Die 10 Ge(h)bote

Oder: warum das Tragen von Schuhen Gotteslästerung ist?

Ich bin wahrlich kein religiöser Mensch. Im Gegenteil, ich für meinen Teil lehne jede Art von Religion grundsätzlich ab. Gibt doch immer nur Ärger…

Auge

Etwas anders sieht es mit „Gott“ aus. An einen alten Mann mit weißem Bart glaube ich natürlich nicht! Aber ich glaube an übergeordnete Kräfte, die alles Erklärbare und nicht Erklärbare bestimmen. Die Gesetze der Naturwissenschaften nämlich! Die sind so wunderbar und faszinierend und haben im Laufe der Evolution einzigartige Schöpfungen hervorgebracht.

Einfach ausgedrückt: die Natur ist Gott für mich.

Und diese göttliche Natur hat durch viele Millionen Jahre hindurch den Menschen und seinen Bewegungsapparat perfektioniert und zu einem genial ausgeklügelten System gemacht, das extrem anpassungsfähig und belastbar ist und sich zudem permanent selbst erneuern und heilen kann. Wow!

Nur das Gehirn kam offenbar mit der Evolution nicht ganz mit. Und so erfand der Mensch in seiner unendlichen Weisheit zahlreiche Dinge, um die Natur NOCH besser zu machen – zum Beispiel Schuhe. Eigentlich eine tolle Sache, diese Schuhe. Sie schützen vor Verletzungen und extremen Temperaturen. Das ist gut. Nur übertreibt es der Mensch leider und trägt immer und überall Schuhe, auch dann, wenn sie gar keinen Vorteil bringen. Und er gestaltet sie außerdem so, dass sie überhaupt nicht zur ursprünglichen Form des Fußes passen und diesen einengen und sogar verformen. Damit schädigt er nicht nur die Füße, sondern die ganze Körperstruktur!

So, wenn man nun also annimmt, dass „Gott“ gleichbedeutend mit „Natur“ ist und dass der Mensch sich erdreistet, in das evolutionär gereifte Bewegungssystem – also in die Natur – einzugreifen, indem er Schuhe trägt und damit das natürliche – also gottgegebene – Gangbild verändert… dann, ja dann muss man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass das dauerhafte Tragen von Schuhen Gotteslästerung ist!

Puh! Harte Worte! Ist vielleicht etwas überspitzt, aber nicht ganz abwegig.

Die folgenden Zehn Gebote sollen aufzeigen, dass der Mensch im Gegensatz zur göttlichen Natur seine Sache eher schlampig gemacht hat – obwohl er glaubt, es besser zu wissen. Denn fast alles an modernen Schuhen widerspricht der natürlichen Form und Funktion menschlicher Füße. Hauptsache modisch… 🙄

Im Gegensatz zu den überwiegend negativ formulierten biblischen VERboten („Du sollst nicht…“) formuliere ich lieber echte GEbote in positiver Form:

1. Gebot: Du sollst fest (d.h. flach) auf der Erde stehen

Könnte auch heißen: Du sollst dich nicht selbst erhöhen (aber das wäre ja wieder negativ formuliert). Der Fuß ist dazu da, flach auf dem Boden zu stehen. Nur mit der ganzen Fläche des Fußes steht dieser auch stabil und kann das Gewicht gleichmäßig verteilen. Darauf ist der ganze Bewegungsapparat ausgerichtet. Eigentlich!

Wenn man sich aber auf einen Keil (Absatz) stellt, gerät man auf die schiefe Bahn 😉 . Die ganze Körperstatik kommt aus dem Gleichgewicht. Der Vorfuß wird übermäßig belastet, die Achillessehnen verkürzen sich und Gelenke werden anders beansprucht als natürlicherweise vorgesehen. Überlastungen sowie Knie-, Hüft-, Rücken-, Nackenschmerzen können die Folge sein. Ein gelenkschonender Vorfußgang ist in Schuhen mit Absatz kaum mehr möglich. Auch das Gleichgewicht wird gestört, wenn man nicht fest mit dem flachen Fuß auf dem Boden steht.

Keil
Auf einem Keil kann man nicht gerade stehen

2. Gebot: Du sollst die Zehen gerade halten

Die Zehen sind die Verlängerung der Mittelfußknochen und sollten mit diesen in einer Linie stehen. Der Fuß ist damit vorne deutlich breiter als hinten. Das ist wichtig, da Groß- und Kleinzehenballen mit der Ferse ein Dreieck bilden, was für einen stabilen Stand sorgt. Die Großzehe dient dabei als natürliche Pronationsstütze und unterstützt das Längsgewölbe.

Herkömmliche Schuhe berücksichtigen diese Fußform so gut wie nie. Selbst vermeintlich bequeme Sportschuhe laufen vorne spitz zu. Das soll elegant aussehen… naja, höchstens solange die Füße in Schuhen versteckt sind. Denn die Folge sind zusammengedrückte Zehen, die schon im Kindesalter deformieren und später zu Ballenzehen (Hallux valgus) und/oder Hammerzehen führen (sehr elegant…). Fehlt die Stütze der zur Mitte gedrückten Großzehe, knickt der Fuß nach innen ein (Knickfuß). Durch Einengung der Zehen wird außerdem auch der Vorfußgang verhindert, da ein Auffächern der Zehen unmöglich ist. Der Mensch verfällt selbst bei höherem Tempo in den Fersengang, was die Gelenke stark belastet.

Passform
Passform – wie soll das da reinpassen?

3. Gebot: Du sollst den Boden unter den Füßen spüren

Die Haut unter den Füßen ist dichter mit Nerven durchsetzt als die meisten anderen Körperstellen. Das hat einen Grund! Der unmittelbare Kontakt gibt Rückmeldungen über die Beschaffenheit und Temperatur des Untergrundes. Das unterstützt zum Beispiel die Sensomotorik, denn ein direktes Feedback erleichtert es, die Balance zu halten. Hautkontakt fördert aber auch die Synapsenbildung im Gehirn. Durch permanente Stimulation der Fußnerven wird die Hirntätigkeit angeregt. Man fühlt sich “geerdet” und es werden Endorphine (Glückshormone) ausgeschüttet. Außerdem wird die Sohlenhaut deutlich dicker und robuster, wenn sie mechanisch beansprucht wird. Alle Hautschichten verstärken sich und bilden so ein starkes Polster, das auch längeren starken Belastungen standhält, ohne Blasen zu bekommen.

Bei Isolation der Haut durch eine Schuhsohle entfällt das Training der Sensorik. Alles fühlt sich gleich an, die Reizarmut führt zur Abstumpfung, Veränderungen des Untergrundes werden langsamer oder gar nicht wahrgenommen. Durch diese “sensorische Blindheit” kann auch das Stolperrisiko zunehmen, gerade im Alter. Ohne Bodenkontakt wird die Haut nicht gefordert, sie bleibt dünn und empfindlich (auch in sog. „Barfußschuhen“).

Untergrund
Jeder Untergrund verdient es, intensiv gespürt zu werden

4. Gebot: Du sollst die Füße atmen lassen

Frische Luft tut den Füßen gut. Die Haut bleibt trocken und schwitzt nicht. Und wenn doch, dann trocknet der Schweiß schnell und stinkt nicht. Gut belüftete Haut ist auch weniger anfällig für Pilze und andere Keime. Sonnenstrahlung auf der Haut sorgt außerdem für die Ausschüttung von Endorphinen wie z.B. Serotonin. Das steigert das allgemeine Wohlbefinden und stärkt ebenfalls das Immunsystem.

In Schuhen hingegen bekommt man schnell Schweißfüße. Über einen längeren Zeitraum wird die Haut feucht und käsig. Erst recht, wenn Schuhe und Socken nicht auslüften können und mehrere Tage hintereinander zum Einsatz kommen, ohne gewechselt zu werden. Die Haut baut keinen guten Eigenschutz auf, wenn sie selten ans Tageslicht kommt. Das begünstigt einen Pilzbefall von Haut und Nägeln, denn Pilze mögen es feucht, warm und dunkel.

Pilzbefall
Vorsicht vor Pilzbefall

5. Gebot: Du sollst Deine Fußmuskulatur benutzen

Wenn man barfuß geht, werden Muskeln, Bänder und Sehnen gestärkt, denn sie werden dabei stärker beansprucht als beim Gehen in Schuhen. Das betrifft nicht nur die Fußmuskulatur, sondern auch die Waden und Oberschenkel. Eine kräftige Wadenmuskulatur hält unter anderem die Fußgewölbe von oben in Form (weswegen auch eine Hebung platter Füße von unten mit Einlagen unsinnig ist). Ein kräftiger Abstoß mit den Zehen stärkt die Zehenmuskulatur, die u.a. beim federnden Vorfußgang eine wichtige Rolle spielt.

Schuhe nehmen den Füßen die Arbeit ab. Durch „ergonomische“ Formung und vor allem starke Polsterung von Außen- und Innensohlen muss der Fuß weniger arbeiten – die Muskulatur verkümmert. Als Folge fallen Quer- und Längsgewölbe ein, der Fuß knickt nach innen (Knick-/Senkfuß). Mit Pronationsstützen oder Einlagen wird der Muskulatur noch mehr Arbeit abgenommen und der Effekt verschlimmert sich. Auch dadurch, dass man in Schuhen weitgehend in den Fersengang verfällt, wird der Vorfuß bzw. die Zehen weniger belastet, wichtige Muskelgruppen bilden sich zurück.

Muskeln
Starke Muskeln durch Barfußgehen

6. Gebot: Du sollst die Wärmeregulierung der Füße anregen

Dass man vom Barfußgehen auf kaltem Boden eine Erkältung oder Blasenentzündung bekommen kann, ist ein unsinniges Ammenmärchen. Im Gegenteil wird das Immunsystem durch den Kältereiz trainiert und gestärkt (das ist der Kernpunkt von Sebastian Kneipps Lehre). Die Temperatur des Untergrundes ist fast immer niedriger als die Körpertemperatur. Zum Ausgleich sorgt der Körper für Energienachschub in Form von besserer Durchblutung der Füße. Als Folge wird der Körper sogar weniger anfällig für Infektionen. Ein weiterer positiver Effekt: man bekommt seltener kalte Füße. Also kalt werden die Füße natürlich schon, aber man friert dabei nicht, das ist der Unterschied! Es ist nicht mehr unangenehm. Selbst im Winter können niedrige Temperaturen problemlos gemeistert werden, wenn die Durchblutung der Füße funktioniert.*

In Schuhen herrscht fast immer dieselbe Temperatur und die ist in der Regel gleich der Körpertemperatur oder sogar höher, auf jeden Fall immer wärmer als die Bodentemperatur. Die körpereigene Wärmeregulierung der Füße wird abgeschaltet, denn sie wird nicht mehr benötigt (Prinzip: „use it or lose it“). Sind aber die Schuhe erstmal kalt, schaffen es die Füße nicht, sich selbst und die Schuhe aufzuwärmen. Dann friert man, was zu Unwohlsein führen kann und im schlimmsten Fall tatsächlich das Immunsystem schwächt.

Durchblutung
Nie mehr kalte Füße – Kältereiz fördert die Durchblutung

*Anm.: bei Minusgraden sind Schuhe allerdings sinnvoll, denn dann ist die Gefahr von Erfrierung hoch, weil der Körper Schädigungen des Gewebes unter Umständen nicht mehr zuverlässig als Schmerz meldet (Wärmegefühl trotz Erfrierung).

7. Gebot: Du sollst der Schwerkraft trotzen

Der menschliche Körper ist dem Schwerfeld der Erde ausgesetzt und muss diesem beim Stehen und Gehen entgegenwirken. Das funktioniert umso besser, je fester der Untergrund ist. Auf einem harten Boden erreicht man mehr Gegenkraft als auf einem weichen. Beispiel: Wasser, Schlamm, Sand, Beton – worauf steht man wohl am stabilsten, ohne zu wackeln oder gar einzusinken? Daher ist ein definierter, harter Abstoß notwendig, um einen Widerstand gegen die Schwerkraft zu richten. Das geht barfuß am besten!

Je dicker und weicher eine Sohle ist (z.B. Schaumstoff), desto instabiler wird der Stand und der Gang. Durch eine weiche Sohle wird mehr Energie absorbiert (=verschwendet) und steht beim Abstoß nicht mehr zur Verfügung. Überlastungen können die Folge sein. Tatsächlich werden die Gelenke und Sehnen umso mehr belastet, je weicher ein Schuh gepolstert ist. Das klingt paradox, wurde aber bereits in den 1980er Jahren in wissenschaftlichen Studien belegt. In stark gepolsterten Schuhen bekommt das Gehirn außerdem von den Füßen eine andere Rückmeldung über den Untergrund als das Auge es meldet. Das kann zu latentem Stress führen.

Stabil
Stabiler Stand auf hartem Boden / auf weichem

8. Gebot: Du sollst gehen wie ein Mensch

Die Natur sieht vor, dass Menschen locker in einer fließenden Bewegung gehen und nicht steif und unbeweglich. Dabei gelten drei einfache Regeln:

  1. Ein Gelenk bewegt sich nie alleine, sondern immer gemeinsam mit anderen Gelenken.
  2. Reihenfolge: erst große Gelenke, dann kleine, z.B. erst Hüfte, dann Oberschenkel, dann Unterschenkel, die Füße folgen dann fast von selbst (nur so kann Ballengang funktionieren!)
  3. Gelenke sind niemals ganz durchgestreckt, sondern haben immer etwas Vorspannung.

Wenn man das beachtet, läuft man mit dem Körper, statt gegen ihn, d.h. man nutzt Bewegungsenergie, statt Kraft zu vergeuden. Leicht angewinkelte Gelenke ebenso wie die Fußgewölbe speichern die Energie beim Aufprall. Diese Energie wird beim Abstoß wieder abgegeben und erleichtert den Bewegungsablauf, ohne dass jeder Schritt zum Kraftakt wird. Das funktioniert barfuß am besten.

Schuhe verändern die Gangart. Durch zusammengedrückte Zehen im Vorderbereich sowie die erhöhte Ferse am Absatz kann der Fuß nicht so aufsetzen wie es beim Barfußgehen der Fall ist. Das verminderte Empfinden für die Beschaffenheit des Untergrundes trägt zusätzlich zur Vernachlässigung des Ganges bei. Man latscht einfach nur so vor sich hin, womöglich mit durchgedrückten Knien. Die Bewegungsreihenfolge kommt durcheinander, Versteifungen im ganzen Körper verbrauchen unnötig Kraft und führen zu starker Belastung der Gelenke.

Mensch
Gehen wie ein Mensch – immer locker bleiben

9. Gebot: Du sollst achtsam sein

Wer barfuß geht, achtet stärker auf den Weg. Zunächst sehr bewusst, später eher unbewusst. Scherben, Hundehaufen oder Stolperfallen werden intuitiv erkannt und umgangen. Zudem entschleunigt das Barfußgehen, da man bewusster und vielleicht auch etwas langsamer geht. Auch die Natur wird geschont, wenn man besser darauf achtet, wohin man tritt, z.B. kleine Pflanzen oder Tiere am Boden.

Mit Schuhen trampelt man gefühllos durch die Gegend und beachtet den Weg kaum. Das kann tatsächlich auch die Verletzungsgefahr erhöhen, z.B. durch Stolpern oder Anstoßen. Liegt der Fokus nicht auf dem Weg, wird mit groben Sohlen auf natürlichem Untergrund mehr zerstört als auf blanken Sohlen.

Achtsamkeit
Achtsamkeit schont die Natur

10. Gebot: Du sollst sparsam sein

Schuhe kosten Geld! Viele Schuhe kosten viel Geld, wenige Schuhe kosten wenig Geld, keine Schuhe kosten kein Geld. Außerdem spart man beim Barfußlaufen eventuell auch weitere Kosten ein. Zum Beispiel für die Behandlung von Langzeitfolgen wie Fußdeformationen, Knie-, Hüft-, Rückenprobleme, Haut- und Nagelpilze usw.

Schuhregal
Sparsames Schuhregal (Sommerversion)

Quellen (Auszug):

Bücher:
Blog-Artikel und Videos:
Sonstiges:
  • Noch viel, viel mehr Artikel, Blogs und Videos im Internet – zu viele, um sie alle hier aufzulisten
  • Und zu guter Letzt: die eigene Erfahrung als langjähriger Barfußfreak 😉
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7 Gedanken zu „Die 10 Ge(h)bote“

  1. Hallo Forbi!

    Ein ganz, ganz toller Beitrag, wie ich finde und viele Punkte, die Du beschreibst, finde ich bei mir wieder, kann sie also nur bestätigen, z.B. seltener als früher kalte Füße zu haben, viel, viel weniger bis garnicht mehr krank zu werden, dass die Wadenmuskulatur gestärkt wird und noch einige Punkte mehr. Als ich in dem wohl größten deutschen Barfußforum las, das Barfußgehen würde die Wadenmuskulatur stärken dachte ich, dass es sicher einfach mal so geschrieben würde, weil man unbedingt etwas positives schreiben will, aber es stimmt: ich hatte vorher nicht viel Wadenmuskulatur und nach einigen Jahren des Barfußgehens konnte ich sehen, dass eine gute Wadenmuskulatur entstanden ist, dann die Sache mit dem Wärmeausgleich: stimmt HAAR GENAU!

    Es ist schon beeindruckend, welches Wissen Du bezüglich der menschlichen Anatomie und des Bewegungsapparates hast, ob nun Belesenes, was sich mit eigenen Erfahrungen und Beobachtungen paart oder ob Du das Wissen aus einer richtigen Lehre bezogen hast, Du warst sicher nicht nur ein Rockmusiker, sondern auch mindestens ein Orthopäde! 😀
    Was die Gläubigkeit betrifft, stimme ich Dir ebenfalls zu: es gibt doch immer bloß Ärger ….., denn wäre die Gläubigkeit nicht, gäbe es vor allem auch keine Glaubenskriege oder diesbezügliche Unruhen, ich denke da nur an die islamischen/arabischen Länder (“heiliger” Krieg) und an Nordirland, wobei diese Unruhen und Kriege im Grunde nicht dem Glauben selbst, sondern der mangelnden Toleranz und Akzeptanz der Menschen, zu den unterschiedlichen Glaubensrichtungen gerschuldet sind, aber Du hast unter´m Strich völlig Recht.

    Mein Großvater mütterlicherseits sagte immer, dass er nur glaube, was er sähe oder selbst erlebt habe, er sagte öfter zu mir, er glaube nicht an Gott, Gott sei für ihn die Natur selbst, exakt so, wie Du es schriebst. Da hat jeder seine Denkweise und der Glaube an Gott ist wohl entstanden, weil die Menschen etwas brauchen, an das sie sich klammern können, wenn sie in einer Situation sind, in der sie Halt brauchen, diesen Halt fand mein besagter Großvater, als er im Krieg und in Russland war in seiner an Diphterie verstorbenen Tochter Margot, er stellte sich immer vor, dass sie ihn beschützt und DAS hat IHM durch diese sehr, sehr schwere Zeit geholfen.
    Es ging also auch ohne den Glauben an einen Gott, aber einen Halt schafft sich wohl jeder Mensch und den muss man haben, sonst geht man zugrunde, vor allem in einer Situation, wie sie Menschen wie mein Opa durchgemacht haben, ich möchte diese Zeit nicht durchleben, man wurde um seine Jungendjahre betrogen, es wurde einem jeglicher Spaß und das Ausleben einer Freiheit genommen, dazu kamen noch schlimmste Erlebnisse und Bilder!
    Nein, dann lieber ab und zu mal etwas stressige Arbeitstage und auch mal Ärger dort, als so etwas, aber ich will mich jetzt wieder dem Thema “Barfußgehen” zuwenden.

    Als Du schriebst, dass sich Fehlstellungen der Füße auf den gesamten Bewegungsapparat, also das Skelett negativ übertragen können, letztlich auch auf viele Organe und das Wohlbefinden oder so ähnlich, was zweifellos stimmt, musste ich trotzdem etwas schmunzeln, denn ich dachte dabei an Frauen, die oft hochhackige und enge Schuhe tragen und dann kam mir der Gedanke, dass diese Frauen darum wohl auch ihre gelegentliche und besagte Migräne haben. 😀 Nein, Quatsch. 😀

    Was das bewusstere, genaue Schauen beim Barfußgehen betrifft, das mit der Zeit zur “Routine” wird, kann ich Dir auch nur beipflichten, das bringen wohl die wachsende Sicherheit und die Erfahrung mit sich, wobei ich schon immer vor mich auf den Bereich, den ich begehe, geschaut habe.
    So war ich schon als Kind immer wieder verwundert, wenn ich mit meinen Eltern in Saarbrücken war und in der Fußgängerzone recht oft Hundekot sah, in den jemand hinein getreten war und kurz dahinter eine Schmierspur, die vom Abreiben des Kotes am Schuh kam, das hätte mir nicht passieren können, denn ich schaute schon immer, wo ich hin gehe, zumal man es auf geteerten oder gepflasterten Flächen ja bestens sieht, im Gegensatz zu Wiesen in Parks z.B.
    Ich habe mir in den letzten 1,5 Jahren etwa, zwei Mal einen richtig fiesen, tiefen Schnitt zugefügt, weil ich durch Gras gegangen bin, das etwas höher war und ich das dort liegende Flaschenglas nicht sah, das passiert mir auch nicht mehr.

    Dann trete ich aber lieber zig Mal in Hundekot – wenngleich das unangenehm und eklig ist – als in Glas, das schwer verletzen kann und zudem noch hässliche Narben verursacht, was ich ganz und gar nicht will, denn ich achte auch sehr auf die Optik meiner Füße, mag aber Narben prinzipiell nicht.
    So, nun habe ich genug geschrieben, jetzt wird zuhause noch etwas geschafft. 🙂

    Liebe Grüße,
    Andi

    Antworten
    • Hallo Andi,
      bitte nicht übertreiben mit dem Lob (und der Länge von Kommentaren 😉 ).
      Ich habe nur zusammengefasst, was alle, die sich länger mit dem Barfußgehen eh schon immer wussten. Mehr nicht.

      Mich als “Orthopäde” zu bezeichnen – ich weiß nicht, ob ich mich geschmeichelt oder beleidigt fühlen soll? 😉

      Aber es freut mich, dass die Resonanz hier so positiv ist!

      So gehet hin und verkündet die frohe Botschaft, auf dass das Barfußgehen dem Herrn ein Wohlgefallen ist. Hallelujah! 🙂

      Frohes Fest!
      Forbi

      Antworten
      • Hi Forbi!

        Nein, eine Beleidigung ist das sicher nicht. 🙂
        Ja, wenn ich auf einen Beitrag antworte, kann der Text länger werden, dann fällt mir immer noch etwas ein, was ich dazu schreiben will, dass passiert zum Teil auch oft erst während des Schreibens.
        Nunja, einiges was Du schriebst, mögen die meisten Barfüßer wissen, aber Du hast schon Details beschrieben, die ich so nicht hätte wiedergeben können. Viel mehr Menschen (Nichtbarfüßer) sollten auf Beiträge wie den Deinen stoßen.

        Liebe Grüße, schöne Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr,
        Andi

        Antworten
  2. Schön geschrieben und aufgenommen!
    Dem kann ich nur eines hinzufügen: Kenne dich selbst! Γνῶθι σεαυτόν wie der Grieche sagt.
    Wisse, was dir guttut. Lerne die empfindungen des tast- und temperatursinns an den füßen richtig einzuordnen.
    Stoße bis zu deinen grenzen vor, aber respektiere sie und riskiere keine verletzungen, erfrierungen, verbrennungen.
    Liebe dich selbst und tu dir gutes (seien es pflegemaßnahmen, gymnastik oder massagen, füße sind ein teil von dir und können einen großen teil deines erfahrungsschatzes ausmachen).

    Antworten
  3. Hallo Wolfgang,
    vielen Dank! Ja hast schon Recht, ich mag den Begriff eigentlich auch nicht. Ist genauso eine überflüssige Wortschöpfung für etwas ganz Natürliches wie “Natural Running” 😉 .
    Im Buch von Richard Soyka von 1931 kommt das Wort noch nicht vor (dafür viele andere Ausdrucksweise, die sehr aus der Mode gekommen sind). Und leider interpretieren es viele falsch und meinen, sie müssten auf Zehenspitzen gehen.
    Aber auch wenn es das Selbstverständlichste auf der Welt ist, müssen es tatsächlich die meisten Menschen erst wieder lernen. Das Schwierigste daran ist, die guten Anleitungen von den vielen Blödsinnigen unterscheiden zu können 😉 .

    Barfüßige Weihnachtszeit allerseits!
    Forbi

    Antworten
  4. Lieber Wolfgang
    Wenn manche Menschen jahrzehntelang Schuhe getragen haben, ist es durchaus möglich, dass sie etwas so selbstverständliches wie den natürlichen Gang verlernt haben. Gottseidank gibt es andere Menschen, die ihnen helfen, den natürlichen Gang wiederzufinden. Das ist dann umso wichtiger, wenn diese Menschen auch noch unter Vorbelastungen leiden und erneute Fehlhaltungen unbedingt zu vermeiden sind. Daher ist pauschales Verurteilen von Ballengangcoaches ebenso abzulehnen wie „Barfuss-Militantismus“. Es ist, wie Forbi ja sehr schön aufzeigt, alles eine Frage des Masses.

    Antworten
  5. Hallo Forbi,

    absolut gelungener Beitrag!!!

    Beim 8. Gebot würde ich allerdings meinen, daß da kein wirklicher Gott dahintersteht sondern (wie in den Religionen üblich) der Mensch den Begriff Ballengang konstruiert hat, um andere damit zu gängeln, ihnen einzureden sie müssten das selbstverständlichste auf der Welt erst lernen.

    Amen!

    🙂

    Antworten

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