voll erwischt.

Die Laufschuhe von Brütting sind noch aus Leder
Die robusten Brüttings

Den ersten Lauf bin ich dann noch mit Schuhen gelaufen, aber je mehr ich trainierte merkte ich, daß das mit den Brüttings keine Zukunft hat. Weil ich immer versuche, auch bei Kleidung auf bio oder fair zu schauen, kamen keine neonbunten Plastikschuhe von Addipumanike in Frage. Der Versuch, in den superbequemen Leinenturnschuhen von Ethletics zu laufen, brachte das Thema aber auch nicht so recht voran.

Also was blieb? Barfuß! Am Anfang immer mal nur ein paar hundert Meter, weil meine Füße zwar das Barfußgehen im Garten, aber nicht die Doppelbelastung Laufen + Asphalt gewöhnt waren.

Barfuß, Zehenschuhe von Vibram, Leinenschuhe von Ethletics und Laufschuhe aus Leder von Brütting
v.l.n.r.: barfuß, Vibram Five Fingers, Leinenschuhe von Ethletics und die Laufschuhe von Brütting

Hattest Du mit Problemen zu kämpfen?

Ich hatte erstaunlich wenig Probleme mit der Umstellung. Da haben mich wohl tatsächlich die alten Brüttings gerettet: Die haben keine weich gepolsterte Sohle und verleiten einen deshalb auch gar nicht erst dazu, beim Joggen mit der Ferse zuerst aufzutreten. Sie erziehen einen also tatsächlich zu einem Laufstil, der dem des Barfußlaufens sehr ähnlich ist. In den 1960er und frühen 1970er Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, einen Fersenlaufstil zu entwickeln, wie ihn jetzt die meisten Leute betreiben. Das ging erst, als die Sportschuhindustrie die supergepolsterten Schuhe auf den Markt brachte. Und die verursachen erst die vielen Läuferknie, Hüftschmerzen usw.

Es gibt Studien die belegen, daß trotz immer ausgefeilterer Laufschuhe die Verletzungen von AmateurläuferInnen seit den 1970er Jahren nicht zurückgegangen sind. Im Gegenteil: Knieverletzungen sollen sogar zugenommen haben. Also war ich mit den in diesem Zusammenhang tatsächlich „guten, alten“ Brüttings auf dem richtigen Weg.

Am meisten Schwierigkeiten bereiteten mir die durchhängenden Gewölbe meiner völlig untrainierten Füße. Die am stärksten beanspruchte Stelle der Fußsohle war in der Nähe des Akupunkturpunkts Ni1, der ohnehin sehr schmerzempfindlich ist, und ausgerechnet da landete ich mit meinen damals noch 30 Kilo-mehr-als-heute.

Ich hab dann im Internet recherchiert, ob vielleicht auch andere Leute barfuß laufen und war baff, was es da alles gab. Auf youtube hab ich ein Video von Dr. Cucuzella gefunden und versucht, seine Empfehlungen zum Laufstil umzusetzen. Und ab dem Moment flutschte alles, ich wurde immer schneller, ohne mehr aus der Puste zu sein, und die Belastung meiner Füße ging deutlich zurück. Ich machte zweimal pro Woche zusätzlich zum Laufen Übungen zur Rumpfstabilität und Fußmuskulatur und hatte ganz viel Freude am Ausprobieren der richtigen Laufhaltung. Dann hab ich Sachen von Wim Luijpers und Danny Dreyer gesehen, immer mehr an der Technik gefeilt und irgendwann wollte ich einfach keine Schuhe mehr zum Laufen anziehen.

Hast Du anfangs bestimmte Untergründe bevorzugt? Welche empfindest Du als ideal und welche sind sehr strapaziös für Dich?

Am liebsten würde ich immer auf weichem Waldboden oder am Strand laufen. Leider gibts hier in Schleswig-Holstein nur sehr wenig Wald, und die allermeisten Wald– und Feldwege sind grob geschottert. Und nicht überall in Schleswig-Holstein ist ein Strand direkt vor der Tür. Meine Wege hier im Kreis Segeberg sind also leider fast durchgehend asphaltiert und man kann kaum 3 km laufen, ohne an einem Schweinemaststall vorbeikommen zu müssen.

Deshalb bin ich an das Asphaltlaufen gut gewöhnt (an den Güllegestank werde ich mich nie gewöhnen…)

Ideal finde ich Joggen auf hartem Sandstrand, wie es ihn auf Amrum gibt. Aber das ist mir leider nur im Urlaub vergönnt.

Thomas kommt gerne zum Joggen an den Strand von Amrum

Strapaziös sind für mich tatsächlich alle geschotterten Wege. Die versuche ich soweit wie möglich zu vermeiden. Laufen ist für mich Erholung und schon fast meditatives Abschalten. Da mag ich nicht bei jedem Schritt gucken müssen, wo ich hintrete. Und wenn’s schmerzt ist das nix für mich. Das mag man trainieren können, aber ich hab einfach andere Schwerpunkte.

Und wenn’s kalt und naß ist, ist auch irgendwann Schluß. Nach meiner Erfahrung wird die Fußmuskulatur unterhalb etwa 5°C und feuchter Straße oder unter 0°C bei Trockenheit nicht mehr richtig warm, bleibt kalt und hart, egal wie weit ich laufe. Das führt dazu, daß die Füße ihre Flexibilität und damit ihre Dämpfungseigenschaften verlieren. Dann fühle ich direkt, wie sich Verletzungen zwangsläufig ankündigen.

Auf Schotter und bei Kälte laufe ich also schweren Herzens auch in Schuhen, und da hab ich bislang leider nichts Besseres als die Zehenschuhe von Vibram gefunden. Die sind aus Plastik und made in China, also alles, was ich eigentlich nicht will. Aber zumindest kann man die gut „wie neu“ auf dem Gebrauchtmarkt im Netz bekommen.

Untersuchungen und Studien

Nach meiner Erfahrung und auch nach Untersuchungen durch Studien sind die Zehenschuhe die einzigen Schuhe, die ein ähnlich gelenkschonenendes Laufen wie Barfuß erlauben. All die anderen Barfußschuhe (was für ein blöder Name – das ist ja so wie Nacktbadeanzug…) bieten diesen Vorteil nicht.

Wenn also das Laufen in minimalistischen Schuhen schon nicht so gelenkschonend ist wie Barfußlaufen (oder Zehenschuhlaufen), dann ergibt sich daraus ja fast zwangsläufig, daß die Belastung für die Gelenke zunimmt, je mehr Dämpfung, Fußbett, Stütze am Schuh dran ist. Hat sicher was mit der immer weiter abnehmenden Möglichkeit der Propriozeption zu tun. Je weniger der Körper merkt was er macht, um so weniger kann er Bewegung optimieren. Soweit der Laie….

(Mehr zu den Studien findest Du am Ende dieses Interviews. Anm. d. Redaktion)


Ich bin in diesem Jahr die internationalen Naturistenläufe in Rosenfelde über 5km und 10km Schotterwege mit den Vibrams gelaufen, und das ging recht gut.

Thomas beim Naturistenlauf in Rosenfelde
Foto mit freundlicher Genehmigung von Detlef Schleicher

Ich hab also nicht den Anspruch, alles barfuß zu laufen. Aber schon soviel wie möglich, solange Wohlbefinden, Spaß und Gesundheit dabei an erster Stelle stehen.

Wie sieht Dein persönlicher Trainingsplan aus und wie oft trainierst Du?

Ich trainiere im Schnitt 4 Tage die Woche Laufen, und zweimal in der Woche mache ich Stabilitätsübungen, Faszientraining oder Feldenkraisübungen. Aber alles zuhause, Muckibude kommt nicht in Frage.

Und dann versuche ich immer noch den wöchentlichen Einkauf mit meinem xyz-cargobike zu erledigen, das sind rund 52km zum nächsten Biohofladen und zurück.

Die Laufeinheiten sind immer davon abhängig, für welche Wettkämpfe ich mich angemeldet hab. Bei Läufen bis 10km trainiere ich etwa ab drei Monate vorher immer mal Tempoeinheiten. Der größte Teil sind aber lange entspannte Läufe zwischen 1 und 3 Stunden, 8-28km Länge, an der aeroben Grenze. Aerobe Grenze ist bei mir etwa bei Puls 120 und 5:40 min/km

Hast Du eine spezielle Ernährung für Deine Fitness?

Ich ernähre mich zu etwa 99% Bio mit einem großen Gemüse– und Vollkornanteil. Ich ess gern mal ein Stück Fleisch, aber die Preise für gutes Biofleisch direkt vom Hof sind glücklicherweise so hoch, daß mich der Preis in meiner Fleischvermeidungsstrategie gut unterstützt. Viele Nüsse und viel Obst. Wir haben in unserem Garten viele Apfelbäume und dadurch von September bis April Äpfel satt. Ich achte darauf, einmal die Woche etwas Seefisch zu essen, und außerdem gibts jeden Tag Kräutertee aus dem Garten und Obst/Gemüsesmoothies.

Zwischendurch gibt es jeden Tag das, was meine Frau und ich „Matschepampe“ nennen. Das ist Quark oder Joghurt, immer wechselnd aus Kuhmilch oder Soja, mit einem guten Bio-Öl (Leinöl, Hanföl, Nachtkerzenöl oder Mariendistelöl), Quinoa oder Chia, Kürbiskernen, Leinsamen, Haferflocken, Nüssen, Früchten usw.

Ich versuche, den veganen Anteil in meinem Essen immer weiter zu erhöhen. Schließlich ist u.a. Scott Jurek Veganer ;o)

Aber ich bin da nicht dogmatisch. Wenn wir alle nicht mehr als 500 Gramm Fleisch jede Woche essen würden, sähe es in der Landwirtschaft, in der Fleischindustrie und mit unserem Klima schon sehr viel besser aus.

Thomas beim Marathon in Weimar

Läufst Du zu jeder Jahreszeit?

Ja. Einzige Ausnahme: Eisregen.

Wie lange hat es gedauert, bis Du lange Strecken und am Ende sogar einen Marathon laufen konntest?

Vier Jahre von Null bis zum Marathon.

Welche Streckenlängen bist Du in der Lage zu laufen?

Alles bis zum Marathon, aber irgendwann möchte ich schon mal einen Ultra laufen, also irgendwas mit 50km und mehr. Ach ja: Sprints und alles unter 5km, da wär ich wohl doch komplett chancenlos.

Was sind Deine Empfehlungen hinsichtlich der Lauftechnik?

Mit dem ganzen Fuß auftreten! Mit der richtigen Lauftechnik kommt das von allein: In der Hüfte strecken, leicht nach vorn beugen, den Gluteus, also den großen Gesäßmuskel, entspannen und sich dann einfach in den Rhythmus fallen lassen. Kleine Schritte, dafür eine Frequenz von 180 Schritten/Minute.

Bloß nicht und niemals auf dem Ballen laufen. Kaum ein Ballenläufer bleibt bei intensiverem Training vor Schienbeinkantensyndromen („Shin Splints“) verschont, und das soll so ziemlich das Schmerzhafteste sein, was einem außer Plantarfasziitis passieren kann.

Gibt es Bücher zum Thema, die Du uneingeschränkt empfehlen kannst?

Ja, gute Hinweise gibts in dem Buch „Gentle Running“ von Wim Luijpers (ISBN: 3499610434), der einen Feldenkraishintergrund hat, und „ChiRunning“ von Danny Dreyer (ISBN: 3936973482), der vieles aus dem Tai Chi herleitet. Trotzdem gibt es erstaunlich viele Übereinstimmungen. Außerdem gibt es ein Buch zur „Regeneration für Ausdauersportler“ von Sage Rountree (ISBN: 3936376808), das mir sehr geholfen hat. Im Netz die Videos von Dr. Cucuzella und Jay Gruenke.

Wie pflegst Du Deine Füße, um sie für Training und Wettbewerb fit zu halten?

Ehrlich gesagt, mache ich da nicht viel. Die beste Pflege für unseren Körper ist, ihn angemessen zu bewegen. Keine Überforderung, aber auch kein Stillsitzen. Manchmal übertreibe ich bei Tempoeinheiten und gerate in die Falle, doch wieder mit Kraft statt mit Technik zu laufen. Dadurch hobele ich mir nach ein paar Kilometern die Haut von den Sohlen und muß sie dann doch mal einölen. Ich nehme eine Mischung aus Bio-Mariendistelöl und „Bio-Nachtkerzenöl von der Allgäuer Ölmühle. Das sind eigentlich Salatöle, aber in dieser Reinheit und Qualität sind kosmetische Öle schlichtweg nicht zu bekommen, bzw. bezahlbar.

Welche Art von Wettkämpfen läufst Du barfuß und wo finden diese statt?

Ich laufe viel regionale Straßenrennen in Schleswig-Holstein, einfach weil das vom Zeit- und Geldaufwand überschaubar ist. Letztes Jahr bin ich in Weimar den 100JahreBauhausMarathon gelaufen (ganz entspannt in 4:15, um mal ein büschen auf die Tonne zu hauen ;o)), und auf Langeoog bin ich auch schon gestartet. Dieses Jahr sollten u.a. der Helgolandmarathon und der Lübecker Stadtmarathon dran sein, aber es fällt ja leider alles coronabedingt aus. Mit Glück wird im Dezember der Bremer Bergmarathon gestartet.

Nur so Riesenveranstaltungen mit 10000 Leuten und mehr, das ist nix für mich. Bei den Rennen in Hamburg, Berlin oder Boston wird man mich also sicher nie treffen.

Thomas beim Endspurt auf Langeoog
10km-Langeoog-Endspurt… mit gruseliger Laufhaltung

Gibt es bevorstehende Termine, an denen Du teilnimmst oder andere Projekte, die Dir am Herzen liegen?

Mir hat das Laufen physisch und psychisch so viel gegeben, daß ich die Erfahrungen gern weitergeben möchte. Deshalb habe ich gemeinsam mit einer Feldenkraislehrerin ein Laufseminar entwickelt, in dem ich alle meine Erfahrungen weitergebe. Alles auf die feste Basis der Feldenkraislehre gestützt, also Bewußtheit durch Bewegung. In den eigenen Körper reinfühlen und lernen: Was tut gut, was macht mich schnell, was läßt mich mühelos und lächelnd laufen.

Was kannst Du anderen Barfüßern empfehlen, die mit einem Einstieg ins Barfußjoggen liebäugeln?

Je nachdem, wie sie jetzt laufen, empfehle ich eine entsprechende langsame Umstellungsphase. Durchschnittliche Laufschuhe haben etwa eine 1,5-2cm dicke Sohle an der Ferse. Wer dann auf Barfuß umstellt, dehnt bei jedem Schritt die Achillessehne um die zusätzlichen 2cm. Das muß behutsam gemacht werden, sonst kommt man tagelang keine Treppe mehr runter. Und ganz wichtig ist es, die Rumpfmuskulatur zu trainieren. Mindestens zweimal die Woche 30 Minuten. Aus dem Rumpf kommt bei der richtigen Technik die ganze Kraft. Und die Muskulatur, die unsere Knie gerade hält und für einen sauberen Fußaufsatz sorgt, entspringt im unteren Bauch/Rücken/Hüftbereich.

Regelmäßige Übungen für die Fußmuskulatur und auch Faszienrollen (da schaut im Netz nach, wie Liebscher-Bracht das macht: langsam und lange) sind wichtig.

Lauft nur so schnell, dass ihr euch noch locker unterhalten könntet. Die Geschwindigkeit kommt irgendwann von ganz allein. Lächeln statt Hecheln! Achtet auf Euren Körper, fühlt rein, wann es gut geht und merkt euch das. Und wenn ihr dann das erste Mal barfuß eine Steigung hochfliegt, dann habt ihrs!

Wow Thomas, Du hast eine anstrengende Phase des Körper- und Konditionsaufbaus mit enormer Gewichtsabnahme und vielen Erkenntnissen hinter Dir. Erfahrungen, die interessierten Lesern hilfreich sein können.

Wir danken Dir für das ausführliche Interview, die vielen Infos und wünschen Dir alles Gute und weiter viel Erfolg!

Barfuß läufts besser

Wenn Ihr Fragen an Thomas habt, benutzt bitte das Kommentarfeld 👍


Zu den Studien:

Studie zu Barfußschuhen

Dort werden auch kurz andere Studien zum Vergleich „normale“ Laufschuhe und Barfußlaufen angesprochen, u.a. auch eine von Lieberman. Allerdings ist da mein Verständnis dieses Textes auch leider nur oberflächlich (mein Englischlehrer und ich verzweifelten gegenseitig aneinander…)

Liebermanstudie

Er schreibt dort u.a. „Fore-foot- and mid-foot-strike gaits were probably more common when humans ran barefoot or in minimal shoes, and may protect the feet and lower limbs from some of the impact-related injuries now experienced by a high percentage of runners.“

Auch Christopher McDougall verweist in seinem Buch „Born to Run“ (ISBN: 3453603699) auf diese Studien (Seite 233 ff.)

Wim Luijpers schreibt in seinem Buch „Gentle Running“ (ISBN: 3499610434) auf Seite 158: „Lauf mit einem gepolsterten Schuh [und] du bleibst durch den langen Abrollvorgang von der Ferse bis vorn länger auf dem Fuß; so hast Du mehr Zeit, deine Knie zu ramponieren“


Hier ein schöner Vortrag von Prof. Lieberman (wenn die Amis doch nur ein wenig langsamer reden würden!)

Er erklärt hier wunderbar, warum die eigentliche Belastung für die Gelenke durch gepolsterte Schuhe NICHT abnimmt, sondern im Gegenteil:

Die eigentliche „Einschlagskraft“ bleibt im Vergleich zu barfuß gleich, aber durch die längere Verweildauer des Fußes auf dem Boden (Vergl. Luijpers-Zitat!) entsteht eine ingesamt höhere Belastung für die Gelenke, wenn man Schuhe trägt.

Und ab Laufzeit 8 Minuten ist auf der Leinwand in Zeitlupe sehr schön der richtige Barfußlauffußaufsatz zu sehen. Er sagt zwar forefootstrike dazu, meint damit aber ganz deutlich nicht den Ballenlauf. Man setzt zuerst ungefähr mit dem Zehengrundgelenk des kleinen Zehs auf. Dann klappt der Fuß nach innen zum Großzehengelenk. Das genau ist der bei uns eingebaute Stoßdämpfereffekt durch das Quergewölbe, das nach dem Aufsatz des Großzehengrundgelenks noch weiter nachfedert. Bis die Ferse aufgesetzt wird, die selbst gepolstert ist. Zuletzt wird dann noch das Längsgewölbe durchgedrückt.

Und nun kommt dass geniale ohne Schuhe: Quer- und Längsgewölbe sowie alle Faszien und Bänder drumherum sind jetzt wie Gummibänder vorgedreht und schnellen in Millisekunden in ihre Ruheform zurück. Sie katapultieren so den Fuß und den ganzen Körper nach vorn! Wenn man weiche gepolsterte Schuhe trägt, können sich die Gewölbe nicht vorspannen, weil da das Fußbett im Weg ist. Und was dann noch an kümmerlicher Katapultleistung übrig ist, versickert im wahrsten Sinne des Wortes in der weichen Sohle. Um trotzdem noch vorwärts zu kommen, laufe ich dann also nur mit völlig übermäßiger Muskelanstrengung. So macht das Laufen keinen Spaß mehr.

Als Resultat hab ich also mit teuren Schuhen eine höhere Belastung für die Gelenke und schalte gleichzeitig die geniale Biomechanik des menschlichen Fußes komplett ab.

4 Gedanken zu „Barfuß Joggen und Marathon Laufen. Tipps von Laufprofi Thomas“

  1. Danke für das spannende Interview ! Sympathisch, dass Thomas alles nicht so dogmatisch sieht. Ich fühle mich in vielen meiner Einstellungen bestätigt. Ich habe es aufgegeben, über Schotter barfuss zu laufen, weil ich merkte, dass mir das die Freude am barfuss Joggen vergrätzt. Ich lege dann lieber nachher noch eine zusätzliche Runde auf Asphalt ein, damit meine Füße „zu ihrem Recht“ kommen. Aber zum Marathon wird´s bei mir nie reichen …
    Als Ergänzung zu den Literaturempfehlungen wären vielleicht noch der Klassiker vom Barfuss-Altmeister Ken Bob Saxton „Barefoot Running Step by Step“ und “ Running barefoot“ von Dr.John C. English (allerdings beide auf Englisch) zu nennen.
    Gruss aus dem westfälischen vom
    Michael

    Antworten
    • Moin Michael,

      sag niemals nie!

      Bei vielen Marathons ist die Zielschlußzeit zwischen 7-8 Stunden. In der Regel kann man sich also mindestens 6 Stunden Zeit lassen. Das wäre eine Kilometerzeit von 8:30 Minuten. (Bei einer geplanten Laufzeit von 7 Stunden hättest Du sogar 9:55 Minuten pro Kilometer Zeit) wobei man sich natürlich auch immer Gehpausen gönnen sollte, um Aufzutanken. Auch an den Verpflegungstationen kann man sich entspannen und viel Zeit lassen, den ganzen Becher Wasser ganz langsam in Ruhe im Stand oder langsamen Schritt trinken.
      Solange wir nicht dem Publikum was beweisen wollen oder uns an Leute dranhängen, die schneller sind als wir, ist ein Marathon gar nicht so heftig.
      Dazu kommt, daß die Fähigkeit, Ausdauerleistungen zu erbringen im Alter eher zu- als abnimmt.
      Vielleicht probierst Du es ja doch noch !?
      viele Grüße
      Thomas

      Antworten
  2. Übrigens zu dem Thema des Online Kongresses ein Zitat meines Arztes Dr.Sielmann:
    „Wir sind das einzige Tier, das seine Umwelt so verändert hat, daß seine
    artgerechte Haltung nicht mehr möglich ist.“

    Antworten

Schreibe einen Kommentar