Barfuß auf das Brentenjoch (2000 m) in den Allgäuer Alpen

image_pdfimage_print

Aha, das ist es also. Das Brentenjoch. Ein Berg. Genau 2000 m ist er hoch. Joch klingt ja eher nach einem Bergeinschnitt. Aber die Namen sind in dieser Gegend zuweilen etwas seltsam. Ein lang gezogener Rücken, ein Kreuz auf einer kleinen Erhebung. Das war’s. Gut, vom Tal aus schaut man auf eine abweisende, hohe Felswand. Trotzdem wirkt die Felsspitze nebenan, der Aggenstein, doch erheblich eindrucksvoller, obwohl er ein paar Meter niedriger ist.

Die Aussicht ist allerdings auf dem Brentenjoch ähnlich spektakulär. Und der Pfad zum Gipfel und der Rückweg über die Sebenalpe einfach etwas Besonderes. Hier ist tatsächlich der Weg das Ziel. Der Berg gehört zu der langen Reihe der Allgäuer Alpen, die direkt aus dem Alpenvorland aufragen, in diesem Fall ganz in der Nähe von Pfronten (das ist einer der Orte, die früher in der Ferienzeit von den Fernpass-Autokaravanen verstopft wurden). Da habe ich eine ganze Reihe schon „abgehakt“.

An diesem Morgen ist das Wetter nach langer Zeit endlich einmal als stabil vorausgesagt. Wochenlang litten große Teile von Deutschland unter täglichen Gewittern, teilweise mit dramatischen Folgen. Überflutete Orte, Eisenbahnstrecken voller Geröll, unermessliche Schäden. Im Allgäu hielten sich die Unwetter vergleichsweise in Grenzen, aber an größere Touren in den Bergen war einfach nicht zu denken.

Bei der Tourenwahl fiel die Entscheidung also auf das Brentenjoch, und zwar aus zwei Gründen: 1) Der Wichtigste zuerst: Da war ich noch nie! 2) Ich kann mir den lästigen Talanstieg mittels einer Seilbahn sparen. Wozu hab ich die Jahreskarte für die hiesigen Aufstiegshilfen?

Los geht es also mit der Bahn auf den Breitenberg. Das Ziel ist von der Talstation schon zu sehen. Das Kabel ganz links schneidet haargenau durch den Gipfelaufbau des Brentenjochs.

Seilbahn auf den Breitenberg

Gemütlich schwebe ich auf den Berg und schaue wieder einmal mitleidsvoll auf die Wanderer, die die Bahn verschmähen und stattdessen die endlosen Kehren eines langweiligen gesplitteten Forstweges Richtung Bergstation vorziehen.

Barfuß in der Bahnkabine

Schotter…

Oben angekommen, warten sie schon: teilweise üble Schotterwege.

Es beginnt noch vergleichsweise harmlos, außerdem tröstet der Blick auf den Aggenstein. Da links hinauf führt der Weg. Zunächst auf die Anhöhe, dann hinunter in ein Tal, schließlich wieder ganz hinauf zum „Bösen Tritt“, der hier links vom Aggenstein als teilweise bewaldeter Bergkamm zu sehen ist.

Blick auf den Aggenstein

Schon bald blickt man auf dieses Wegstück. Barfuß für Fortgeschrittene.

Üble Schotterpiste

So etwas hassen selbst die Träger schwerer Bergschuhe…  Aber ich habe mir vorgenommen, den Gipfel heute ausnahmslos barfuß anzugehen, nur um zu sehen, was geht.

Der Bergsteig beginnt

Ein Stück weiter geht es schon besser, endlich ein Bergpfad und kein Weg für Schwertransporte…

Bergpfad Richtung Böser Tritt

Bergblumen

Pfad zum Bösen Tritt

Bei Aufstieg zum „Bösen Tritt“ schaut man bereits auf die Felswand, oberhalb sich derer der Pfad zum Brentenjoch oft nah an der Abbruchkante hinauf windet.

Pfad zum Gipfel am Abgrund

Vom Bösen Tritt zum Brentenjoch

Oben angekommen, am Sattel „Böser Tritt“ auf 1720 m Höhe. Hinter dem Schild der Aggenstein, den ich heute mal auslasse. Es ist sowieso Samstag, der Platz am hochbeliebten Gipfel wird beschränkt sein…  Auch die nahe gelegene Bad Kissinger Hütte besuche ich heute erst mal nicht.

Böser Tritt
Zum Vergrößern Bild anklicken

Ich will schließlich aufs Brentenjoch, das man auf dem nächsten Foto bereits sieht. Im Vordergrund zweigt der unscheinbare Erdweg zum Gipfel vom Hauptweg ab. Er ist nicht beschildert, aus gutem Grund. Er zieht sich oft ohne Sicherungen teilweise sehr knapp am Abgrund entlang, ist bei Nässe sehr rutschig und verläuft teilweise sogar durch kleine Erd- bzw. Felsrutschzonen…

Blick auf den Pfad zum Gipfel

…wie man hier gut erkennen kann.

Erdrutsch auf dem Pfad

Aber sehr barfußfreundlich ist der Pfad, solange man noch guten Halt hat…

Pfad zum Gipfel

Ein Blick zurück Richtung Aggenstein. Gut zu sehen, wie sich der Steig zum Gras-Sattel des Bösen Tritts hinauf windet. Bei näherem Hinsehen erkennt man oben auf dem Kamm auch die Bad Kissinger Hütte.

Blick zurück zum Aggenstein

Jetzt ist es nicht mehr weit, obwohl der Gipfel noch nicht zu sehen ist.

Pfad zum Gipfel

Ein letzter Grashang.

Grashang am Gipfel

Und schon ist der Gipfel zu sehen.

Pfad zum Gipfel

Am Gipfel

Der Barfußheld wirft sich in Pose…

Wolfgang am Gipfelkreuz

Die Aussicht läßt sich sehen… Hier auf die imposante Berggruppe von Gehrenspitze, Köllenspitze, Gimpel und Rote Flüh. Die gerundete Kuppe links ist die Große Schlicke, die habe ich schon mehrmals bestiegen und hier davon berichtet.

Aussicht vom Brentenjoch

Oder auf den Aggenstein. Ganz im Hintergrund die Oberstdorfer Berge. Im Vordergrund das letzte Stück des Steiges, auf dem ich gekommen bin.

Blick zum Aggenstein

Gleitschirmpiloten tummeln sich über dem Alpsee am Fuß der Ammergauer Alpen. Hier mit Säuling, Branderschrofen, Tegelberg und Hochplatte.

Blick zum Alpsee und die Ammergauer Alpen

Der Abstieg

Schließlich geht es an den Abstieg auf dem „Normalweg“ zur Sebenalpe. Ich trage wie immer meine Minimalschuhe, meine Aqua Sphere , zumal während der Gipfelpause irgendetwas im rechten Fuß das Rumoren begonnen hat.

Abstieg zur Sebenalpe

Von unten grüßt die Alpe bereits hinauf.

Abstieg zur Sebenalpe

Von der Alpe geht es zurück Richtung Bad Kissinger Hütte, die ich aber auslasse. Der Fuß macht zunehmend Ärger. Meine Teleskop-Trekkingstöcke aus Carbon sind  in dieser Situation Gold wert.

Der Weg hinab vom Bösen Tritt Richtung Bergstation der Breitenbergbahn wird dann richtig mühsam. Das erste Problem auf einer Barfuß-Bergtour. Die Statistik verlangt offenbar ihren Tribut.

Abstieg

Dickes Ende

Am Ende der Tour ist der Fuß dick geschwollen, eine ursprünglich wahrscheinlich harmlose Prellung ist durch den langen Abstieg zu einem größeren Problem ausgewachsen. Ein Arzt bestätigt zum Glück, dass sonst nichts verletzt ist. Sein Mittel der Wahl für den schnellen Abbau des Blutergusses passt bestens ins Bild: Retterspitz. Als äußerliche Anwendung mittels Fußwickel. Schlägt prima an. Bald bin ich wieder fit…

Prellung beim Barfußlaufen. Darf man eigentlich niemandem erzählen. Also Leute, das bleibt unter uns!


Buch-Tipps: Alp- und Hüttenwanderungen Allgäuer Alpen

Fünf Jahre barfuß – Mein Buch

 

image_pdfimage_print
Aktualisiert von Wolfgang Hilden am 4. Juli 2018

2 Gedanken zu „Barfuß auf das Brentenjoch (2000 m) in den Allgäuer Alpen

  • 1. Juli 2018 um 20:55
    Permalink

    Hallo Wolfgang,
    wieder ein schöner Tourenbericht. Beim Anschauen der sehr steinigen Wege, spürte ich schon meine Fußsohlen. Respekt, diese Strecke ohne Minimalschuhe zu bewältigen. Noch ein Wort zur Fahrt mit der Seilbahn: In meinen jüngeren Jahren habe ich diese Verkehrsmittel gemieden und gemeint, eigentlich könnten sie abgebaut werden. Bin immer zu Fuß gegangen. Jetzt, da ich (etwas-oder viel?) älter bin, nutze ich die Bahnen sehr gerne. Warum soll man sich das Leben nicht etwas einfacher machen und dann die Wanderung von der Bergstation aus genießen.
    Ich wünsche dir gute Besserung und bald wieder schöne Wanderungen ohne Schmerzen.
    Herzliche Grüße von Thomas

    Antwort
    • 2. Juli 2018 um 09:25
      Permalink

      Hallo Thomas,
      Herzlichen Dank für Deine guten Wünsche. Das Fußproblem ist dank Schonung in der ersten Woche zum größten Teil überstanden und die ersten Barfußbergtouren liegen schon hinter mir.
      Bahnen habe ich schon immer genutzt, denn ich hasse öde Talanstiege, womöglich noch bei warmem Wetter. Umso mehr Zeit bleibt dann für schöne Touren in der Höhe. Anders ist das allerdings, wenn der Anstieg ein tolles Landschaftserlebnis oder eine barfußfreundliche Strecke verspricht, wie z.B. der Steig zur Bichlbacher Alm oder die 900 Höhenmeter über die Skipiste hinauf zum Tegelberg bei Füssen.
      Die Tour zum Brentenjoch komplett barfuß durchzuziehen war rückblickend eine Dummheit. Da ich schon am Vortag eine Barfußtour unternommen hatte, waren die Füße wahrscheinlich schon vor- und überlastet. Zudem waren einige Wegstrecken einfach nur eine Quälerei. Das bringt dann gar nichts mehr und stand außerdem im Widerspruch zu meinen Vorstellungen der Barfußgrenzen: Martyrium und Verletzungsgefahr. Ich habe wieder etwas dazugelernt.
      Herzliche Grüße, Wolfgang

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.