Barfuß Winzer und Dichter – Gastbeitrag von Christian

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Hallo, ich bin der Christian, 28 Jahre jung und wohne in der Weinregion Rheinhessen in Rheinland-Pfalz.

Seit September 2013 laufe ich Sommer wie Winter immer und überall barfuß.
Grenzen gibt es auch, bei -10°C ist nur mal ein kurzer Gang zum Bäcker drin, viel mehr aber nicht.
Aber bei 3°+ und Sonnenschein, bin ich auch schon mal ein/zwei Stündchen auf dem Flohmarkt unterwegs.
Ja, die 50er Jahre haben es mir angetan. Filme, Musik, und auch meine Wohnungseinrichtung, besteht zu 90% aus diesem Jahrzehnt.

Mein 50er Jahre Stil

Wie ich zu dem Barfußlaufen kam?

Tja, manchmal sind es eine Reihe an Zufällen, und auch dann noch mehrere an einem Tag.

Im Oktober 2012 wollte ich in Mainz zu einem Fiat 500 Treffen. Vorher hatte ich noch etwas Zeit, und habe zufällig im Fernsehen den Rest von: „Die Geheimnisse des perfekten Läufers“ gesehen.
Ich war begeistert.
Anschließend bin ich nach Mainz gefahren und dort war ein Pärchen, was die Zehenschuhe von Vibram  an hatte. Nun ja, ich war noch viel begeisterter von den Schuhen, als von unseren kleinen „Autochens“.

Diese Schuhe musste ich unbedingt haben.

Die Vibrams und der 500er

So begann mein Barfußweg

Ich liebte diese Schuhe, trug sie immer und überall. Die Menschen um mich herum schauten immer ganz lustig und irritiert auf meine Schuhe.
So ging das ca. 1 Jahr.

Die Vibrams FiveFingers Zehenschuhe

Dann kam der Tag der Tage. An meinem Geburtstag, Anfang September, hatte ich mir vorgenommen, etwas für meine Gesundheit zu tun.
Also zog ich meine Vibrams an, ging raus und begann zu laufen… Aber nach nur 50 Metern war alles vorbei: Durch die veränderte Gangart drückten sich die Zehen (durch das Auftreten mit dem Ballen statt mit der Verse), nach vorne in ihre Fächer und stießen unagenehm an.
Ich zog meine Zehenschuhe aus, nahm sie in die Hand und lief barfuß weiter. Das war ein Bild 😉
Die Leute schauten jetzt komplett irritiert.

Frühling und Freiheit für die Füße

Naja, die Schuhe flogen in die Ecke, und blieben dort liegen. Und liegen. Und liegen.
Schließlich wurden sie verkauft. Alle die ich hatte.

Alle meine Zehenschuhe hab ich weggegeben

Es wurde von Monat zu Monat kälter und meine Füße wärmer und wärmer. Richtige Glühfüßchen ;- )
Dann kam der große Wocheneinkauf. Ich hatte eine 30-Minuten-Diskussion mit meinem Zwillingsbruder, bis er mich barfuß zum Einkaufen mitnahm.
Ihm war das peinlich, aber da musste er durch. Jetzt findet er es klasse, und trägt selbst Zehenschuhe. Meine Mutter ebenso.
Aber ganz barfuß wollen die beiden dann doch nicht.
Papa hat Probleme mit den Zehenschuhen, er kommt nicht rein, wieso auch immer, vielleicht möchte er auch einfach nicht.

Mein Motto lautet: Jeder kann machen was er will, solange er alle Anderen damit in Ruhe lässt.

So, ab jetzt: barfuß Laufen, barfuß Autofahren, barfuß Einkaufen, barfuß überall.

Barfuß Autofahren

Durch das Barfußlaufen zum Wandern

Da Asphalt sehr langweilig ist, habe ich mich nach Wandervereinen umgeschaut. Bin einmal mitgewandert und war überwältigt.
Jetzt wandere ich so oft es geht, immer barfuß, durch den tiefsten Wald und am liebsten nach dem großen Regen.
Ich habe so viele nette Menschen kennengelernt, allerdings noch keinen Barfußläufer. Habe auch noch nie einen in Freier Natur gesehen 🙁

Barfuß wandern im Wald

Barfuß über Moos

Nun sind 3,5 Jahre vergangen, und ich mag keine Schuhe mehr anziehen.

Mein Hobby seit der Schule ist, Gedichte zu schreiben. Da ich immer barfuß unterwegs bin, und mal jemand zu mir spaßeshalber „Barfußgoethe“ gesagt hatte, dachte ich mir, Barfußdichter trifft es doch ganz genau.
Und so bin ich jetzt bei vielen Wanderungen und Weinproben mit dabei, trage hier und da Gedichte vor und bringe die Menschen zum Lachen.

Barfuß lässt es sich gut leben

Einzig bei der Arbeit in den Weinbergen trage ich meist Schuhwerk um meine Füße zu schützen, da ich mich dort mehr auf die Reben und Maschinen konzentrieren muss.

Bin ich in meiner Freizeit in den Weinbergen unterwegs, so doch immer barfuß.

Barfuß im Weinberg

Mein lustigstes Barfußerlebnis war in Alzey, als ich im Januar, während es schneite, von der Polizei angehalten wurde ;- )

Ich war Fußgänger, und bin vor ihren Augen (sie hielten an der roten Autoampel) barfuß über die Straße…
Das war lustig! „Geht es ihnen Gut?“ war die erste Frage 🙂

Negative Erfahrungen hatte ich eine, da durfte ich in ein Hotel nicht rein, habe aber – von dem Pärchen mit den Vibrams – ein paar Zehenschuhe geliehen bekommen 😉
Ja, ich bin den beiden so dankbar, dass daraus eine wunderschöne Freundschaft geworden ist.

Spaßfaktor Regenwetter

Herrlich nach Regenwetter

und anschließend….

Meine Reinigungsmaschine für Barfüße

Mein Notfallmäppchen

Mein Notfallset, welches mich immer und überall begleitet.

Mein Notfallmäppchen als Erste-Hilfe-Set

Es ist ein Schulmäppchen aus dem Schreibwarenladen und wurde ohne zu fragen zweckentfremdet 😉

An den Schlaufen sind Schlüsselringe, daran jeweils ein Gummiband und an dem Gummiband jeweils ein Karabiner, die dann hinten an die Gürtelschlaufen an meiner Hose befestigt werden. So habe ich die Hände frei, und mein Erstehilfemäppchen immer bei mir.

Inhalt:

  • Opinel Taschenmesser Göße 6
  • Mini Taschenlampe
  • Streichhölzer
  • Pflaster
  • Sicherheitsnadel
  • Pinzette
  • Zeckenpinzette
  • Hansaplast
  • Sonnencreme
  • Sprühflasche mit Desinfektionsmittel
  • Mullbinde

Die 50er Jahre - bei mir aktuell

Als Abschluss noch ein Gedicht aus meiner Feder…

Barfuß

Jedes Tier auf unserem Planeten,
hatte ursprünglich die Erde barfuß betreten,

doch eine Spezies, naiv und dumm,
stellte durch das Tragen von Fußprothesen, ihre Gangart um,

dadurch verlernte sie das richtige Laufen,
genau das, was ihre Füße brauchen,

Füße, Knie und auch der Rücken,
sich vor Schmerzen krümmen und bücken,

heutzutage kann sie nicht mehr laufen,
geschweige denn, ihre Füße gebrauchen,

auf kurz oder lang, wird sie nicht mehr lange bestehen,
das zeigte uns die Evolution, aber sie wird es nicht verstehen,

behaupten werden sich all die Tiere,
die sich barfuß nicht genieren,

die laufen, rennen und jagen können,
um zu überleben, ich würde es ihnen gönnen

Geschrieben von © Christian (Barfußdichter) am 03.05.2017

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Aktualisiert von Barfussdichter am 26. Februar 2018
Gastbeiträge , 4 Kommentare

4 Gedanken zu „Barfuß Winzer und Dichter – Gastbeitrag von Christian

  • 7. Mai 2017 um 09:33
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    Dein schöner Barfuss-Werdegang
    lässt werden den Morgen weniger lang.

    Danke für’s Teilen Deiner Welt
    Du hast so lustig und spannend erzählt.

    Dazu die vielen schönen Bilder
    die stimmen jeden Skeptiker milder!

    Hier schreibt ein interessanter Mann
    der viele inspirieren kann!

    Antwort
    • 7. Mai 2017 um 13:42
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      Hallo Dorothea,
      vielen Dank für Deine lieben Zeilen,

      ein Gedicht für mich, ist ein sehr schönes Zeichen,

      ein Zeichen von Freude und Aufmerksamkeit,
      denn auch kurze Zeilen, brauchen ihre Zeit,

      auch Dir wünsche ich alles Gute auf deinem Weg,
      egal ob er mit Schuhen oder barfuß geht,

      Inspirieren kann ich noch hier und da,
      barfußlaufen ist einfach wunderbar,

      egal ob beim wandern in der Natur,
      oder zuhause, im Hof und Flur,

      Antwort
  • 7. Mai 2017 um 09:22
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    Vielen Dank für die interessante Barfußgeschichte. Das „peinlich sein“ , wie du es mit deinem Bruder beschrieben hast, kenne ich gut. Mein liebster und längster Freund fing auch eines Tages an, barfuß zu laufen. Und in der Anfangszeit fand ich es auch peinlich mit ihm unterwegs zu sein. „Wa meinst du, was die anderen denke…..?“ war meine Sorge. Bis ich es schließlich begriff und selber vermehrt barfuß raus ging. Heute würde ich mich freuen, mit ihm barfuß unterwegs zu sein, aber er starb vor wenigen Jahren. Aber eine gewisse Umgewöhnung braucht man schon, bevor es einem als ’normal‘ empfunden wird barfuß zu laufen.

    Antwort
    • 7. Mai 2017 um 13:24
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      Hallo Peter,
      ja, am Anfang war es für alle gewöhnungsbedürftig, Freunde, Bekannte und Verwandte, alle schauten erst skeptisch, besonders im Winter.
      Jetzt aber, finden es alle klasse und unterstützen mich sogar. Meine Großeltern erzählen das auch in ihrer Altersgruppe weiter, und erzählen mir auch jedes mal, wenn sie im Fernsehn oder in einer Zeitschrift etwas über das Barfußlaufen sehen/lesen. Es soll ja so gesund sein..
      Es IST gesund 😉 Manchmal ist es schade, wenn man dann denkt, warum habe ich das nicht schon vor 20 Jahren gemacht?

      Antwort

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