Barfußfrühling im Allgäu

Merkwürdiger Winter

Der Winter war merkwürdig in diesem Jahr. Mild im Dezember, dann wochenlange ungeheuer heftige Schneefälle im Januar. Nun, das kam mir eh entgegen, denn mir ging es gesundheitlich nicht so dolle. Die Zwangspause kam mir gerade recht.

Schneelandschaft mit der Alpe Beichelstein

Im Februar und Anfang März war es dann teilweise frühlingshaft warm und die Skigebiete an den Nachmittagen nur noch zum Wasserskifahren zu gebrauchen. Grrrr. Wenigstens ausgedehnte Barfußspaziergänge konnte man auf dem Schnee gut durchführen. Irgendwann gab es komplett schneefreie Tallagen, ideal für kilometerlange Barfußtouren über die Weiden. Die dürfen in dieser Zeit noch begangen werden, weil das Gras noch kurz ist und die Wachstumsperiode noch nicht eingesetzt hat.

Dann im weiteren Verlauf des März wieder kaltes und stürmisches Wetter mit neuen Schneefällen.

Endlich Frühling

Anfang April gibt es endlich Anzeichen für einen durchsetzungsfähigen Frühling. Die Alpe Beichelstein oberhalb unseres Zuhauses zeigt sich wieder komplett schneefrei.

Barfußfrühling auf der Alpe Beichelstein im Allgäu

Der Frühlingsenzian blüht schon eine ganze Weile.

Frühlingsenzian

Die Ziegen der Alpe nehmen ein Bad im warmen Sand der Böschungen, die die Rinder im Vorjahr getrampelt haben.

Ziege nimmt ein Sandbad

Die Ostergäste der Alpe genießen die Sonne auf der Terrasse.

Gäste auf der Terrasse der Alpe Beichelstein

Edle Oldtimer werden ausgeführt.

Ein alter Mercedes 300, den schon Konrad Adenauer als Staatskarosse benutzte

Wir wandern mit unserem Pony Marley, wobei Eva dabei vorsichtshalber immer Schuhe trägt. Barhuf auf Barfuß gilt als ungesund…

Wanderung über die Alm mit dem Pony

Oder wir lassen das Pony wandern, auf Gigtouren über die herrlichen Wiesenwege der nahen Umgebung.

Natürlich gibt es auch wieder Radtouren zu den Seen im Alpenvorland.

Rad vor dem Hopfensee

Nur eins ist jetzt auch wieder klar: Die Weiden sind tabu. Die Wachstumsphase hat begonnen, das Gras ist schon zu hoch. Weiden sind keine Spielwiese zum beliebigem Gebrauch, sondern Viehfutter. Damit sind auch Barfüßer wieder gehalten, mit den oft heftig gesplitteten oder geschotterten Wegen vorlieb zu nehmen. Für Hundehalter gibt es besondere Schilder, die allerdings sommers wie winters gelten: “Hier beginnt die Salatbar unserer Rinder und nicht das Klosett Ihres Hundes.”

Sturmschäden

Auch die Berghänge sind an den Südseiten zunehmend schneefrei, in den niedrigeren Lagen ist der Schnee vollständig weggeschmolzen. Was mich Bergfex natürlich wieder in die Höhe treibt. Wo dann Ungemach droht.

Ich versuche u.a. eine Tour über den Zirmgrat bei Pfronten. Der soll sehr barfußfreundliche Pfade haben. Hier ist er formatfüllend im Bild.

Blick auf das Bergmassiv mit dem Zirmgrat

Aber daraus wird beinahe auch nichts. Kaum bin ich barfuß aus dem Tal hoch zur Burg Falkenstein auf dem Grat gekraxelt, starre ich am Beginn des Gratwegs auf ein Schild.

Sperrschild

Gesperrt??? Wegen Waldarbeiten? Andere Wanderer drehen enttäuscht um, ich gehe weiter. Es ist Karfreitag, da sollten die Forstarbeiten ja eigentlich ruhen. Tun sie auch, der Weg ist tatsächlich sehr barfußfreundlich. Aber er ist garniert mit umgestürzten Bäumen, vor allem der lange und steile Schlusshang. Da kämpfe ich mich querfeldein viele Meter hinab durch einen Verhau von umgestürzten Bäumen. Es geht mal drumherum, mal klettere ich über die Stämme, mal krieche ich unter ihnen durch. Nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig.

Barfußfreundlicher Saumweg mit toller Aussicht auf die schneebedeckten Berge
Umgestürzter Baum
Sturmschäden im Wald

Am Schluss ist zu allem Übel noch ein Rundweg zur Saloberalm gesperrt, den ich auch gehen wollte. Sturmschaden… Das riskiere ich dann doch nicht.

So wird es jetzt wohl in vielen Waldstücken aussehen.

Mix aus Gras und Schnee

Deshalb treibt es mich nach dieser Tour in die höheren Lagen, zu Edelsberg und Alpspitz bei Nesselwang und den Breitenberg bei Pfronten, wo viele Flächen schon schneefrei sind…

Weg über die Alm

Mindestens genau so viele aber auch nicht. Es gibt einen Mix von herrlich barfußfreundlichen Grasflächen und Altschneefeldern, auf denen man barfuß je nach Neigung in böse Absturzgefahr kommen kann.

Edelsberg mit Mix aus Schnee und Weide
Weg durch einen Schneehang
Festgetretener Schnee
Der Weg ist im Schnee nicht mehr zu sehen

Auf jeden Fall rutscht man auf dem festgetretenen Schnee barfuß ganz nett oder zerkratzt sich im Harsch Knöchel und Beine. Die ganz typische Situation, die man in den Bergen bis in den Frühsommer hinein vorfindet, wobei die Altschneeflächen natürlich ständig abnehmen.

Für harte und steile Schneefelder habe ich mir Grödel zugelegt, die ich immer zusammen mit Minimalschuhen trage, weil die Riemen und Plastikteile sonst doch übel in den Fuß schneiden und drücken.

Die Grödel geben Grip auf Schnee und Eis

Martl Jung hat sie auf Gletschern bei seiner Alpenüberquerung genutzt (siehe auch sein Buch dazu: O Sohle mio ), ich habe sie im Frühjahr für den Notfall ständig dabei.

Diesmal reichen aber meine Skinners -Minimalschuhe vollkommen aus, denn der Schnee ist weich und der Grip der Skinners einfach phänomenal.

Trotz Schneehaftung auf dem Sockenmaterial bieten die Sohlen sehr guten Grip
Skinners im Schnee

Das heißt zwar auch, dass ich ständig zwischen Barfuß und Skinners wechsle, aber die Touren sind abwechslungs- und aussichtsreich.

Tolle Aussicht auf Alpenvorland und Berge

Dazu locken Teppiche mit Frühlingsblumen.

Absteigen kann man dann über inzwischen schneefreie Skipisten.

Abstieg über die Skipiste

Abwarten und Tee trinken…

Jetzt, Ende April, zeigt der Monat wieder seine typischen Launen. Es regnet viel, in den Hochlagen schneit es wieder. In zwei Wochen kommt unser Barfußfreund Christoph zu Besuch und möchte wandern. Bin gespannt, was dann geht…

So ist es halt im Allgäu, aber ich schätze es trotzdem sehr, hier wohnen zu dürfen. Obwohl es in meiner alten Heimat Trier dann doch etwas milder und unkomplizierter war…

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3 Antworten auf “Barfußfrühling im Allgäu”

  1. Es ist interessant, ich lebe in Niederösterreich unmittelbar an der tschechischen Grenze, aber wir hatten einen völlig anderen Witterungsverlauf, obwohl es genau genommen gar nicht so weit ist. Im Jänner war schon richtig Winter, Schnee ist in dieser Gegend ohnehin selten, aber es gab ihn immerhin in Andeutungen. Im Februar gab es bereits Generalproben für den Frühling, Ende des Monats machte ich meinen ersten Barfuß-Ausflug in den prachtvollen Wäldern des Thayatal-Nationalparks auf tschechischer Seite (über eine Brücke von unserer Seite aus in 10 Minuten erreichbar). Auch der März war größtenteils vorfrühlingshaft und der Boden begann richtig auszutrocknen. Im April kamen erste hochsommerliche Temperaturen, Frühlingsblumen nahmen an Vielfalt seit Ende Februar immer mehr zu und das einzige, was beim Barfußgehen weniger Spaß machte, waren die vielen die Wege fast geschlossen bedeckenden Außenhüllen der Bucheckern und unsichtbare Aststücke oder kantige Steine unter dem infolge der Trockenheit fast unzersetzten Laub vom Vorjahr.

    1. Wir leben ja am Alpenrand. Hier herrscht Staulage. Schon wenige Kilometer Abstand zu den Bergen sorgen für große Unterschiede. Je näher man sich an den Bergen befindet, desto bewölkter wird es und desto größer sind die Niederschläge. Bei Touren um den in Nord-Süd-Richtung gestreckten Forggensee haben wir es oft erlebt: Start an der Nordspitze in praller Sonne, Regen im Süden in der Nähe von Füssen, und wieder Sonne auf der Rückfahrt… Jetzt wohnen wir etwa 10km von den Bergen entfernt, das ist optimal.

  2. Hallo Wolfgang 🙂
    jaja , die schönen Berge und das traumhafte Allgäu 🙂
    ein schöner Frühlingsbericht, da bekommt man gerade große Lust auf den Urlaub dort .
    Liebe Grüße aus Hessen

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