(Fast) Barfuß im Schnee

Während Barfußfreunde in fast ganz Deutschland auf ein bisschen Schnee warten und Menschenmassen die Ski- und Rodelregionen in den Mittelgebirgen stürmen, haben wir im Allgäu auf 900m Höhe ziemlich oft eine geschlossene Schneedecke, so auch jetzt.

Barfußfreunde sehnen sich nach Schnee. Es stimmt ja wirklich. Das Gefühl, das frisch gefallener Pulverschnee unter baren Füßen erzeugt, ist unvergleichlich. Bei jedem Schritt massiert die weiche und nachgiebige Unterlage die Fußsohle, das sanfte Knirschen ist bis in die letzte Körperfaser spürbar. Herrlich.

Aber leider hält der Spaß nicht lange an. Gerade Pulverschnee legt sich auf den Fußrist und kühlt die Füße in Windeseile aus. Schon nach wenigen Minuten werden sie so kalt, dass es übel schmerzt. Natürlich kann man dann weiterlaufen, der Schmerz lässt nach, versprochen. Leider liegt das meist nicht an der anspringenden Fußheizung, sondern an den Schmerzsensoren der Fußhaut, die durch Kälte schlicht und ergreifend abgeschaltet werden. Spätestens dann muss man alle paar Minuten die Unterseite der Zehen darauf kontrollieren, ob sie weiß werden. Das ist dann das Signal, dass der Körper die Blutzirkulation der Fußhaut stark vermindert hat. Die Zusammenhänge hatte ich ja schon im Beitrag über die Haut erläutert. Auch das merkwürdige Gefühl, wie auf einer dicken Filzunterlage zu laufen, ist eine deutliche Warnung, jetzt schnellstens die Füße wieder ins Warme zu bringen. Schuhe reichen schon.

Igitt, Schuhe??? Ich bin ja bei Dir, geht mir genau so. Schuhe mag ich so gar nicht. Aber hier im Allgäu kommen wir leider nicht ohne aus. Es sei denn, wir würden uns an Schneetagen in der Wohnung verkriechen. Kann man machen, wollen wir aber nicht.

Die Lösung sind für uns unsere Minimalschuhe, sofern es nicht allzu kalt ist. Bis -5 Grad Celsius funktionieren die prima. Und das Beste ist, dass sie einiges von dem Gefühl, das uns barfuß im Schnee so begeistert, erhalten.

Natürlich gibt es Unterschiede.

Mit den Shamma-Sandalen geht es z.B. nicht wirklich. Jedenfalls nicht im Neuschnee.

Toll sind unsere Skinners. Die Sohle ist unglaublich dünn, entsprechend gut ist das Barfußgefühl. Sie schützen auch etwas vor Auskühlung, zumindest solange sich die Temperaturen nahe des Gefrierpunkts bewegen.

Meine Standardlösung für tiefen Schnee sind aber meine kostengünstigen Surflinge, die Mares. Sie geben guten Grip, schützen prima vor Auskühlung bis etwa -5 Grad Celsius und geben immer noch ein gutes Gefühl für den Schnee.

Am besten vermittelt das ein Bild vom Fußabdruck, den man mit den Mares hinterlässt.

Kaum vom “echten” Abdruck zu unterscheiden, finde ich jedenfalls. Ich bin heilfroh, diese Lösung schon seit Jahren zu haben. Denn ganz ehrlich, schmerzhafte Frostbeulen an den Zehen hatte ich in meinen Barfuß-Sturm-und-Drang-Tagen genug. Erfrierungen zweiten Grades. Aus dem Alter bin ich inzwischen raus. Aber ich weiß, wie es ist: Im Leben eines Hard Core-Barfußfreundes gibt zwei wichtige Perioden: die vor und die nach der ersten Frostbeule. Da muss ein richtiger Mann durch…

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Barfußlaufen im Schnee, und übertreibt es nicht. Minimalschuhe sind gar nicht mal so übel…

Mit den besten Wünschen für das neue Jahr,

Wolfgang

7 Gedanken zu „(Fast) Barfuß im Schnee“

  1. Hallo Wolfgang, ich bin zum Glück bisher ohne ernsthafte Erfrierungen davongekommen. Habe es auch nicht vor!
    Diesen Winter hatte ich auch schon ein paar Mal Schuhe an, weil es mir zu kalt war. Ich muss mir nichts mehr beweisen.

    Heute hat es in Berlin geschneit und da habe ich grad wieder eine faszinierende Erfahrung gemacht, die ich schon öfter beobachtet habe:
    Auf Schnee werden meine Füße offenbar nicht so kalt wie auf (nassem) Asphalt bei gleicher Temperatur.
    Während ich die Kälte in den letzten Tagen eher “so ertragen” habe, wurden meine Füße heute bei nur 2°C, Schneeregen und Wind regelrecht warm. Kaum war ich wieder auf der Straße zurück, wurden die Füße arschkalt! Ich kann mir das nicht erklären, hatte das aber schon öfter. Einen kleinen Zusammenschnitt meiner Laufrunde gibt’s bei YouTube:
    https://youtu.be/ILuDdV5XRtg
    (bisschen Eigenwerbung)

    LG
    Forbi

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    • Hallo Forbi,

      interessante Sache. Kann ich auch nicht erklären. Im Grunde hab ich bis heute noch keinen rechten Auslöser für das zuverlässige Anspringen der Fußheizung gefunden. Dafür stottert der Anlasser zu häufig. Ich weiß nur, dass ich auf festgetretenem, trockenem Schnee, Temperaturen um den Gefrierpunkt und Sonne noch am besten klarkomme. Wahrscheinlich ist da der Wärmeübergang minimal. Ist es kalt, feucht und knapp über dem Gefrierpunkt, wird es unangenehm, vor allem bei Schneematsch. Wind finde ich auch nicht hilfreich. Also eigentlich das Gegenteil von dem, was Du erlebt hast. Sehr merkwürdig. Ich muss dem nochmal genauer nachspüren. Jugend forscht… 😉

      Deine Videos finde ich sehr gelungen! Reizt mich, das auch mal zu versuchen.

      Liebe Grüße,
      Wolfgang

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  2. Hi Wolfgang!

    Wie ist das denn bei den Mares mit der Breite für die Zehen?

    Ich hatte mir die Furoshiki besorgt, die schon Klasse sind aber durch das flexible Gewebe ist werden die Zehen für mein Gefühl doch relativ stark eingeschränkt bzw. zusammengedrückt.

    Herzliche Grüße,
    Anton

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  3. Danke für die guten Informationen. Ich laufe seit drei Jahren barfuß. Überall. Aber ich habe meine Grenzen akzeptiert, wenn es absolut zu kalt ist. Das ist um 0 Grad herum, allerdings ist das sehr unterschiedlich. Bei naßkaltem und sehr windigem Wetter werde meine Füße schnell blaß und gefühlslos. Dann habe ich meine Clogs oder Barfußschuhe mit. Zwar ungern aber nötig. ❤️ Odette

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  4. Hallo Ihr Lieben!

    Wenn ich ohne Schuhe unterwegs bin, dann komplett barfuß, auch bei Kälte und Schnee, ich will dann keine “Flip-Flops” oder Socken tragen, also keine Alternative zu barfußnahem Gehen wählen, ich muss allerdings dazu schreiben, dass ich, wenn ich spüre dass es brenzlig wird, eine Räumlichkeit oder wenn möglich mein Auto aufsuche. Ich höre stets auf die “Signale” meines Körpers, wohl deshalb blieben mir Erfrierungen bis jetzt erspart, zumal ich dann meist ohnehin nur die gewöhnlichen Alltagsbesorgungen mache, also nicht allzu weit und lange so unterwegs bin.
    Sollte ich einen Spaziergang über z.B. einen verschneiten Feldweg oder auch nur bei Kälte ohne Schnee machen, tue ich dies barfuß mit einer Kleidung, die ich meinem eignenen Kälteempfinden anpasse, sodass ein gewisser Wärmeausgleich vorhanden ist und was vor allem ganz wichtig ist: ich breche den Spaziergang ab und drehe um, noch bevor ich merke, dass es nicht mehr geht, denn ich muss ja schließlich dann auch noch die komplette Strecke wieder zurück zum Auto gehen, das muss man ja berücksichtigen und dies abzuschätzen, ist nicht einfach, da muss man schon recht früh spüren und erkennen, dass es genau “jetzt” an der Zeit ist, umzudrehen.
    Lediglich ein Mal hatte ich wohl leichte Erfrierungen und das auch nur, weil ich innerhalb eines Tages, an dem ich morgens und abends einen Spaziergang unternahm, beide Male auf Streusalz getreten bin und das auf einem verschneiten Feldweg, wo eigentlich ein Räumen garnicht erforderlich ist und es war auch nicht geräumt, aber dennoch stand ein Vorratsbehälter mit Salz dort, der vermutlich kurz vorher befüllt wurde und etwas Salz auf den verschneiten Weg geriet. Die Zehenunterseiten der kleinen Zehen (ausgenommen die beiden kleinsten Zehen) waren gerötet und leicht angeschwollen, es bildeten sich schon nach kurzer Zeit rote Punkte in der Wölbung der Fußunterseiten, die im Laufe des Tages zu einer mehr oder weniger roten Fläche zusammenliefen. Ich ging am nächsten Tag zu meinem Hausarzt, der mir dann Asperin 500 verschrieb, es sind kleinere Aspirin, als die Gewöhnlichen, diese sollte ich fünf Tage nehmen (ich glaube morgens und abends Eine), was ich auch tat und dann war zum Glück nach den fünf Tagen wieder alles gut.

    Beste Grüße und ein gutes neues Jahr mit Gesundheit,
    Andi

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    • Hallo Andreas,

      Deine Antwort zeigt, dass Ziele und Grenzen bei jedem Barfußfreund anders liegen. Hier im Allgäu wären meine Spaziergänge und Wanderungen sehr kurz, wenn ich sie bei Missempfinden an den Füßen abbrechen müsste. Da es mir um die Bewegung und das Landschaftserlebnis geht, ist das für mich keine Option. Ich nehme halt meine Mares mit und ziehe sie an, wenn es barfuß nicht mehr geht. So wichtig ist mir das Barfußlaufen dann auch wieder nicht.

      Viele Grüße und alles Gute für das neue Jahr,
      Wolfgang

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