Barfuß auf die Kappeler Alp bei Pfronten

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Kappeler Alp oder Kappeler Alm?

Ganz klar Kappeler Alp, denn wir sind im Allgäu. Warum es nicht Alm heißt, wird hier (für Kinder) beschrieben. Und hier.

Was für ein wunderschöner, mild-warmer Herbsttag. Ich liebe dieses faszinierende Licht, das sich durch die bunte Herbstfärbung des Laubes bricht. Was gibt es da Schöneres, als sich auf zu machen zu einer Barfuß-Wanderung in die Natur.

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Unsere heutige Wanderung beginnt in Pfronten-Kappel (860m). Das Ziel ist die Kappeler Alp auf 1340m Höhe. Zuerst starten wir um 10 Uhr vom Wanderparkplatz über einen schönen, gewundenen Pfad durch mannshohe Vegetation.

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Der Boden ist noch schön kühl und feucht, lässt sich im Weiteren gut laufen. Das herbstliche Laub macht den Tourenstart angenehm.

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Weiter läuft man am Ende des Pfades über weichen Waldboden durch den Waldseilgarten, der für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet ist.

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Im Anschluss an den Waldseilgarten gelangen wir auf das Terrain der Bogenschützen. Hier kann man in natürlicher Umgebung Ziel auf nachgebildete, lebensgroße Wildtiere nehmen. Bogenschießen in 3D. Das Equipment und die entsprechende Einweisung hierzu erhält man im Waldseilgarten.

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Vorsicht Rutschgefahr!

Diese Furt wollte ich durchwaten, über die Leiter gehen und vielleicht sogar die Hängebrücke testen. Ich kam nicht weit und musste mein Vorhaben abbrechen: Die Leiter und jeder Stein im Wasser waren glatt wie Schmierseife. Das wäre vermutlich nicht gut für mich ausgegangen.

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Obwohl romantisch, verlief der Weg als geschotterter Forstweg, der immer tiefer in den Wald führte. Vorbei an urigen Bäumen, die genauso an Filme wie „Harry Potter“ wie an „Das letzte Einhorn“ erinnern.

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Dann gelangen wir zum Eingang der Höllschlucht. Der Weg hinauf durch die Schlucht ist abenteuerlich und wild romantisch, überdies voll tosender Wasserfälle. Der teils schwierige Pfad windet sich steil nach oben. Dabei führt er ebenso über Felsstufen und Naturtreppen, wie auch durch schlammige und schlüpfrige Passagen, über Holzbrücken und -Stege. Das Schild „nur für geübte Wanderer“ steht am Eingang der Schlucht zu Recht. Man braucht jetzt im Herbst entweder gutes Wanderschuhwerk oder läuft am besten – so wie ich – barfuß. In diese Schlucht gelangt keine Sonne, folglich bleibt der Pfad daher meist feucht und bedarf immerwährender Achtsamkeit. Kurz bevor man zum großen Wasserfall kommt, ist Kopfschutz (Fahrradhelm etc.) angebracht. Wir haben erlebt, wie von Wanderern weiter oben am Weg Steinschlag ausgelöst wurde. Die Höllschlucht ist bekannt dafür – im Grunde genommen liegt die Verantwortung bei jedem selbst.

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Dreckige Schuhe?

Bestimmt ein Dutzend Mal kommt mir in den Sinn, wie froh ich bin, am Ende der Tour keine Wanderschuhe sauber machen zu müssen 🙂

Immer wieder stehen wir vor plötzlichen Hindernissen. Für meine Mutter mit ihren 71 Jahren und einer Körpergröße von 1,64m ist so eine Stufe von 80cm schon eine kleine Herausforderung.

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Ohne ihre Wanderstöcke wäre sie, obwohl sie recht fit ist – nicht nur hier – aufgeschmissen 🙂

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Für meine Füße ist die Schlucht ein Genuss und es ist toll, wie absolut sicher ich barfuß unterwegs bin. Das heißt, ich rutsche weder auf nassen Wurzeln oder Steinen aus, noch stolpere ich über irgendwas. Dazu kommt, das ich keine Schuhe bei jedem Schritt anheben muss. Vielmehr fühle ich mich leicht und beschwingt und erinnere mich nicht daran, jemals angenehmer gelaufen zu sein.

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Die Schlucht liegt hinter uns

Als wir nach 1,5 Stunden und ca. 250 Höhenmetern die feuchte Höllschlucht hinter uns lassen, stehen wir vor einem verwitterten alten Wegweiser zur Kappeler Alp. Von hier aus begleitet uns die Sonne schon stückweise durch den Trichter der Schlucht, obwohl der Weg weiterhin steil erklommen werden muss. Drahtseile auf der Felsseite bieten Halt, nicht dagegen die hölzernen Geländer, die mitunter sehr altersschwach sind und eher eine optische Stütze vor dem Abgrund bieten. Hier besteht seitens der Gemeinde Pfronten unbedingt Handlungsbedarf.

Da wollen wir noch hinauf…

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Ein Blick auf den Weg zurück in die Schlucht…

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Blick nach oben….

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Blick zurück….

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Nach einer letzten steilen Kletterpartie und einem breiten Gang über reichlich Wurzelwerk gelangen wir aus dem Wald heraus direkt auf sonnige Alpwiesen.

Waldausgang

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Aussicht pur

Blick zurück über den Wiesenaufstieg und die Brettleswege. Das Gelände ist stellenweise recht schlüpfrig, infolgedessen ist es ratsam, auf den Brettern zu laufen. Inzwischen bietet sich von hier aus ein erster Blick auf das Füssener Tal.

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Der Gipfel der Kappeler Alp auf 1340m ist nach 2,5 Stunden erreicht.

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Von hier hat man eine atemberaubende Sicht ins Tal mit Hopfensee, Weißensee, Forggensee, Tegelberg, Säuling…

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… in der Ferne die Zugspitze, rechts Breitenberg….

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Das ist die Kappeler Alp mit ihrer schönen Sonnenterrasse und einer umfangreichen Speisekarte. Vom 26.10. bis Mitte Dezember hat sie jetzt Alp-Pause.

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Dort starten viele Möglichkeiten für weiterführende Touren zu anderen Hütten und Bergen sowie mehrere Wege hinunter ins Tal. Wir entscheiden uns für den Abstieg über den Wiesenweg, da meine Begleiterinnen genauso wie ich nicht gerne über Schotter- oder Asphaltwege laufen. Der Wiesenweg hinab ins Tal ist steil, führt oftmals über glitschige Brettleswege und zerfurchte Viehtritte. Er ist deshalb ein wunderbarer Erlebnispfad, so wie vorher der Aufstieg durch die Höllschlucht – mit reifen Brombeeren zum Naschen 🙂

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Wir blicken zurück auf den Weg, den eine Lichtung mit Brombeersträuchern und Farn im Herbstlaub umrundet…

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Abschließend hab ich noch ein Video aus mehreren Sequenzen zusammengeschnitten. Dabei ist das immerwährende Rauschen der Wasserfälle gut zu hören, das uns durch die Höllschlucht begleitete.

Ein ganz toller Buchtipp für uns Frauen (und die Genießer unter den Männern 😉 mit herrlichen Bergtouren: Auszeit für mich: 25 Genusstouren für Frauen im Allgäu

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Aktualisiert von Eva Maria Lockstaedt am 15. März 2018

2 Gedanken zu „Barfuß auf die Kappeler Alp bei Pfronten

  • 3. November 2015 um 11:28
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    Da bekommt man richtig Lust mit zuwandern. Barfuß muss das ein absoluter Genuß sein. Wald, Berge, Wurzeln, Steine, Feuchter Boden, Bäche, Wasserfälle und und und. Ein Gefühlsorchester für die Füße. Ich hoffe sehr auf halbwegs schönes Wetter im März/April. Ein paar Tage barfuß im Allgäu wären mehr als Erholsam.
    Vielen Dank für die tollen Bilder und Videos.

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  • 29. Oktober 2015 um 07:23
    Permalink

    Wunderschöne Naturaufnahmen liebe Eva. Schön dass Du mich an Deinem Barfußsein teilhaben läßt durch Deinen Blog. Bin gespannt wie der Winter auf Dich wirkt mit dieser Lebensweise, der Einstieg ist ja sehr positiv. Grüße aus der Oberlausitz von Sabine

    Antwort

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