Minimalschuhtest Leguano® Barfußschuh

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Testautor: Eva Maria Lockstädt

  1. Hersteller: Leguano® GmbH
  2. Modell: Leguano Primera
  3. Kaufdatum: November 2016
  4. Preis: 79,- €
  5. Weblink: Leguano
  6. Schuhtyp: Socke mit Noppensohle
  7. Material: 48% Polyamid, 32% Lyocell (Viscose), 10% Baumwolle, 8% Polypropylen und 2% Elasthan, Sohle aus LIFOLIT®
  8. Gewicht: Paar 303 g
  9. Aussehen

Die Leguano® sehen aus wie Socken mit einer Noppensohle. Es fällt sofort auf, dass man keine „Schuhe“ an hat, sondern offensichtlich auf Strümpfen läuft. Es gibt sie in verschiedenen Farben und wahlweise mit Logo oder ohne.

Leguano von der Seite

  1. Verarbeitung

Die Sohle ist fehlerfrei gegossen, das Logo in der Sohle gut zu erkennen. Die Verbindung zwischen Socke und Sohle ist gut verarbeitet, an einigen Stellen verläuft das Sohlenmaterial etwas unsauber in das Sockengewebe, beeinträchtigt aber nicht die Funktion. Der Bund ist doppelt gelegt und stabil.

  1. Stimmigkeit der Größenangabe (fällt er größer oder kleiner aus als angegeben?)

Der Leguano® fällt normal aus.

  1. Packmaß (rollbar?)

Die Leguano® sind aufgrund des Materials leicht zusammenrollbar mit den Maßen: 9 cm Höhe und 7 cm Durchmesser

Packmaß der Leguano

  1. Anziehbarkeit (trockene und nasse Füße; stehend oder nur im Sitzen)

Mit trockenen Füßen lassen sich die Leguano®, auch wenn man auf einem Bein steht, sehr gut anziehen. Man braucht jedoch beide Hände dazu. Durch die stabile Sohle ist das Anziehen sogar einfacher als ein Strumpf. Sind die Füße nass, z.B. wenn man durch eine regennasse Wiese gelaufen ist oder im Winter durch Schnee, lassen sie sich nur schwer und außerdem nur im Sitzen anziehen.

Anziehen der Leguano Barfußschuhe

  1. Barfußgefühl (Passform, Sohlenstärke, Fersensprengung etc)

Das Material schmiegt sich an den Fuß, es ist absolut bequem. Keine Nähte oder Unebenheiten sind zu spüren. Der Übergang von Sohle zu Strumpf ist ohne Widerstand. Die Sohle ist ca. 4 mm stark, zzgl. ca. 3 mm für die Noppen, die bei Druck nachgeben. Die Sohle ist in allen Richtungen flexibel.

Das Barfußgefühl wird, wenn auch nur wenig, beeinträchtigt. Bodenunebenheiten kann man spüren, auch das Umschließen mit dem Fuß von größeren Ästen oder Steinen ist zwar möglich, aber erschwert. Man spürt Schotter, Split, Bucheckern, Kastanien etc., aber sie alle tun nicht mehr weh. Untergründe kann man spüren, sind aber bei geschlossenen Augen nur schwer zu identifizieren, besonders wenn es sich um ähnlich weiche oder harte Böden handelt.

Fersensprengung gibt es keine.

Sohle der Leguano

  1. Sitz des Fußes im Schuh (fest, oder rutscht er?)

Bei mir sitzt der Leguano® wie eine zweite Haut am Fuß. Ich rutsche weder bergauf noch bergab darin, weder im trockenen noch im nassen Zustand.

  1. Rutschfestigkeit der Sohle (vor allem auf Schlamm und Schnee, auch in steilem Gelände, längs und quer)

Die Leguano® sind hervorragend für die steilen Abstiege bei uns im hochalpinen Bergland geeignet und bieten aufgrund der Sohlenstruktur sehr guten Halt auf Schnee, Matsch, Holz, Steinen, nassem Gras. Auf glattem Eis kapitulieren sie leider, genauso wie auf langem trockenen Gras, das übereinander liegt.

Mit Leguano in den Bergen

  1. Durchstichfestigkeit der Sohle

Stichfest bei Glas, Dornen, scharfkantigem Gestein. Bei hochstehenden Nägeln sicher nicht.

  1. Fußschweißbildung

Aufgrund der Materialverarbeitung gute Belüftung, lediglich an der Fußsohle kann es beim Tragen im Sommer zu Fußschweißbildung kommen. Beim Fahrradfahren entsteht kein Fußschweiß, auch nicht im Sommer bei hohen Temperaturen.

  1. Thermoisolation im Winter (tauglich bis zu welcher Temperatur?)

Die Leguano® sind bis -15 Grad wintertauglich, sofern man nicht im Schnee versinkt und außerdem ständig in Bewegung bleibt. Ansonsten liegt die Komforttemperatur bei max. -5 Grad

Leguano im Winter

  1. Wasserdichtigkeit

Die Leguano® sind nicht wasserdicht.

  1. Schmutzabweisende Eigenschaften

Das sockenähnliche Material nimmt den Schmutz auf.

Leguano sind nicht schmutzabweisend

  1. Leichtigkeit der Reinigung

Die Leguano® lassen sich bei 40° in der Maschine waschen, benötigen jedoch eine Über-Nacht-Trockenzeit auf dem Heizkörper. Sie behalten ihre Form und werden wieder wie neu. Matsch und Dreck bleibt geringfügig in der Sohle hängen, lässt sich aber nach dem Antrocknen einfach aus der flexiblen Sohle ausschlagen.

Mein Tipp: Keine Leguano® mit farblich abgesetzten hellen Bündchen kaufen – die sind im Nu verschmutzt!

  1. Defekte (unabhängig vom Verschleiß)

Keine

  1. Verschleiß (welche Teile, in welcher Zeit?)
  • Man sollte die Leguano® achtsam anziehen, wie einen Strumpf auch. Reißt man zu sehr, werden die eigentlich festen Maschen mit der Zeit an den entsprechenden Stellen spröde.
  • Scharfkantiges Gestein (z.B. beim Klettern in den Bergen) reibt am Sockenmaterial, das Material wird mit der Zeit immer dünner, was zu Löchern führt. Je nach Beanspruchung ab 3 Monaten.
  • Die Sohle zeigt durch die Beanspruchung beim Bergwandern ab etwa dem 6. Monat feine Risse (die aber nicht durchgängig sind), außerdem löst sich ab dieser Zeit der eine oder andere Noppen von der Sohle ab.
  • Auf dem aufgestickten Logo entsteht bereits nach kurzer Zeit Pilling.

Das Material wird spröde

Pilling auf dem Leguano

  1. Fazit

Ich trage jetzt bereits meine 2. Leguano®. Die ersten haben mich 1,5 Jahre begleitet, dann lugten die kleinen Zehen durch die Socken, was ich auf das häufige Tragen auf unseren steinigen Bergtouren zurückführe. Sie bieten mir besten Grip auf schwierigem Untergrund ohne mich einzuengen oder mir das Gefühl zu geben, Schuhe zu tragen.

Die Ergebnisse im Überblick

Möglicher Einsatzbereich
TheaterBüroFreizeitWandern leichtes GeländeWandern schweres Gelände

– –

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++

++

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Ergebnisse in den einzelnen Kategorien
Material

++

Verarbeitung

+

Stimmigkeit der Größenangabe größer (>) oder kleiner (<) als angegeben, oder stimmt die Größe (<>)?

<>

Packmaß (rollbar?)

++

Anziehbarkeit (trockene und nasse Füße; stehend oder nur im Sitzen)

O

Barfußgefühl (Passform, Sohlenstärke, Fersensprengung etc)

O

Sitz des Fußes im Schuh (fest, oder rutscht er?)

++

Rutschfestigkeit der Sohle (vor allem auf Schlamm und Schnee, auch in steilem Gelände, längs und quer)

++

Durchstichfestigkeit der Sohle

+

Fußschweißbildung

O

Thermoisolation im Winter unter 0°C

++

Wasserdichtigkeit

– –

Schmutzabweisende Eigenschaften

– –

Leichtigkeit der Reinigung

+

Defekte (unabhängig vom Verschleiß)

++

Verschleiß

++ =sehr gut, + gut, O = befriedigend, – = ausreichend, – – = mangelhaft

 

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Aktualisiert von Eva Maria Lockstaedt am 23. März 2018

6 Gedanken zu „Minimalschuhtest Leguano® Barfußschuh

  • 27. April 2017 um 08:25
    Permalink

    Sehr guter Testbericht, danke! Ich möchte anmerken, dass ich den Leguano in den Bergen anfänglich gern getragen habe. Solange man damit auf bezeichneten Wegen ausserhalb von Kastanienwäldern bleibt, ist er angenehm. Für wegloses Gelände eignet er sich in meinen Augen jedoch nicht, in steilen Hangtraversen und steilen Abstiegen finde ich darin zu wenig Halt und ich kann im Steilgelände die Zehen nicht genügend einsetzen, was aber wichtig wäre, um nicht abzurutschen. Auch schützt mir die Fussoberseite den Fussrücken zu wenig vor Geröll, ausserdem läuft man die Gefahr, das Obrematerial zu beschädigen.
    Ich trage den Leguano mit seiner für einen Minimalschuh dicken und weichen Sohle sehr gern bei Verletzungen. Die weiche Sohle nimmt den Druck von einer verletzten Stelle und sie kann besser abheilen.
    Mir persönlich gefällt er auch gut – ich habe ein unifarbenes schwarzes Paar, das sogar zur schwarzen Konzertkleidung passt und dazu sehr elegant aussieht.
    Liebe Grüsse
    Dorothea Burkhard

    Antwort
    • 27. April 2017 um 08:41
      Permalink

      Hallo Dorothea,
      Du hast Recht, jeder stellt andere Erwartungen an einen Minimalschuh und sucht für sich selbst den passenden Schutz für die Füße, wenn es notwendig ist. Ich bin begeistert über die Sicherheit, die mir die Leguano in den Bergen vermitteln, bei brenzligen Abstiegen genauso wie auf unwegsamen Quer-berg-ein-touren. Rutschfest auf Untergründen, Grip am Fels und fest am Fuß. Ich finde es sehr interessant, dass Du zu anderen Ergebnissen kommst und möchte Dich einladen, Deinen persönlichen Testbericht über die Leguanos zu schreiben.
      Herzliche Grüße
      Eva

      Antwort
  • 27. April 2017 um 10:58
    Permalink

    Ich werde keinen eigenen Leguano-Bericht schreiben, denn Deiner ist wirklich gut – da braucht es nun wirklich keinen weiteren mehr.
    Ich möchte lediglich die sehr wenigen (!) „Hardcore“-Barfuss-Berggeher darauf hinweisen, dass ich mit meinen teils sehr wilden Touren nicht auf Leguanos vertrauen würde. Wie bereits erwähnt, wer sich auf markierten Wegen (die können auch steil sein) und meinetwegen abseits von Wegen in moderatem Gelände bewegt, wird mit dem Leguano zufrieden sein. Wenn ich Eure Tourenberichte lese und mit meinen moderaten Touren vergleiche, ja, dazu kann man den Leguano durchaus verwenden! . Wer aber in steilen Kastanienwäldern unterwegs ist und Weglos-Touren in Steilgelände in Schwarzerlen, verblocktem Untergrund mit unsichtbaren Löchern und langen steilen Traversen unternimmt, wo es auf Halt auch an Fusskanten ankommt, sollte lieber ein anderes Modell wählen, schon nur um den Leguano nicht gleich kaputt zu machen.
    Vielleicht sind unsere Querbergein-Touren im Tessin einfach noch ein Zacken extremer, wie alles im Tessin extremer ist – alles ist noch steiler, noch wilder, noch länger und noch unwegsamer. Ist echt so. Wenn ich anderswo in die Berge gehe, scheint mir alles nicht so wild und nicht so steil. Wir gehen Touren im Schwierigkeitsgrad T4-T6, und da wird es mir im Tessin mit Leguanos abseits von Wegen einfach zu gefährlich. Das ist teils so steil, da brauche ich Halt an den Fusskanten, die ich vom Leguano nicht bekomme.
    Da ich sowohl Leguanos als auch Paleos habe, bin ich hier vielleicht auch einfach verwöhnt. Ich weiss nur, beispielsweise Drückjagden würde ich nie mit Leguanos bestreiten, viel zu gefährlich! Aber wer ausser mir tut sonst sowas;-))
    Dass mir die Leguanos nicht so gut sitzen, liegt daran, dass ich eine Zwischengrösse in Kombination mit schmalen Füssen habe.
    Also, betrachte meine Anmerkungen bitte nur als Ergänzung zu Deinem sehr guten Bericht, sie richten sich an einige wenige „SpinnerInnen“.
    Liebe Grüsse
    Dorothea

    Antwort
    • 27. April 2017 um 12:56
      Permalink

      Prima, dass Du Dich so detailliert zu Deinen Erfahrungen geäußert hast. Damit gibst Du Interessierten sicher eine gute Entscheidungsgrundlage. Ich denke auch, das gerade in diesen schwierigen Geländen, in denen Du unterwegs bist, insbesondere das Obermaterial der Leguano schnell an seine Grenzen kommt (und die Stabilität im Ganzen natürlich). Wenn ich sie nicht in den Bergen einsetzen würde, hätte ich sicher einige Jahre mehr Freude an einem Paar, als es jetzt der Fall ist.
      Liebe Grüße in die Schweiz
      Eva

      Antwort
      • 27. April 2017 um 14:18
        Permalink

        Genau das ist es. Ich freue mich, dass Du mich verstanden hast! Und das wollen wir doch alle: eine gute Entscheidungsgrundlage bieten, von BarfüsslerInnen zu BarfüsslerInnen.
        Mit der Hoffnung auf eine gemeinsame Tour möglichst ohne irgendwas an den Füssen und lieben Grüssen
        Dorothea

        Antwort
  • 27. April 2017 um 13:00
    Permalink

    Für mich haben sich die Leguanos schon im Laden als unbrauchbar erwiesen. Ich schaffe es nämlich ohne Probleme, sie auszuziehen, indem ich den Fuß über den Boden nach hinten streife. Bei steilen Anstiegen wäre das fatal. Bei Eva ist es anders. Offenbar unterscheiden sich unsere Füße doch sehr stark. Folglich muss jeder selbst im Laden gründlich ausprobieren, wie fest die Leguanos am Fuß sitzen. Ich fühle mich jedenfalls vor allem in meinen Mares erheblich sicherer, allerdings kommt deren Grip auf rutschigen Untergründen nicht an die Leguanos mit ihren sehr effektiv wirkenden Noppen heran.
    Liebe Grüße,
    Wolfgang

    Antwort

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