Baguette und Pilgerstab von Barbara und Erich Dietloff

Barfuß auf dem Jakobsweg

So lautete der Titel des Gastbeitrages von Erich Dietloff, in dem er uns 2017 über seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg berichtete. Gemeinsam mit seiner Frau Barbara und ihrer Freundin Cordula Ratzlow wanderte er in mehreren Etappen des Pilgerweges durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich bis hin zur spanischen Grenze.

In ihrem ersten Buch „ Auf dem Weg der Muschel “ berichteten Sie über die Etappen Deutschland und Schweiz.

Baguette und Pilgerstab

Nun entstand das neue Buch „Baguette und Pilgerstab„, rund um ihre Erlebnisse und Begegnungen auf dem Jakobsweg durch Frankreich.

Der Einband des Buches Baguette und Pilgerstab
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Die Rückseite des Buches Baguette und Pilgerstab
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Das Buch kann per E-Mail bei Erich Dietloff oder über die Kontaktseite auf der Website von Barbara Dietloff bestellt werden und kostet 15,- Euro zzgl. Versandkosten

Hier eine Leseprobe

Ein Ruf von Cordula lässt mich aus meiner Lethargie erwachen, die mich nur noch langsam einen Fuß vor den anderen setzen lässt. „Hier oben ist es!“ höre ich, ohne etwas zu sehen. Ich nehme einfach nur Cordulas Stimme wahr und meine Füße gehen automatisch in die Richtung. Eine letzte Treppe im Fels und dann: Ein traumhaft schöner wiesenbewachsener Felsvorsprung mit einer kleinen Hütte darauf liegt vor mir und ein gigantischer Ausblick in die französischen Alpen. Ich kann nur noch stehen und staunen und dann ganz, ganz langsam auf die Hütte zugehen. 
Eine junge Französin ist schon da, sie hat uns vorhin beim Brombeerenpflücken überholt. Sie erzählt, dass sie locker 40 km am Tag läuft und dass für sie der Jakobsweg eher sportliche Aspekte hat. Nun ja, für mich hat er eine ganz andere Bedeutung, nämlich dem Alltag entfliehen, zur Ruhe kommen, sich selbst und seine eigenen Grenzen besser kennen lernen. Heute war meine körperliche Grenze greifbar nah. 
Als wir gerade unsere Sachen auspacken, kommt eine junge Frau herein, sie ist die Betreiberin der Wanderhütte. Sie hat mein Telefonat richtig verstanden und uns aus dem Gasthof im Dorf Essen kommen lassen, was wir uns in der vorhandenen Mikrowelle warm machen können…..und gekühltes Bier gibt es auch. Der liebe Gott hat für uns gesorgt.


Auf dem Weg aus dem Ort hinaus, mitten in einem Wohngebiet, gesellt sich ein hellbrauner struppiger Hund zu uns und läuft einfach mit aus dem Lottal hinaus bergauf. Er ist schon älter, man sieht es an der grauen Schnauze, auch scheint er auf einem Auge blind zu sein. Aber er ist noch sehr gut zu Fuß und läuft ein wenig voraus, wartet aber immer auf uns. Er geht mit bis zum nächsten Ort, wo wir einen Schweizer treffen, den wir auch schon kennen. Der Hund freut sich offensichtlich, ihn zu sehen. Aber dem Schweizer gehört der Hund auch nicht. Er berichtet nur, dass der Hund schon eine ganze Weile mit ihm zusammen läuft. Ein pilgernder Hund, wo gibt es das denn? Auf dem Jakobsweg natürlich.


Jetzt, am frühen Nachmittag, ist es so heiß, dass wir dringend noch einen Pausenplatz im Schatten brauchen. Aber da der Weg momentan nur auf der Straße entlang führt, haben wir gar keine Aussicht, etwas Passendes zu finden. Deshalb biegen wir von der Straße ab, als ein Schild zu einem Dorf weist, das man schon von der Straße aus sehen kann. Kein Mensch ist auf der Dorfstraße und wir gelangen an einen zentralen Platz, wo große Bäume Schatten spenden. Steinerne Mauern laden zum Verweilen ein. Wir setzen uns und packen unsere Vorräte aus, um endlich unsere Mittagspause zu machen. Am Fenster der gegenüberliegenden Schule beobachtet uns ein Kind hinter der Fensterscheibe. Es scheint ein Junge zu sein mit einer dicken Hornbrille auf der Nase. Wir winken und Erich schneidet Grimassen. Der Junge lacht und winkt zurück, aber herauskommen darf er wohl nicht. 
Als wir fast fertig sind mit unserem Mittagessen, überquert ein älteres, sehr gut gekleidetes Paar den Platz, um zu seinem dort geparkten Auto zu gehen. Wir grüßen freundlich. Als die beiden schon in ihrem Auto sitzen, steigt der Mann plötzlich wieder aus. Er geht wieder über den Platz zurück. Nach einigen Minuten erscheint er mit einer Wasserflasche und einer Bäckertüte vor uns und schenkt uns beides mit den Worten „Buen camino“. Wir sind ganz gerührt über so viel Freundlichkeit und bedanken uns sehr. Er scheint es aber eilig zu haben, steigt in sein Auto und fährt winkend davon.

Barbara und Erich Dietloff auf dem Pilgerweg