Ein Jahr Barfuß – Rückblick auf meine Umwelt

Ein Jahr barfuß und es geht weiter (Stand 1. Juni 2016)

Ein Jahr barfuß liegt hinter mir. Es ist tatsächlich so, dass die meisten Menschen gar nicht registrieren, wenn ich barfuß daher komme. Sie sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, hetzen durchs Leben, haben keinen Blick mehr für die Menschen um sie herum oder die Schönheiten des Alltags. Oder sie trauen sich einfach nicht, darüber zu sprechen – mich anzusprechen.

Barfußlaufen im Dorf

Unser Dorf ist recht beschaulich, hat etwas mehr als 2000 Einwohner. Da fällt man dann schon eher auf, als in der Großstadt, besonders wenn man wie ich, per Rad oder Pedes unterwegs ist. Für Einkäufe und Erledigungen suche ich hauptsächlich die regionalen Geschäfte auf. So kommt es häufig vor, das ich mehrmals den selben Leuten begegne und erst nach dem 3. oder 4. Mal kommt der erstaunte Ausruf „Sie sind ja BARFUß!“. Dann folgt meist ein kurzer Augenblick der Sprachlosigkeit, weil der so Erstaunte erst mal intensiv darüber nachdenkt, was das nun zu bedeuten hat :-). Meist ergibt sich ein anregendes Gespräch und gerade die ältere Generation erzählt dann, das man früher immer barfuß lief und dass das völlig normal gewesen sei. Aber nein, heute könne man das nicht mehr.

In diesem ganzen Jahr habe ich es noch nicht wirklich erlebt, das jemand empört war und mir das auch unmissverständlich mitgeteilt hat. Unverständnis, ja, das kommt öfter vor. Oder der lautstarke Kommentar desjenigen: „das könnt ich nicht“ oder „da würde ich sofort krank werden“.

Krank sein war gestern

Überhaupt ist es den meisten Menschen unverständlich, das ich nicht permanent erkältet oder an der Blase entzündet bin, sondern mich bester Gesundheit erfreue. Selbst durch den Winter bin ich gesund gezogen, obwohl – oder vielleicht gerade weil – ich meist barfuß lief. Ja, meine Zehen sind auch noch alle dran 🙂

Bis jetzt gab es auch keine Schwierigkeiten mit dem barfüßigen Besuch von Lokalen oder Geschäften oder anderen Einrichtungen. Andererseits muss ich dazu sagen, das ich ein einfaches Madel vom Lande bin und mir der Besuch von Oper, Konzert oder Gourmet-Sterne-Tempeln nicht gerade häufig in den Sinn kommt.

Wenn ich wo eingeladen bin und eine Wohnung betrete, frage ich vorher, ob das in Ordnung ist, wenn ich barfuß bleibe. Meist ist man erstaunt über die Frage, doch für den Fall einer Ablehnung habe ich für solche Gelegenheiten immer ein paar dünne Söckchen dabei.

Adé Fußpilz

Aus vielen Gesprächen im Laufe dieses Jahres hat sich auch etwas herauskristallisiert: die Angst vor Fußpilz. Fast jeder! der mit dem Barfußlaufen konfrontiert wird, äußert diese Bedenken. Dabei ist dies absolut unbegründet, außer man hat ihn schon und will deshalb die Füße nicht zeigen. Dabei liebt der Fußpilz (wie alle Pilze) ein Klima von feucht, warm und dunkel. Wer also unter Fußpilz leidet, sollte seinen Füßen etwas Gutes tun, sie aus dem Schuh- und Sockengefängnis befreien und barfuß laufen, soviel wie möglich, am besten permanent.

Auch die zahlreichen Fußdeformierungen wie Hallux Valgus, Hammerzehen, Senkfuß, Spreizfuß etc. sind kein Grund, um aufs Barfußlaufen zu verzichten. Man verschafft sich dadurch sogar Linderung, Besserung oder wird sogar beschwerdefrei. Inzwischen gibt es viele Beiträge im Internet zu diesem Thema.

Kinder lieben Barfußlaufen

Am nettesten – und lustigsten – reagieren Kinder, wenn sie mich barfuß sehen – zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Manchmal sind sie einen Augenblick später auch barfuß oder löchern ihre Eltern mit dem bekannten Warum trägt die Frau keine Schuhe?  Wenn Kind dann auch barfuß laufen will (was meistens der Fall ist), kommen – oftmals unsinnige – Argumente gegen das Barfußlaufen auf den Tisch. Kennt Ihr den Satz der Kleinen „schau mal Mami, die Frau ist mit ohne Schuhe“. Einfach köstlich 🙂

Kommt es im unwegsamen Gelände zu Begegnungen, höre ich oftmals ein „Respekt, Respekt“ – manchmal hält man auch Smalltalk. Dann geht es meist um faktische Fragen bzgl. Fußsohlen, Bodenbeschaffenheit oder Minimalschuhe .

Soziale Ausgrenzung?

Gleich nach der Angst um Fußpilz kommen soziale Bedenken „was denken die Leute über mich, wenn ich plötzlich keine Schuhe mehr trage?“. Barfußlaufen = sozialer Abstieg? Nein, keineswegs. Es ist die Freiheit JA zu sagen: zu Gesundheit, Fitness, Selbstbestimmtheit, Lebensgefühl, Jugendlichkeit (ja, auch im Alter darf man sich jung fühlen!). Bewusstes Leben, Erdverbundenheit, achtsamer Umgang mit der Seele bis hin zum Verzicht auf Enge (physisch und psychisch). Sogar Schmuck kann man an den Zehen (Ringe) und Füßen (Fußbänder) tragen. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Neulich auf Radtour kommt mir ein Pulk von rund 30 Mountainbikern entgegen. Ich, stehe an einer Wegkreuzung und mache Rast. Sie, halten an um auf die verschiedenen Wegweiser zu schauen. Ich bemerke Grinsen, unsicheres Lachen, Kopfschütteln. Empörung und Unverständnis machen sich Luft und Sätze fallen wie „unverantwortlich, wenn da was passiert“ oder „wenn da der Fuß in die Speichen kommt“. Kein einziger richtet das Wort direkt an mich. Gemeinsam sind sie stark, es fällt kein einziges positives Wort. Sowas gibt es halt auch, ist aber nur dieses eine Mal vorgekommen.

Barfuß sicher Radfahren

Dabei bin ich noch nie sicherer Rad gefahren, als mit nackten Füßen. Ich glaube, das können nur Barfußradfahrer nachvollziehen. Und mal ehrlich: Wie bitte kommt man als Radfahrer mit dem Fuß in die Speichen? Selbst mit viel Phantasie und wenn ich mir ganz viel Mühe gebe, funktioniert das nicht 🙂 Das ist also ein äußerst wackeliges Argument.

Für meinen Freundes- und Bekanntenkreis gehört mein Barfußlaufen jetzt zu mir dazu. Der Anblick hat sich etabliert 🙂

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Eva

Eva

Ich bin Jahrgang 1966, Mutter zweier erwachsener Kinder und selbstständig mit einem Buchungsservice für Vermieter von Ferienwohnungen und Gästezimmern. Das wunderschöne Allgäu ist mein Zuhause. Seit 2015 lebe ich barfuß, Sommer wie Winter. Unser Blog erzählt davon.

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