Bad Wörishofen - Hopfensee - Kappeler Alp

Bad Wörishofen – Hopfensee – Kappeler Alp – Ein Barfußtag

Rückblick auf einen verrückten Barfußtag: Bad Wörishofen – Hopfensee – Kappeler Alp

Es gibt Tage, an denen man abends etwas kopfschüttelnd auf die vergangenen Stunden zurückblickt. Auf all das, was man in diesen Stunden unternommen hat. Und sich gleichzeitig freut, wie vielseitig sich das Barfußleben in unserer Region darstellen kann.

Was haben Bad Wörishofen, der Hopfensee und die Kappeler Alp gemeinsam? Seit Pfingstsamstag weiß ich es:  Man kann sie barfuß an einem Tag besuchen!

Auf den Spuren von Pfarrer Kneipp

Aber von Anfang an. Es ist also Pfingstsamstag. Die Sonne lacht wieder einmal vom Himmel herab, es ist angenehm warm. Wir haben am Morgen einen Termin in einer Stadt, in der alles um eine Ikone des Barfußlaufens kreist, um Pfarrer Kneipp.

Kneipp

Damals war diese Stadt noch ein bäuerliches Dorf namens Wörishofen. Dazu gehörte noch ein Kloster der Dominikanerinnen. Und in eben diesem Dorf setzte Pfarrer Kneipp ab 1855 seine vorher schon andernorts begonnenen Heilungen mit Wasser fort.

Eigentlich war er ja hauptsächlich Beichtvater und Hausgeistlicher des Klosters, aber das trat wohl bald in den Hintergrund, obwohl sich Kneipp auch sehr im Kloster verdient machte und dessen landwirtschaftlichen Zweig wieder auf gesunde Füße stellte. Irgendwie müssen er oder vielmehr seine Patienten eine phantastische Öffentlichkeitsarbeit betrieben haben, so sehr, wie der Kurbetrieb in kurzer Zeit expandierte. Die Besucherzahlen gingen bald in die Tausende. Gesundheitsbewusste und Reiche strömten zuhauf in das Dorf, dazu entwickelte sich ein Bauboom. Alleine bis 1896 entstanden etwa 120 neue Gebäude, vor allem Pensionen und Hotels. Davon träumt so mancher Touristikmanager.

In den 1890er Jahren bereiste Kneipp in seiner Funktion als Heiler sogar fast ganz Europa. Umso ablehnender reagierte die ansässige Bevölkerung. Dieser Pfarrer war in ihren Augen mit seinen abwegigen Umtrieben schon ein merkwürdiger Vogel. Ein Bürgermeister legte wegen ihm sogar sein Amt nieder. Er war so gar nicht mit dem Kurbetrieb einverstanden. Es dauerte dann noch bis 1920, bis Wörishofen das Prädikat „Bad“ bekam.

Bad Wörishofen heute

Von all dieser Aufregung ist heute nichts mehr zu spüren. Das sehen wir, als wir nach unserer Erledigung noch ein wenig durchs Zentrum des heutigen Bad Wörishofen laufen, das typisch für einen Kurort ist. Entlang eines von Mauern eingefassten Bachs verläuft die wohlgepflegte und aufgeräumte und mit Sitzgelegenheiten reich versehene Fußgängerzone durch Zeilen mit relativ niedrigen Häusern und zahlreichen Geschäften mit Waren rund um den Kurbetrieb, so z.B. Mode und Gesundheitsartikel. Restaurants gibt es natürlich auch und – an diesem warmen Tag besonders wichtig – sehr empfehlenswerte Eisdielen, in denen wir uns die Kugel geben.

Wir kühlen die Füße in großen und kleinen Brunnen, hören bei einem Kurkonzert zu und studieren das Programm des Kurtheaters.

Bad Wörishofen -> Hopfensee -> Kappeler Alp

Kurtheater

Kurkonzert

Doch,  alles sehr beschaulich und etwas verschlafen. Die Menschen hier sind hauptsächlich Senioren und wirken nicht sonderlich fröhlich. Eine etwas merkwürdige Atmosphäre. Verblüffend finden wir, dass hier außer uns niemand barfuß läuft. Kann das sein in DEM Ort, wo einem Pfarrer Kneipp an allen Ecken in Form von Denkmälern und Bildern begegnet, dem Mann, der den Menschen auch das Barfußlaufen so sehr ans Herz gelegt hat? Wir erwarten lustige Bemerkungen, wenn wir vor den Menschen barfuß in den Brunnen planschen, doch wir sehen fast ausschließlich in teilnahmslose Mienen. Erstaunlich und ein wenig traurig. Dieser Ort vermittelt offenbar Langeweile und Lethargie statt Lebensfreude. Ist das gesund?

Zurück zu den Bergen

Wir steigen dann auch bald wieder ins Auto und fahren die rund  45km zurück nach Roßhaupten. Wieder erleben wir die besondere Befriedigung, wenn die Allgäuer Berge immer näher rücken. Wir können einfach nicht mehr ohne sein, ein Leben im flachen und bergfernen Unterallgäu wäre undenkbar.

Es ist erst Mittag, als wir zu Hause eintreffen und der Tag noch lang. Eva ist allerdings den restlichen Tag mit der Betreuung von Feriengästen ausgelastet, ich muss also den weiteren Tag alleine gestalten. Das Wetter ist immer noch prima und ruft nach Outdooraktivitäten.

Barfüßige Kunsthandwerker am Hopfensee

Ich fahre zunächst nach Hopfen am Hopfensee, wo vor grandioser See- und Alpenkulisse ein kleiner Kunsthandwerkermarkt stattfindet.

Barfuß auf dem Kunsthandwerkermarkt

Barfuß auf dem Kunsthandwerkermarkt

Ich liebe so etwas wegen der meist kreativen und entspannten Atmosphäre. So auch heute. Wieder gibt es interessante Gespräche mit den Standbetreibern, viele von ihnen sind barfuß. Künstler sehen einfach nicht ein, warum sie an einem warmen Tag in Schuhen schwitzen sollen. Außerdem genießen sie den direkten Kontakt zum Boden, auf dem sie stehen. Am Hopfensee ist es wunderbar weiches Gras. Beim Warenangebot bin ich wieder einmal verblüfft über die breite Spanne an Kreativität, die einem da begegnet. Töpferwaren, Textilien, Holzarbeiten, alles mit dem besonderen Pfiff und natürlich auch einem besonderen Preis. Schließlich reden wir über Handarbeit in Deutschland und nicht fernöstliche Massenproduktion. Insgesamt ein tolles Erlebnis.

Weiter nach Pfronten

Es ist früher Nachmittag und ich fahre weiter Richtung Pfronten, wo ich vom Ortsteil Kappel ein weiteres Mal zur Kappeler Alp auf 1340m aufsteigen will, diesmal nach langer Zeit erneut durch die Höllschlucht. Eva hatte sie mir ganz zu Beginn unseres Kennenlernens gezeigt. Ich wollte sie diesmal schon einige Tage zuvor unternehmen, hatte aber die Rechnung ohne die Forstleute gemacht. Die Höllschlucht war wegen Baumfällarbeiten gesperrt. Ich bemerkte das erst, als ich nach einem Kilometer Wegstrecke vor der Sperre stand. Da soll mich doch der Teufel holen!

Wegsperrung

Ich  musste umkehren und über den sog. Wiesenweg auf- und wieder absteigen, den ich inzwischen schon mehrmals begangen habe.

Durch die Höllschlucht

Heute, am Pfingstsamstag, ruhen die Forstarbeiten aber und man kann die Forstmaschinen ungefährdet passieren.

Forstarbeiten

Die Höllschlucht präsentiert sich wieder abenteuerlich mit ihren steilen Felswänden und den vielen kleinen und großen Wasserfällen.

Höllschlucht

Höllschlucht

Höllschlucht

Höllschlucht

Während der Zuweg noch über einen breiten Schotterweg verläuft, führt durch die Schlucht selbst ein teilweise sehr steiler und sehr barfußfreundlicher Erdsteig mit wenig Geröll. Einfach klasse.  An diesem Tag mit 27 Grad Celsius bietet die Schlucht dazu ein angenehm kühles und damit sehr wanderfreundliches Klima.

Höllschlucht

Der Ausstieg aus der Schlucht liegt schon sehr weit oben, nicht mehr weit entfernt von der Kappeler Alp. Dort oben wandert man durch weitläufige und mit Blumen übersäte Wiesen, der Blick reicht weit in die Berge bis hin zur Zugspitze sowie nach Osten und Norden ins Voralpenland mit der Füssener Seenlandschaft. Einer der Traumplätze dieser Welt.

Wiesen bei der Kappeler Alp

Wiesen bei der Kappeler Alp

Wiesen bei der Kappeler Alp

Wiesen bei der Kappeler Alp

Auf der Kappeler Alp

Die Leute auf der Kappeler Alp begrüßen mich wieder gewohnt freundlich mit einem „Griaß´di“, einige von ihnen kennen mich wohl inzwischen als den Mann ohne Schuhe, so wie auch schon auf dem Buchenberg nordöstlich von Füssen, wo ich hin und wieder zu Trainingszwecken hinauf steige. Übrigens sagt man hier nur auf der deutschen Seite „Alp“. In Österreich wenige Kilometer weiter ist so etwas eine „Alm“.

Kappeler Alp

Erfreut höre ich, wie eine Mutter, eine Einheimische,  ihre beiden kleinen Töchter auffordert, Schuhe und Socken auszuziehen und barfuß zu laufen. Was für ein angenehmer Gegensatz zu den überängstlichen Glucken, denen man sonst so oft begegnet.

Nie werde ich vergessen, wie ein Mädchen auf einer Wanderung im Hunsrück ihre Mutter anflehte, die Schuhe ausziehen zu dürfen. „Nur eine Minute, Mama, nur zwei Schritte…“ Es half alles nichts, sie durfte nicht, obwohl sich die Leute als progressiv und naturverbunden gaben. Barfuß steht in vielen mütterlichen Köpfen für böse Verletzungen und Erkältungen. Erstaunlich, dass die Kinder nicht auch noch ganztägig Handschuhe tragen müssen…

Mann, was sitze ich gerne auf dieser Hüttenterrasse und esse eine Kleinigkeit, so wie heute meine leckere Suppe mit Käspressknödel. Hier werde ich noch oft sitzen, soviel ist sicher.

Kappeler Alp

Zurück ins Tal

Irgendwann ziehen Wolken vor die Sonne, es wird windig und kühl. Zeit, wieder aufzubrechen und über den Wiesenweg abzusteigen, der weniger steil immer wieder abwechselnd durch Wiesen und Wälder führt.

Wiesenweg

An einer Stelle ist schon seit geraumer Zeit der Weg abgerutscht. Die Stelle kann aber trotzdem gefahrlos passiert werden, solange es nicht zu nass ist.

Wiesenweg

Zufrieden komme ich wieder am Auto an.

Was für ein  Barfußtag. Zuerst Bad Wörishofen, dann der Hopfensee, schließlich die Höllschlucht und die Kappeler Alp. Und ich bin wieder dankbar, in einer solchen traumhaften Umgebung leben zu dürfen, die uns mit Erlebnissen in einer solchen Dichte beschenkt.

Vielleicht hat der eine oder andere von Euch Lust, das selbst einmal zu erleben und uns einmal auf unseren Wanderungen zu begleiten?

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Wolfgang

Wolfgang

Ich bin Jahrgang 1955 und verbringe seit dem Sommer 2016 viel Zeit im traumhaft schönen Allgäu bei Füssen, wo Eva schon länger ihr Zelt aufgeschlagen hat. Hier kann ich zusammen mit ihr meiner Berg- und Radfahrleidenschaft frönen. Barfuß lebe ich seit 2012.

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4 Gedanken zu „Bad Wörishofen – Hopfensee – Kappeler Alp – Ein Barfußtag“

  1. Moin!

    So schön!

    Wie gerne wäre ich mal bei solchen Touren dabei. Aber aus dem hohen Norden ist das leider fast eine halbe Weltreise 🙁

    Viele Grüße
    Volker

    1. Hallo Volker,
      umgekehrt gilt das mit der halben Weltreise leider auch. Trotzdem war ich schon mehrmals zu Besuch bei Euch, oder besser, im Urlaub. Die Wanderung von der Süd- zur Nordspitze Amrums, immer am Strand entlang, ist z.B. ein absoluter Barfußtraum. Überhaupt bin ich ja erst durch eine Wattwanderung zum Dauerbarfußläufer mutiert. Wie wäre es mit einem Urlaub hier bei uns? Dann lohnen sich die vielen Kilometer. Wir würden uns freuen.
      Liebe Grüße,
      Wolfgang

  2. Hallo Wolfgang,
    da hast Du an einem Tag wirklich viel unternommen,
    die Höllschlucht Barfuß zu wandern ist schon was für gewohnte Barfüßler, ich bin im letzten Jahr über diese Schlucht zurück ins Tal, allerdings mit Wanderschuhen 🙂 .
    Es ist immer wieder schön, Eure Berichte aus dem wunderschönen Allgäu und Lechtal zu lesen, diese Gegend ist auch für mich, das schönste, was man sich an Landschaft vorstellen kann.

    Ja, ist schon seltsam, das man in einem Kurort sonst niemand Barfuss sieht, bei uns in Hessen ( Bad Nauheim, Bad Schwalbach und Bad Endbach ) ist es aber ähnlich, kann man eigentlich gar nicht verstehen so etwas.

    Ich war gestern auf 2 Flohmärkten gewesen, das Wetter war super und der Boden
    ( ein großer geteerter Parkplatz ) auch sehr angenehm zu gehen.
    Obwohl alles sehr groß und vielen Menschen dort waren, sah man sonst niemanden BF ; ein Verkäufer rief mir aber zu, das es klasse sei BF zu gehen und er se toll fände 🙂 .
    Er hatte aber Schuhe an, naja, so ist das 🙂

    Allerdings gab’s dabei total schwarze Sohlen.
    Da war schrubben angesagt.

    Liebe Grüße aus Mittelhessen

    1. Hallo Claus-Peter,
      der Kommentar, dass Barfuß ja eine tolle und gesunde Sache sei, verbunden mit dem Zusatz, dass man das selber aber leider nicht könne, ist Standard, leider. Umso mehr hoffen Eva und ich, dass der neue Trend in Richtung Minimal- oder „Barfuß“schuh mehr Menschen dazu bringt, die gefühlte Grenze zum Barfußlaufen zu überschreiten. Der Akzeptanz des Barfußlaufens werden sie sicher nicht schaden, auch wenn das einige befürchten. Und seien wir mal ehrlich, so ein bisschen „Held sein“ ist ja auch hin und wieder ganz nett, oder?
      Liebe Grüße,
      Wolfgang

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