Minimalschuhtest PaleoBarefoots® Ringgewebeschuhe

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Testautor: Dorothea Burkhard

  1. Hersteller: Gost-barefoots Ltd.
  2. Modell: Paleos® Classic Caymaro Paws mit „Tatzen“ für harte, steinige Untergründe
  3. Kaufdatum: Juni 2016
  4. Preis: 269
  5. Weblink: portal.gost-barefoots.com/de/Die-Paleos Sehr interessante Seite mit vielen Infos, auch z.B. zum therapeutischen Einsatz der Paleos®.
  6. Schuhtyp: Füssling, Socke mit Gummi“tatzen“
  7. Material: Ringgewebe aus Edelstahlringen (Chirurgenstahl, nickelfrei, antiallergen)
  8. Gewicht: Paar 460 g, Grösse 40
  9. Aussehen

Die PaleoBarefoots® – in der Folge Paleos® genannt könnte man als eine Art Socke aus kleinen Edelstahlringen – Ringgewebe – beschreiben. Geschlossen werden sie mittels Gummizug hinten am Schuh: mittels Tanka kann die Gummischnur hinten an der Achillessehne fixiert werden. Auf der Unterseite sind sogenannte „Tatzen“ zum Schutz des Ringgewebes vor scharfkantigem Schotter, Fels, Korallen usw. angebracht.

Bild 1a: Ansicht beim Gehen
Bild 1a: Ansicht beim Gehen
Bild 1b: Ansicht beim Gehen
Bild 2: Ausgelegte leere Paleos®, einer von oben, einer von unten
  1. Verarbeitung

Die Paleos® sind sehr schön gemacht und sorgfältig bearbeitet, mit Liebe zum Detail, wie z.B. die kleine Plakette, die seitlich angebracht ist und auf der Modell und Fertigungsnummer draufstehen.

Bild 3
  1. Stimmigkeit der Grössenangabe

Die Paleos® fallen normal aus. Allerdings werden die mindestens teilweise auf Mass hergestellt, denn ich wurde bei der Bestellung aufgefordert, eine Zeichnung mit den Umrissen meiner Füsse mitzuschicken.

Wobei man einen Paleo® sehr variabel einsetzen kann. Zieht man die Gummischnur eng, sitzen sie satt am Fuss

Bild 4: Einer satt, einer lose am Fuss

Im Winter kann jedoch bei loserem Gummi auch problemlos eine Neoprensocke darin getragen werden, da das Ringgewebe nachgiebig ist! 

Bild 5: Rechter Fuss mit 3.5 mm Neoprensocke, linker Fuss mit Sealskinz-Socke
  1. Packmaß (rollbar?)
Bild 6: Ein Paar Paleos® in einer Hand
  1. Anziehbarkeit (trockene und nasse Füße; stehend oder nur im Sitzen)

Ich habe festgestellt, dass man nicht ganz schnell mal in Paleos® schlüpfen kann. Man muss alle Gummibänder ganz lose haben, um gut reinzukommen, und dann quasi „masschneidern“ und festziehen. Dafür sitzen sie dann auch schön am Fuss. Ob die Füsse nass oder trocken sind, spielt keine Rolle. Im Stehen kann man sie anziehen, wenn man standfest auf einem Bein ist und die Paleos® zuvor schön lose eingestellt waren. Am besten geht es im Sitzen, da man den Schuh so am besten an den Fuss „masschneidern“ kann.

  1. Barfußgefühl (Passform, Sohlenstärke, Fersensprengung etc)

Von einer Fersensprengung kann nicht die Rede sein, da es sich ja im Grunde um eine Socke aus Ringgewebe handelt. Wer viel barfuss geht und leichte Minimalschuhe wie beispielsweise Huaraches trägt, wird das Gewicht zu Beginn an den Füssen merken, aber das gibt sich bei längerem Tragen. Zur Sohlenstärke lässt sich sagen, es kommt auf die Art der Tatzen an. Ich habe Geröll-Tatzen, da ich – wenn ich sie überhaupt trage – oft in den Bergen oder heimischen Schotterwegen unterwegs bin. Andere Tatzenarten sind dünner. Es gibt auch Modelle ohne Tatzen, aber ich kann mir vorstellen, dass man auch Ringgewebe kaputt bekommt, wenn man dann damit vor allem auf Schotterwegen geht. Die Tatzen kann ich nur auf geraden Böden spüren, aber sie stören nicht.

Das Ringgewebe fühlt sich angenehm am Fuss an. Ich kann den Boden nicht in jedem Detail fühlen, aber man spürt, ob es uneben ist, nicht aber jeden einzelnen Stein. Auf Gras fühle ich das Gras nicht. Das liegt daran, dass ich Stein-Tatzen habe.

Bild 7: Hier sieht man die Dicke der Geröll-Tatzen. Nah am Boden, aber nicht GANZ nah…;-)

Dünnere Tatzen wären da besser, aber die wären dann nicht so dauerhaft, wie ich es brauche. Aber man spürt trotz der dicken Tatzen, dass das Gras kühl ist. Durch die Ringe fühlt es sich fast wie mit einer Sandale an, nur dass man die Temperatur des Bodens und der Umgebung auch von unten her spüren kann, auch Kälte und Nässe. Das fühlt sich sehr besonders an. Das Queren von Bächen oder Springen in Pfützen macht damit fast genau soviel Spass wie barfuss! Ich kenne das von keinem anderen Minimalschuh.

Die Ringe unter der Sohle selber fühlen sich wie barfuss auf einem sommerlich-trockenen Waldboden mit Ästchen oder auf grobem Sand an. Durch die grobe Struktur des Ringgewebes wird das Bindengewebe bei jedem Schritt stimuliert, da es sich nicht um eine eintönige Sohle handelt. Zudem passt sich die Sohle ja mit jedem Schritt neu an den Untergrund und an den Fuss an. Man braucht die Fussmuskeln in einem Paleo® so aktiv wie barfuss!

Was mir von Anfang an extrem Eindruck gemacht hat: wie beweglich man in diesen Schuhen ist! Dieses Material macht echt JEDE Bewegung mit. Man kann den Fuss um Wurzeln schmiegen, die Zehen in einen Steilhang krallen – wie barfuss! Diese Beweglichkeit bietet kein anderer mir bekannter Minimalschuh, abgesehen vielleicht von den Dyneema-Socken.

Das Material ist hart! Ich habe festgestellt, dass das keine Schuhe sind, die man lange auf Teer verwenden sollte, es sei denn, man geht im Ballengang. Die Stahlringe federn wirklich nichts ab, selbst mit Tatzen nicht. Huaraches beispielsweise haben zwar sehr dünne Sohlen, aber die sind aus Gummi, und die nehmen doch was von allfälligen Stössen weg. Paleos® sind mir nur bequem, wenn ich damit im Ballengang gehe.

In längeren Abstiegen und im rauen Gelände sollte man sich die als Zubehör angebotenen Schoner anziehen, da die Ringe auf der empfindlichen Haut auf den Zehen scheuern kann

Bild 8a: kleine wund gescheuerte Stelle am rechten Fuss nach 550 Höhenmeter steilen Abstiegs in den Alpen

Diese Schoner sind jedoch gelocht sowie gegen die Sohle offen, sodass man fast genau soviel mitbekommt wie ohne Schoner.

Bild 8b: Als Zubehör erhältliche Schoner
  1. Sitz des Fußes im Schuh (fest, oder rutscht er?)

Wie gut der Paleos® am Fuss sitzt, hängt davon ab, wie fest man das Gummiband gezogen hat (vergl. Bild 4). Auch die Einlegesohle, die man als Zubehör bekommen kann, hält gut im Schuh, es sei denn, man geht lange Traversen steiler Hänge: Dann tendiert die Einlegesohle dazu, seitlich rauszurutschen. Braucht man in solchen Situationen Einlegesohlen, hat es sich bewährt, diese am Fuss anzutapen und dann mitsamt angetapter Sohle in den Schuh zu schlüpfen, je nach Temperatur mit Schonern drüber.

Bild 9: Als Zubehör erhältliche Einlegesohlen
Bild 10: Die Einlegesohle wird am Fuss festgetaped
Bild 11: Nun den Schoner drüber gezogen
Bild 12: Bereit für härteste Einsätze wie beispielsweise Drückjagden in Dornengestrüpp und Steilgelände!
  1. Rutschfestigkeit der Sohle (vor allem auf Schlamm und Schnee, auch in steilem Gelände, längs und quer)

Für mich sind die Paleos® der Schuh fürs Grobe. Ich bin damit schwierige weglose Routen in den Bergen gegangen, auf denen ich nicht sehen konnte, wo ich barfuss hintrete. In Traversen steiler Grashänge (auch nass!), auf trockenem Laub usw. haben sie prima gehalten, auch weil ich meine Fussmuskeln gezielt anwenden kann.

Bild 13

Ich habe die Paleos® auch während mehrerer Drückjagden im Herbst getragen, wobei ich als Treiberin aufgrund meiner Bergtauglichkeit vor allem in Steilhängen eingesetzt wurde. Die halten aufgrund der Stahlringe auch in schlammigen Hangtraversen und in steilen Aufstiegen, wobei man da auch die Zehen einsetzen kann: Man kann sich mit Paleos® regelrecht festkrallen, selbst wenn die Einlegesohle verwendet wird!!

Die Tatzen weisen nicht ganz dieselbe Haftung wie eine Vibram® -Sohle auf, wer damit aber im Ballengang unterwegs ist, wird kaum ausgleiten.

Paleos® halten NICHT auf flechtenbewachsenen Steinen, hier heisst es für Berggänger, sehr vorsichtig zu sein!

Im Schnee halten sie wunderbar. Man muss bei längeren Aufenthalten im Schnee allerdings wissen, dass Schnee durch das Ringgewebe eindringen und im Schuh drin kleine Klümpchen produzieren kann, was sich unangenehm anfühlt. Dagegen hilft, die als Zubehör angebotene Einlegesohle einzulegen (Bild 9).

  1. Durchstichfestigkeit der Sohle

Paleos® schützen hervorragend vor Scherben, Nägel, Splitter, Schlangenbissen usw.. Der Fuss erhält auch auf seiner oberen Seite einen gewissen Schutz vor beispielsweise Geröll, was ihn für alpine Unternehmungen prädestiniert.

Die Sohlen sind nicht völlig durchstichfest. In Aufstiegen schützen sie bei achtsamen Auftreten gegen Maronistacheln, bei Abstiegen nicht. Sie schützen aber prima gegen Brennesseln. Im Brombeerdickicht oder in Maroniwäldern lohnt es sich, die Einlegesohle, die als Zubehör angeboten wird, in den Schuh zu legen.

Es gibt zwei Arten von Einlegesohlen: die eine ist durchgehend, wenn man keine dreckigen Füsse haben will, und die andere ist mit Löchern versehen, sodass die Wahrnehmung der Bodentemperatur gewährleistet bleibt. Die erweist sich als fast ganz durchstichfest, es sei denn, man geht absichtlich durch die Brombeeren;-)

  1. Fußschweißbildung

Keine, da das Material ja luftdurchlässig ist. Jedoch werden die Füsse schwarz durch das Metall.

Bild 14

Bei Nässe passiert das kaum. Man bekommt die Schwärze jedoch leicht vom Fuss, am besten mit einem Waschlappen oder Feuchttuch. Trägt man die Schoner, die als Zubehör zu bekommen sind, schwärzen sich nur die Sohlen.

Bild 15
  1. Thermoisolation im Winter (tauglich bis zu welcher Temperatur?)

Das Ringgewebe kann durchaus auch isolieren! Es ist zwar offen, umschliesst aber den Fuss, was eine minimale Isolationswirkung erzeugt. Ich konnte das während einer Bergtour im Sommer 2016 testen: Es war sehr kalt und der Boden teils gefroren. Ich zog für kurze Zeit die Paleos® an, worauf meine Füsse von „sehr kalt“ zu „kalt“ wechseln konnten.

Auch die als Zubehör angebotenen Schoner bringen einige Grad an Isolation.

Im Winter bei Minusgraden kann man die Paleos® problemlos mit wasserdichten Sealskinz-Socken oder Neoprensocken aufrüsten. Sealskinz-Socken wärmen nur wenig, haben sich aber bei Winterwanderungen um den Gefrierpunkt oder leicht darunter gut bewährt, sofern man in Bewegung bleibt. Wenn es sehr kalt ist (meine tiefste Temperatur war bei ca. -8°), haben sich 3.5-mm-Neoprensocken bewährt. Warme Gamaschen über den Knöcheln nicht vergessen!

Ich habe im Februar 2017 die Paleos® sogar zum Rodeln getragen, wobei ich erwähnen muss, dass ich einen Rennrodel auf einer präparierten Piste fahre. So ein Rodel wird sehr, sehr schnell und kann nur mit Grödeln an den Schuhen abgebremst werden. Ich habe meine Grödel über die Paleos® gezogen, und das Bremsen klappte wunderbar.

  1. Wasserdichtigkeit

Gar nicht. Der Fuss trocknet darin aber so schnell wie barfuss. Wasserdicht bekommt man sie, wenn man sie mit Sealskinz-Socken kombiniert.

  1. Schmutzabweisende Eigenschaften

Wenn man damit durch Matsch watet, sind die Füsse hinterher so schlammig wie barfuss auch. Dreck kann sich in den Ringen festmachen.

  1. Leichtigkeit der Reinigung

Simples Ausklopfen, Ausspülen oder Waten durch einen Bach reinigt vom groben Dreck. Paleos® können in der Waschmaschine bei 40° gewaschen werden, so behalten sie ihren Glanz und schwärzen die Füsse etwas weniger.

  1. Defekte (unabhängig vom Verschleiß)

Bisher keine, obwohl ich sie, wenn ich sie trage, dann auch wirklich fordere (schwierige Routen in den Bergen, Drückjagden)

  1. Verschleiß (welche Teile, in welcher Zeit?)

Bisher nichts. Die schwächsten Teile sind zweifellos die Gummischnur und die Tankas, von denen man aber ein Ersatzpaar mitgeliefert bekommt.

  1. Fazit

Ein sehr wandelbarer Schuh für alle Jahreszeiten und dank des Zubehörs für fast jede Situation! Ein toller Schuh fürs Grobe und für Leute, die gern immer die Wärme, Kälte, Nässe usw. spüren,  Wert auf uneingeschränkte Beweglichkeit des Fusses sowie auf Qualität legen.

Pros:

  • Absolute Beweglichkeit im Fuss. Der Fuss kann sich jeder Geländeform anpassen und macht jede Bewegung mit! Das kenne ich von keinem anderen mir bekannten Minimalschuh, und ich habe eine Menge davon ausprobiert.
  • Der Paleo® schützt den Fuss rundum vor Geröll, Dornen (sofern man es nicht übertreibt), scharfkantigem Gestein.
  • Feeling für die Temperatur, Feuchtigkeit, Trockenheit
  • sehr hochwertig gemacht, total robust und bestimmt sehr lange haltbar
  • erzieht zu einem sauberen Ballengang
  • Hält gut in jedem Gelände: Auf Fels, Gras (auch Steilgelände!), Schotter, in Auf- und Abstiegen
  • Sinnvolles Zubehör (Schoner, Einlegesohlen)
  • In allen Jahreszeiten verwendbar, im Winter mit Neopren- oder Sealskinz-Socken
  • Klein verpackbar

Kontras:

  • Preis – hier möchte ich aber einschränken. Man bekommt ein mit viel Handwerk gefertigtes hochwertiges Produkt, das sein Geld wert ist!
  • graue Füsse
  • Je nach Gelände müssen Schoner getragen werden, um wundgescheuerte Stellen zu vermeiden
  • Gewicht

 

Die Ergebnisse im Überblick

Möglicher Einsatzbereich
TheaterBüroFreizeitWandern leichtes GeländeWandern schweres Gelände

-+

+-

++

++

Ergebnisse für einzelne Testkriterien
Material

++

Verarbeitung

++

Stimmigkeit der Größenangabe größer (>) oder kleiner (<) als angegeben, oder stimmt die Größe (<>)?

++

Packmaß (rollbar?)

++

Anziehbarkeit (trockene und nasse Füße; stehend oder nur im Sitzen)

+

Barfußgefühl (Passform, Sohlenstärke, Fersensprengung etc)

++

Sitz des Fußes im Schuh (fest, oder rutscht er?)

+

Rutschfestigkeit der Sohle (vor allem auf Schlamm und Schnee, auch in steilem Gelände, längs und quer)

++

Durchstichfestigkeit der Sohle

Je nach Zubehör!

Fußschweißbildung

++

Thermoisolation im Winter unter 0°C

Je nach Zubehör!

Wasserdichtigkeit

Schmutzabweisende Eigenschaften

0

Leichtigkeit der Reinigung

++

Defekte (unabhängig vom Verschleiß)

keine

Verschleiß

++

++ =sehr gut, + gut, O = befriedigend, – = ausreichend, – – = mangelhaft

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Aktualisiert von Dorothea Burkhard am 25. Februar 2018

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