Vibram Five Fingers

Minimalschuhtest Vibram Five Fingers

Testautor: Lorenz Kerscher

  1. Hersteller: Vibram
  2. Modell: Five Fingers
  3. Kaufdatum: ca. 2013
  4. Preis: ca. 100
  5. Weblink: Zehenschuhe von Vibram
  6. Schuhtyp: Zehenschuh
  7. Material: Hartgummisohle, feines Oberleder
  8. Gewicht: 420 g
  9. Aussehen

Ich benutze ein einfarbig schwarzes Modell, das ich auch zum Ausgehen tragen kann.

Minimalschuhe Fivefingers von Lorenz Kerscher im Test

  1. Verarbeitung

Die Hartgummisohle besteht von vorne bis hinten aus einem Stück und ist trotzdem biegsam, der Innenschuh aus dünnem Leder ist hineingeklebt. Am Zehenansatz sorgt ein biegsamer Bereich für Bewegungsfreiheit. Unter dem Zehenballen ist die Sohle verstärkt und mit einem griffigen Profil versehen, vorne sind bis über die Nägel reichende Schutzkappen für die Zehen. Insgesamt sorgt dieses aufwendige Design dafür, dass die Zehen optimal arbeiten und sich dem Gelände anpassen können und doch bestens geschützt sind.

  1. Stimmigkeit der Größenangabe (fällt er größer oder kleiner aus als angegeben?)

Die von meiner Frau nach Größe gekauften Schuhe passten auf Anhieb.

  1. Packmaß (rollbar?)

Aufeinandergelegt ist das Paar (Größe 46) maximal 5 cm hoch, 31 cm lang und 13 cm breit. Die Five Fingers können auch in der Mitte geknickt werden, die Abmessungen sind dann ca. 18 x 14 x 9 cm.

  1. Anziehbarkeit (trockene und nasse Füße; stehend oder nur im Sitzen)

Es erfordert am Anfang etwas Geduld und Geschick, jede Zehe in ihrem richtigen Fach zu verstauen. Mit nassen Füßen oder im Stehen ist das eher schwierig.

  1. Barfußgefühl (Passform, Sohlenstärke, Fersensprengung etc)

Das Barfußgefühl ist sehr gut, weil die Sohle maximal einige mm dick und biegsam ist und jede Zehe unabhängig bewegt werden kann. Man spürt alle Unebenheiten des Untergrunds, ohne dass sie wehtun. Im Fersenbereich wird der Schuh mit einem Band festgehalten, wodurch er sich dem Fuß gut anpasst. Ich empfinde die Zehen nicht als eingeengt, sie stehen bei mir von Natur aus etwas auseinander. Bei eng stehenden Zehen oder gar Hallux valgus könnte die Passform ggf. problematisch sein.

  1. Sitz des Fußes im Schuh (fest, oder rutscht er?)

Durch die richtige Spannung des Bands, das die Ferse hält, kann man einen guten und bequemen Sitz erreichen.

  1. Rutschfestigkeit der Sohle (vor allem auf Schlamm und Schnee, auch in steilem Gelände, längs und quer)

Die Sohle hat, obwohl sie dünn und biegsam ist, das klassische Sohlenprofil von Vibram und ist dadurch ausreichend rutschfest, um auch anspruchsvolle Bergpfade zu gehen. Auf felsigem Gelände findet man mit dem Vorderfuß und den Zehen guten Halt. Auf Schlamm und Schnee rutscht man weniger als ganz barfuß, jedoch habe ich nie einen wirklichen Härtetest riskiert.

Die Sohle der Vibram Five Fingers

  1. Durchstichfestigkeit der Sohle

Es ist noch kein Durchstich vorgekommen.

  1. Fußschweißbildung

Vergleichbar mit leichten ledernen Halbschuhen.

  1. Thermoisolation im Winter (tauglich bis zu welcher Temperatur?)

Weniger Isolation als beim normalen Schuh. Eher geeignet bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt.

  1. Wasserdichtigkeit

Das von mir benutzte Modell ist nicht wasserdicht.

  1. Schmutzabweisende Eigenschaften

Wie normale Lederschuhe. Angetrockneter Schmutz bröselt durch die höhere Beweglichkeit zum Teil wieder ab.

  1. Leichtigkeit der Reinigung

Kann gut durch Bürsten gereinigt werden, die Sohle ist auch abwaschbar.

  1. Defekte (unabhängig vom Verschleiß)

An einer Zehe löste sich die Schutzkappe am vorderen Ende ein Stück weit ab. Das konnte mit Sekundenkleber repariert werden.

  1. Verschleiß (welche Teile, in welcher Zeit?)

Wenig Abrieb am Sohlenprofil.

  1. Fazit

Die Vibram Five Fingers ermöglichen den normalen Bewegungsablauf wie beim Barfußgehen und haben durch das Profil einen sehr guten Griff im Gelände. Sie sind deshalb auch für alpines Wandern geeignet. Es besteht ein guter Schutz gegen das Anstoßen der Zehen, jedoch nicht gegen grobes Geröll, das von oben auf den Fuß geraten kann. Vor allem bewähren sie sich als „Notschuhe“ für steinige Wegabschnitte, die man barfuß nur sehr langsam passieren könnte, oder für den Abstieg, bei dem Zehenschutz und Profil sehr nützlich sind.

Die Ergebnisse im Überblick

Möglicher Einsatzbereich

TheaterBüroFreizeitWandern leichtes GeländeWandern schweres Gelände

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Ergebnisse in den einzelnen Kategorien

Material

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Verarbeitung

+

Stimmigkeit der Größenangabe größer (>) oder kleiner (<) als angegeben, oder stimmt die Größe (<>)?

<>

Packmaß (rollbar?)

+

Anziehbarkeit (trockene und nasse Füße; stehend oder nur im Sitzen)

O

Barfußgefühl (Passform, Sohlenstärke, Fersensprengung etc)

++

Sitz des Fußes im Schuh (fest, oder rutscht er?)

++

Rutschfestigkeit der Sohle (vor allem auf Schlamm und Schnee, auch in steilem Gelände, längs und quer)

+

Durchstichfestigkeit der Sohle

++

Fußschweißbildung

O

Thermoisolation im Winter unter 0°C

Wasserdichtigkeit

Schmutzabweisende Eigenschaften

O

Leichtigkeit der Reinigung

+

Defekte (unabhängig vom Verschleiß)

O

Verschleiß

+

++ =sehr gut, + gut, O = befriedigend, – = ausreichend, – – = mangelhaft

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Lorenz Kerscher

Ich bin 1950 barfuß auf die Welt gekommen und gehe seitdem von Frühlingsbeginn bis Spätherbst ganz überwiegend ohne Schuhe. Seit 1998 publiziere ich über das Barfußlaufen im Internet und gelegentlich auch in Printmedien. Unterstütze zahlreiche Barfußpfadinitiativen, Barfußfühlpfade für Veranstaltungen und Barfußturnstunden für Schulklassen. Bin begeisterter Musikliebhaber, spiele Klavier und Horn, singe im Chor und besuche gerne Opern und Konzerte. Schreibe in Wikipedia Artikel über neu entdeckte Talente.

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5 Gedanken zu „Minimalschuhtest Vibram Five Fingers“

  1. Hallo Lorenz,
    schöner Bericht,
    die Schuhe sind bestimmt super,
    würde sie mir allerdings trotzdem nicht zulegen. Ich finde, die sehen fürchterlich aus 🙂 gefallen mir überhaupt nicht.
    Hab mir dieses Jahr – Sole Runner – zugelegt.

    LG. C-P

  2. Hallo Lorenz,
    kann es sein, dass es dieses Modell nicht mehr gibt? Ich finde das auf der Seite http://www.vibram-fivefingers.de/ nicht.
    Die Modellpalette ist auch milde gesagt etwas unübersichtlich.
    Ich bin vor Kurzem durch eine Klamm gelaufen, die extrem steinig war. Meine Leguano waren da schon sehr an der Grenze, zum Einen spürte man die Steine durch die Sohle immer noch sehr stark, zum anderen ist die Sohle der Leguano nicht so für nassen rutschigen Fels geeignet.
    Das Konzept der Fivefingers finde ich ganz interressant, zum Einen dadurch dass die Zehen einzeln frei beweglich sind, zum Anderen durch die Vibram-Sohle, die ja unter Bergfreunden einen guten Ruf geniesst.
    Aber für welches Modell soll man sich da entscheiden? Wenn ich die Sohle von deinem Modell mit denen der Homepage vergleiche, dann scheint das am ehesten einem der Trecking-Modelle zu entsprechen. Da gibts aber auch 6 verschiedene, und offenbar gibts manche nur als Damenmodell. Also ich blick da nicht durch.

    1. Hallo Jochen,
      ehrlich gesagt kenne ich die Produktpalette der Five Fingers nicht. Ich habe meine Erfahrungen mit einem Modell geschildert, das mir meine Frau von einigen Jahren geschenkt hat. Was meine Frau benutzt, hat ein anderes Profil und eine helle Oberfläche aus feinem Textil. Das scheint mir eher ein Trekkingmodell zu sein. Jedenfalls ist sie damit ebenfalls zufrieden, wobei sie sonst keine Barfußläuferin ist.
      Barfüßige Grüße,
      Lorenz

  3. Hallo Lorenz

    Danke für deinen Produktbericht!
    Ich bin während ca. 6 Jahren fast nur mit Fivefingers gelaufen, ehe ich auf barfuss umgestellt habe, und kenne daher diverse Modelle.
    Seit ich Barfuss gehe, mag ich die Fifefingers nicht mehr. Das verblüfft mich selber, nach all den Jahren! Ich habe sie mal im Abstieg von unserer Alphütte angezogen, um meine Füsse vor Kastaniennadeln zu schützen, und dachte „nie wieder“. Ich hatte ein ähnliches Modell wie Du an.
    Dadurch, dass die Sohle für einen Fivefinger dick ist, ist sie zwar in der Länge hervorragend biegsam, aber die Spannbewegung zwischen dem Gross-und Kleinzehenballen machen sie nicht mit. Für mich ist diese aber sehr wichtig, da ich ansonsten Schmerzen bekomme.
    Ich habe beginnende Mortom-Neurome und weil ich mit diesen Fivefingers im Grunde genommen immer noch im Fersengang unterwegs war, habe ich mir den Vorfuss quasi plattgewalzt. Durch das Barfussgehen und die dadurch verbesserte Vorfussaktivität verschlimmern sich die Neurome nicht. Seither betrachte ich Fivefingers mit gemischten Gefühlen. Einerseits tolle Schuhe auch fürs Gebirge, selbst schwierige weglosemRouten – aber wer nicht sensibilisiert ist und wie ich unter einer Fehlstellung leidet, kann sich damit auch grössere Schäden holen. Aber das gilt wohl für alle Minimalschuhe – nur dass mir diese hier die für mich wichtige Vorfussbewegung nicht mehr möglich machen.
    Liebe Grüsse
    Dorothea

    1. Liebe Dorothea,
      ich benutze die Five Fingers seit einigen Jahren gelegentlich als Notschuhe. Nach wie vor beginne ich jede Wanderung barfuß, halte das so lange wie möglich durch und habe deshalb wenig Erfahrung, wie es ist, wenn man sie dauerhaft trägt und damit so lange und anspruchsvolle Touren macht wie du. Zu meiner Anatomie und meinen Bewegungsabläufen passen sie für meine Zwecke gut genug, jedenfalls besser als die Bergstiefel, die ich früher als Notschuhe durchs Gebirge schleppte.
      Liebe Grüße,
      Lorenz

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